13. September 2015

Wie steht´s mit dem Kindeswohl in gleichgeschlechtliche Partnerschaften?

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Deutschland ist ein Thema, an dem sich gerade Grundwerte abarbeiten.
Die Diskussionen zeigen, wie sehr sich das Deutschland, das die Nachkriegsgeneration kannte, verändert hat. Die einen sind dagegen - u.a. wegen dem Kindeswohl - die anderen sind dafür - u.a. wegen dem Kindeswohl.

 Jetzt gibt es eine Untersuchung, die sich mit den Kindern bei gleichgschlechtlichen Beziehungen beschäftigt.

Wie wir meistens Liebe und Heirat organisiert haben

Wer in Diskussionen über gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Ehe hineingerät, hat den Eindruck, dass es sich um einen Glaubenskrieg handelt. Es wird mit Biologie oder mit Sinn von Ehe argumentiert, wie er in der Antike und im Mittelalter seine Wurzeln hat. Also aus einer Zeit, als Ehe und Sex hauptsächlich dazu da waren, erstens legale Nachkommen zu produzierten und zweitens der Triebabfuhr zu dienen.

Wir müssen uns vor Augen halten: Liebe war für die meiste Zeit unserer Geschichte kein Grund für eine Heirat. Liebe lebte man außerhalb der Ehe, wer es sich (finanziell) leisten konnte, hatte eine Mätresse oder ging ins Bordell. Schriftsteller, Denker, Theologen empfahlen eine solche Vorgehensweise sogar für den Fall, dass man für die Triebabfuhr keine eigene Frau zur Verfügung hatte.

Doch in der Neuzeit entdeckt der Mensch die Familie und die Romantik. Und schließlich bekommt er - es ist noch gar nicht so lange her - mit, dass für ein Kind Mama und Papa wichtig sind. Als logische Konsequenz schließt er daraus:


Bei Frau-Frau- oder Mann-Mann-Beziehungen soll Kindern deshalb etwas fehlen.



Tut es nicht!

Das zumindest ergibt eine Studie von  Rachel Farr von der University of Massachusetts Amherst und Charlotte Patterson von der University of Virginia im Fachmagazin Child Development (Bd. 84, S.1226, 2013). Kindern fehlt gar nichts, wenn sie unter gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen. Sie nehmen das genau so als normal, wie wenn sie mit heterosexuellen Eltern leben.

Aber es gab einen Unterschied zwischen hetero- und homosexuellen Paaren hinsichtlich der Kinder:

Homosexuelle Paare teilten sich die Aufgaben der Kinderbetreuung wie Füttern, Anziehen und Spielen eher gleichmäßig, in heterosexuellen Partnerschaften spezialisierten sich Männer und Frauen mehr. Das wars aber auch schon mit den Unterschieden.


Für die Kinder war das alles unwichtig, so das wissenschaftliche Ergebnis. Ausschlaggebend  für sie und ihre Entwicklung war vielmehr, wie die Erwachsenen miteinander umgingen.


Bei den Paaren, die mit ihrer Art, die Aufgaben zu teilen, zufrieden waren, gab es zum Beispiel weniger Verhaltensprobleme bei den Kindern. Auch das würde eine Erkenntnis aus der Paartherapie bestätigen: Ein geglücktes Familienleben basiert auf einer geglückten Paarbeziehung.

Nicht repräsentativ, aber gestützt

Die Studie ist für ein repräsentatives Ergebnis mit zu wenig Probanden ausgestattet (104 Paare), doch fügen sich die gewonnenen Erkenntnisse ein in denen der Beziehungsforschung. Das heißt, es spricht sehr viel dafür, dass die Daten aus verschiedenen Richtungen einheitlich sind. Die Gesellschaft muss langsam umdenken. Nicht die Tatsache, ob man heterosexuell oder homosexuell veranlagt ist, trägt zum Kindeswohl bei, sondern die Fähigkeit, eine gute Liebesbeziehung zu führen.


Wir kommen immer wieder auf eines zurück: Nicht irgendwelche vorgegebenen Ordnungen sind entscheidend, sondern die Qualität unserer Beziehungen. Und für diese können wir sehr viel tun.

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