7. September 2015

Haben Depression und Arbeitsplatz einen Zusammenhang? Hier die Fakten!

Zuerst ein paar Daten zur Einstimmung:
  1. Eine depressive Episode verursacht im Durchschnitt 36 Fehltage.
  2. Fast ein Drittel aller Manager sehen keinen Anlass, Richtlinien oder Unterstützung für die Mitarbeiter, die von Depression betroffen sind, anzubieten.
  3. Fast die Hälfte der Manager wünscht sich Gesetze und bessere Strategien, die die Mitarbeiter besser schützen.
Psychische Themen kommen so langsam ins Bewusstsein in Unternehmen. Das führt oft zu widersprüchlichen Aussagen nebeneinander, wie es Punkt 2 oder 3 exemplifizieren. Folgen Sie mir zu einem kleinen, aber signifikanten Ausschnitt aus der Forschung:

Haben Depression und Arbeitsplatz einen Zusammenhang?

2009 gab es eine Studie im Journal Occupational and Environmental Medicine, in der finnische Forscher Belege zeigten, dass ein schlechtes Betriebsklima das Erkrankungsrisiko erhöht.

Epidemiologie

Die Umfrage „Impact of Depression in the Workplace in Europe Audit“ (Die Folgen von Depressionen am Arbeitsplatz in Europa – eine Bestandsaufnahme) ergab:


“Von den mehr als 7000 Teilnehmern sagten 20 Prozent, dass sie schon einmal eine Depressionsdiagnose erhalten haben”

Aufgesplittert nach Ländern:

  • auf Platz 1: Großbritannien (26 Prozent aller Arbeitnehmer bekamen eine Depressionsdiagnose)
  • auf dem letzten Platz: Italien (12 Prozent aller Arbeitnehmer)
  • 61 Prozent aller Arbeitnehmer in  Deutschland, die eine Depressionsdiagnose hatten, wiesen Fehlzeiten auf
  • in Dänemark waren es 60 Prozent, in Großbritannien 58 Prozent
Am seltensten fehlten wegen Depression die Arbeitnehmer in der Türkei (25 Prozent)

Welche Kosten entstehen?

Für den Wirtschaftsraum der Europäischen Union lag die Schätzung 2010 bei 92 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte davon errechnet sich aus den Fehlzeiten plus dem sogenannten Präsentismus, also dadurch, dass Leute trotz Krankheit zur Arbeit gehen.

Ausgerechnet im Jahr 2010 schnellen die Zahlen nach oben:
Britische und deutsche Arbeitnehmer mit einer Depressionsdiagnose fielen wegen der Krankheit im Schnitt für 41 Tage aus. Trotzdem sagten nur ein Viertel der Betroffenen, weswegen sie ausgefallen waren.

Der Grund für diese Verschwiegenheit:


Ein Drittel der Arbeitnehmer meinte, wenn ihr Chef das mit der Depression wüsste, wäre ihr Job in Gefahr.
Das Journal of Environmental and Occupational Medicine veröffentlichte bereits 2008 mehrere Studien, nach denen Depression ein ernsteres Problem für die Ökonomie ist, als es deren Führungskräfte und Firmen einschätzen.


Wissen die Leute überhaupt Bescheid über Depression?

Traurigkeit und Niedergeschlagenheit fielen 88 Prozent ein, wenn sie nach Symptomen gefragt wurden. 57 Prozent erwähnten noch Konzentrationsschwierigkeiten, 44 Prozent nannten Unentschlossenheit und erstaunlich wenig (33 Prozent) erwähnten Vergesslichkeit.

Werden Führungskräfte im Umgang mit Betroffenen unterstützt?



44 Prozent der deutschen Manager sagten eindeutig: nein. Damit liegt Deutschland in puncto mangelhafter Hilfe in Europa auf Platz 1.



55 Prozent in Großbritannien erhielten Hilfe aus der Personalabteilung und in der Türkei liegt die Unterstützung durch einen Fachmann für psychische Gesundheit sogar bei 79 Prozent. Obwohl dort die Fehlzeiten wesentlich geringer sind als in Deutschland.

Wir sind gut im Arbeitsschutz bei physischen Beschwerden. Die Psyche wird in Deutschland noch sehr stiefmütterlich behandelt.

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