30. November 2012

Von der Schwierigkeit, loszulassen

and the hardest part was letting go
and the hardest part was letting go (Photo credit: roujo)
Schwierigkeiten loszulassen - wem geht das nicht so? Jeder hängt an etwas ... oder an jemandem. Uns sind gewisse Dinge im Leben wichtig, bestimmte Ziele haben eine größere Bedeutung als andere, und uns stehen bestimmte Menschen eben näher als andere. 

Daran ist nichts falsch, das entspricht dem natürlichen Lauf der Dinge. Wenn wir dann feststellen müssen, dass sich bestimmte Vorstellungen und Hoffnungen nicht erfüllen, kann das sehr schmerzhaft für uns sein. Manchmal spüren wir die Schmerzen noch lange danach. 
Warum fällt es uns in manchen Fällen schwer, loszulassen? 
Hier eine von mehreren Antworten aus der Hypnotherapie.


Wie so oft

Da war dieser Mann, der mit einer Depressionsdiagnose in die Praxis kam. Er war bereits lange in therapeutischer Behandlung, auch bei verschiedenen Therapeuten, aber es reichte grad so. "Egal, was ich mache, es geht nicht weg, ich bin immer depressiv", klagte er sein Leid, und "kann man da mit Hypnose was machen?" 

Es ist nicht so locker lässig, wie es sich anhört, aber im Wesentlichen geht es darum, die treibende Kraft herauszufinden, aus der sich die Depression speist. Eine Arbeit, die der Klient selbst und in eigener Kontrolle leistet. Ich leite nur an. Bei diesem Mann war die Quelle ein für ihn traumatisches Ereignis: Eine Frau, die er sehr liebte und mit der er zusammen war, hatte ihn betrogen - aus Spass.

In Hypnose bekam er die Frage, wie dieses Ereignis sein Leben beeinflusst hatte und seine Antwort aus seinem Unterbewusstsein brachte ihn an den Ursprung des Ganzen: Er habe entschieden, nie mehr so tief zu fühlen im Leben, um nie wieder so verletzt zu werden wie durch diese Frau.

Das wars! Statt loszulassen, hatte er sich (unbewusst) entschieden, die schmerzende Erfahrung zu konservieren - aus einem Schutzbedürfnis heraus. Für sein Unterbewusstsein war es eine Präventionsmassnahme, jedoch eine mit einem sehr hohen Preis.

Nie wieder tiefe Empfindungen erleben zu können - mit einer solchen Perspektive für das restliche Leben würde auch ich, würde wohl jeder, depressiv werden.

Die richtigen Schlußfolgerungen ziehen

Wer jetzt denkt, die Lösung wäre, weniger zu lieben oder vielleicht keine Ziele mehr zu haben oder alles gleichmütig distanziert zu betrachten, der verwechselt loslassen mit Desinteresse. Der Mann, genauer gesagt sein Unterbewusstsein, musste lernen, dass neben "lieber gar nichts mehr fühlen" es auch andere Möglichkeiten gab, mit dem Erlebnis fertig zu werden. Dazu brauchte sein Unterbewusstsein eine Anleitung, wie man es macht, sich zu schützen und gleichzeitig tief empfinden zu können.

Für so etwas ist die Hypnotherapie wirklich gut: Neue Impulse und nützliche Fähigkeiten so tief in uns zu verwurzeln, damit das Hilfreiche wächst und das Negative verschwindet.

Falsche Vorstellungen vom Loslassen

Wir müssen lernen, dass loslassen nur bedeutet, die Belastungen, die negativen Gefühle zu verlieren. Viele glauben insgeheim, dass mit dem Eingeständnis, dass bestimmte Dinge oder Beziehungen vorbei sind, automatisch alles vorbei sei. Oder sie glauben, loslassen bedeutet, sich mit erlittenem Unrecht einverstanden zu erklären. 

Aber das alles hat nichts mit Loslassen zu tun. Unrecht bleibt Unrecht. Daran ändert das Loslassen nichts. Aber es ändert statt dessen etwas sehr Wichtiges: Es macht, dass das Leiden daran und die psychisch-emotionalen Schmerzen aufhören.
Ebenso ist Loslassen möglich und zugleich kann man seinen Emotionen die Wertschätzung entgegenbringen, die ihnen gebührt.
 

In Hypnose geht Veränderung viel schneller. 

Das liegt an der Eigenart des hypnotischen Zustands. Denn während wir im Alltag oder bei anderen Therapiemethoden über Gefühle reden, erleben wir in Hypnose die Gefühle und ihre Veränderung direkt

Wir können jetzt, im gegenwärtigen Augenblick wahrnehmen, wie sich belastende Gefühle auflösen. Viele können sich das, bevor sie in Hypnose gehen, nicht vorstellen. Aber diese Verwunderung resultiert aus der Tatsache, dass uns niemand wirklich beigebracht hat, wie Gefühle zustande kommen und wie wir mit ihnen gut klarkommen können. 

Die Antwort auf die Frage "Warum erscheint uns im Alltag das Loslassen schwer?" lautet:

Weil wir statt zu wissen, was loslassen wirklich ist, nur wissen, was wir nicht mehr wollen: nämlich das Schlechte, Belastende, Schmerzhafte. 
Aber zu wissen, was man nicht will, führt uns nicht automatisch zu dem was richtig und hilfreich ist. Und schon gar nicht führt es uns dazu, dass wir wissen, wie es gehen könnte.

Und selbst wenn wir es wissen würden: Wir haben es nicht sonderlich geübt. Wir können gut ad hoc Ärger, Wut oder sorgenvolles Grübeln aktivieren - wir tun es häufig. Wir sind aber nicht geübt darin, ad hoc gute Gefühle hervorzurufen. 

Alles, von dem wir nicht wissen, wie es geht und was wir auch nicht geübt haben, erscheint uns erstmal als schwer. Die gute Nachricht dabei ist: Wir können es hinkriegen.
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