12. August 2011

burnout-Therapie: Die fundamentale Wahrheit zuerst

Die fundamentale Wahrheit gleich vorweg:
Zu allererst müssen Sie etwas leisten. Ja, richtig gehört. Denn bevor Sie diese Leistung nicht erbringen, wird Ihnen nicht geholfen. Nein, es gibt keine Hilfe einfach nur so. Erst müssen Sie etwas leisten, nur dann bekommen Sie Hilfe. Klingt böse, nicht nur für burnout-Betroffene, ich kann´s aber leider nicht ändern. Ich würde es gerne, aber es gibt nur Hilfe unter Vorbedingungen. Bevor Sie jetzt die Schotten dicht machen, könnten Sie sich aber auch erst mal informieren, was diese Vorleistung ist, ohne die es anscheinend nicht geht? Also mein Vorschlag: lesen Sie erst mal kurz weiter ...


Ganz einfach: Ihre Leistung besteht daraus, dass Sie einen Termin ausmachen und hingehen! Das setzt natürlich voraus, dass Sie die berühmte Entscheidung getroffen haben: So geht´s nicht mehr weiter und so will ich auch nicht mehr weiter. Ich bin am Ende meiner Fahnenstange und jetzt brauch ich jemanden vom Fach.

So, genau das ist die Leistung, die von Ihnen verlangt wird. Nicht herumdiskutieren, drumrumreden oder sonst was. Einfach nur feststellen: Es geht nicht mehr, ich will so nicht mehr, ich brauch jetzt einen Fachmann (oder Fachfrau, wenn´s das Wort im Deutschen gäbe).

Und dann gehen Sie hin. Keine langen Telefongespräche und Terminverhandlungen führen, es findet sich immer etwas, warum es grad da nicht geht. Pfeifen Sie drauf! Einfach hingehen, sich die Sache anschauen. Hören Sie auf sich 100 Mal zu informieren, wie jemand arbeit. Gehen Sie besser hin, schauen sich die Sache an, gegenseitige Sympathie ist schon der halbe Erfolg.

Jetzt können Sie sagen: ist doch klar, Mensch! Warum ich wieder so drauf rumreite?
  1. Weil in Wirklichkeit bei uns Menschen das gar nicht selbstverständlich ist.
  2. Weil diese Entscheidung … wenn es eine ist, hinter der Sie wirklich stehen … diese Entscheidung ist die halbe Miete. Ich habe es oft genug erlebt, bei Kollegen und Kolleginnen: die Leute kommen und haben die Einstellung, es geht so nicht mehr, ich will so nicht mehr, aber Therapie …, das ist doch was für Schwache, und ich, ich bin doch immer die Starke / der Starke …
Zwei Folgen ergeben sich daraus:
  1. Entweder die Menschen gehen nicht, das burnout verschlimmert sich bis es schließlich das ganze Leben ruiniert. burnout-Patienten, die mit 50+ dann mit erheblichen finanziellen Abstrichen in Frühverrentung sind, können davon einiges erzählen.
  2. Oder die Menschen machen eine Therapie, weil ihr Körper und Geist sie dazu zwingt. Aber in ihrem Innern können sie sich entweder mit der Situation  - ich brauche Hilfe - noch mit dem Vorgang "Therapie" anfreunden. Das ist wie Autofahren mit angezogener Handbremse. Es geht schon irgendwie, aber nur mit kostenintensiven Verschleißerscheinungen, weil es
    1. wesentlich länger dauert und
    2. wesentlich mehr Energie und Kraft von Ihnen kostet
    Und das Ergebnis am Ende ist nie so gut, wie es sein könnte. 
All das ist nicht wünschenswert. Kommt aber leider häufig vor. Und genau diese Dinge einzubringen, ist nicht Sache ihres Therapeuten, sondern das ist - ob Sie es wollen oder nicht, ob Sie darüber schimpfen oder nicht - das ist ihre Aufgabe.
Deshalb: Zuerst müssen Sie etwas leisten. Völlig egal wie schön der Therapeut oder Marketing erfahrene Coach Ihnen ins Ohr flötet - ohne diese Vorleistung von Ihnen funktioniert die Sache wenig bis gar nicht.

Und noch etwas: Mit Psychotherapie ist es wie mit dem Arzt. Man findet nicht immer sofort den Passenden. Therapie ist ein höchst individueller Vorgang. Da muss auch die Chemie stimmen. Das kann man nicht planen. Zuweilen muss man halt an mehr als nur eine Tür klopfen, bevor es passt. Auch das ist normal. Schließlich heiraten zum Beispiel auch nur die wenigsten ihre Jugendliebe, und diejenigen, die das tun, müssen halt auch einen bestimmten Preis dafür zahlen. Als Paartherapeut kann ich auch davon ein Lied singen.

Deshalb ist diese erste Leistung der Entscheidung von Ihnen so wichtig. Wenn Sie ihre Situation, ihren gesundheitlichen Zustand und den Gedanken an Therapie nicht als beschämenden Makel ansehen, dann sind Sie weniger entmutigt, wenn Sie mal durch mehrere Türen gehen müssen als durch eine. Denn auch das hat sein Gutes. Umwege erweitern die Ortskenntnis! Selbst, wenn man die Umwege gar nicht nehmen wollte und entsprechend frustriert ist.

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