24. März 2015

Sind Sie psychisch gestört? Ab morgen schon!

Das Diagnosemanual, mit dem Ihr Hausarzt, Ihr Psychiater Sie beurteilt, wird verschärft. Das hat Folgen für Sie.

Denn an der Beurteilung hängt Ihre Krankenakte und darin ist amtlich, ob Sie ein psychisch Kranker und damit in Deutschland ein Versicherungsrisiko sind.

Und das sind Sie, wenn das neue Diagnosemanual so kommt, wie es kommt, ziemlich schnell.


Noch nie hat die Psychiatrie so viele Menschen geheilt, wie in dem Augenblick, als Homosexualität nicht mehr als Störung galt, witzelten wir früher.
Dieser süffisante Spruch über die Psychiatrie hat aber einen wahren und ernsten Hintergrund.

Was als krank gilt, was als psychische Störung und was als gesund anzusehen ist, das entscheidet letztendlich die Gesellschaft. Wir reden hier jetzt nicht über Grippe, Knochenbrüche oder Ähnliches. Wir reden über das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) und dessen europäische Variante der WHO, den International Classification of Deseases (ICD). Nach diesem Buch dignostiziert Sie Ihr Psychiater, Ihr Therapeut, Ihr Arzt.

Der Befund

Der ICD folgte dem amerikanischen DSM immer in seinen Klassifikationen und gerade dieser amerikanische DSM wird zur Zeit verschärft. Hat mit dem Wegfall von Homosexualität als Krankheit die Psychiatrie über Nacht Millionen von Menschen geheilt, wird der DSM jetzt in einem Augenblick Millionen Menschen als psychisch gestört einstufen.

"Die Kollegen scheuen sich nicht, einen großen Anteil von Gesunden zu Kranken zu machen"

sagt Wolfgang Maier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), und mit ihm weltweit tausende von Kritikern.

Ein kleines Beispiel: 

Nehmen wir an, ein Ihnen nahe stehender geliebter Mensch stirbt, vielleicht Ihr Ehepartner. Es geht Ihnen sehr schlecht, tiefe Trauer, der Schmerz des Verlustes, alles erscheint grau und schwarz. Essen können Sie nicht mehr, es ist Ihnen alles egal, Sie sind wie betäubt, Sie bekommen Weinausbrüche,alles geht langsamer ....

Wir wissen, dass Trauer individuell ist, sowohl in der Weise, wie getrauert wird, als auch in der Dauer. Es gibt keine Grenze mehr, in der man sagen könnte, jetzt muss aber Schluss sein, das Leben geht weiter.
Nach dem DSM ist aber Schluss schon nach zwei Wochen. Trauern Sie dann noch, dann sind Sie psychisch gestört. Sie haben nämlich auf einmal eine Depression. Sagt zumindest der DSM. Und mit ihm dann natürlich alle Ärzte, Psychiater und Psychotherapeuten, denn die sind verpflichtet, sich nach dem Manual zu richten.

Ab jetzt können sie Medikamente verschreiben. Gerade in USA, wo Medikamente schon bei jeder Kleinigkeit eingeworfen werden, nutzt die Ausdehnung des Krankheitsbegriffes im DSM am meisten der Pharmaindustrie. Und so medikamentenfreundlich sind die Deutschen laut Statistik allerdings auch nicht.

Das alles ist nicht so fern. Aber auch hier sind die Entwicklungen bereits abzusehen. 

Ich erinnere an die Mutter, die mit ihrer Teenage-Tochter in die Notaufnahme kam, weil der Freund der Tochter Schluss gemacht hat und die jetzt so verzweifelt ist, dass ein Beruhigungsmittel helfen soll. Die Notärztin gab ihr natürlich etwas um nicht in rechtliche Schwierigkeiten zu geraten, mir sagte sie aber:

Das Beste ist, lass die Tochter eine Woche lang heulen, dann wirds schon wieder. Und für das nächste Mal hat sie etwas gelernt und es wird nicht mehr so schlimm.

Das ist überhaupt nicht brutal. Im Gegenteil! Genau das wäre die richtige Therapie.

Psychische Stärke und Widerstandkraft fallen nicht vom Himmel. 

Wir werden nicht mit Widerstandsfähgikeit und Stärke geboren. Wir lernen diese Fähigkeiten. Und es ist notwendig, dass wir sie lernen.
Das geschieht aber nicht im behüteten Schoß oder an Mamis Hand. Es geschieht, in dem wir uns unseren Gefühlen und Situationen stellen und sie verarbeiten. Das heißt, wir lernen anhand der Erfahrung.

Wenn wir dem ausweichen oder Medikamente nehmen, die die Gefühle manipulieren und weichspülen, dann haben wir keine Chance, diese wichtigen Fähigkeiten zu lernen. Das einzige, was so jemand wie die obige Tochter lernt, ist, dass man, wenn´s schlimm wird, zu den Pillen greifen soll, dann wirds besser.

Wir schädigen unsere Kinder mit dieser Einstellung

Schon jetzt sagen mir Kinder- und Jugendpsychiater, es träten Symptome von ernsteren psychischen Krankheiten, wie sich selbst verletzen (Ritzen), schon bei Dingen auf, die im Jugendalter eigentlich völlig normal wären, zum Beispiel eine schlechte Schulnote oder eben, dass jemand Schluss macht mit einem.

Statt Tee, Wärmflasche, einen riesen Eisbecher, mehrere Tafeln Schokolade und viele Taschentücher flacht man seine Gefühle mit Tabletten ab. Kein Wunder, dass dann unsere Kinder statt widerstandsfähig zu sein, hysterische inkompetente Menschen auf psychischem Kleinkindniveau bleiben. Weder eine Gesellschaft, die so etwas fördert, noch Eltern, die so etwas tun, noch Fachgremien, die normale Situationen nun als krankhaft definieren, sind hilfreich für eine gesunde Entwicklung.

Die Neufassung des ICD steht noch aus. Noch hat Deutschland also eine Schonzeit, aber machen wir uns nichts vor. Es wird kommen. Es ist immer so gekommen, wie USA es vorgedacht hatte.


Wir sind anscheinend auf den Weg in eine immer weniger psychisch kompetente Gesellschaft. 

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Kommentare :

  1. Anonym12.2.14

    Ich finde es gar nicht so schlimm. Das Problem liegt eher an die Psychiater und Psychologe, die das Buch interpretieren. Es gibt viele Ärzte und Psychotherapeuten die einen Mensch gleich etikettieren. Doch finde ich sehr in Ordnung, dass jede psychische Erkrankung besser definiert wird. So kann man zu einer besseren und erfolgreichen Behandlung tendieren. Ich habe eine tolle Website über Psychologie entdeckt, die nämlich auch über die positive Aspekte der psychischen Erkrankungen berichtet, was ausgeglichen ist. LG. B.

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