13. November 2012

Vertrauen - in der Therapie nicht so ausschlaggebend, wie man denkt


Vertrauen
Vertrauen ist eine Basiskategorie in vielen Beziehungen. “Basiskategorie” meint: Sobald sich diese eine Kategorie verändert, verändert sich automatisch auch das ganze System. Erleidet also eine Beziehung einen Vertrauensverlust, steht automatisch die ganze Beziehung in Frage.

Innerhalb des therapeutischen Geschehens ist Vertrauen eine wichtige Größe. Wie in jeder anderen (Arbeits-)Beziehung auch.  

Doch es gibt noch Wichtigeres! 
Lesen Sie hier, was noch wichtiger ist als Vertrauen.

Beispiel Chirurg

Vor zwei Jahren wurde ich nachts mit irrsinnigen Schmerzen in die Notaufnahme eingeliefert und nach den ganzen Untersuchungen, Blut, Ultraschall etc. musste operiert werden. Zuvor jedoch suchte mich also ein älterer Herr im weißen Kittel auf, legte mir eine Din A3 - Broschüre mit Infos über die Operation vor, erläuterte noch das ein oder andere und schloss mit den Worten: “Haben Sie noch Fragen?”

Was ich verstanden hatte, war, dass man mir dringend ein Organ entnehmen musste, da es von irgendwas infiziert war und die Infektion sich über den ganzen Körper ausgebreitet hatte. Medikamente hätten die Infektion zwar eingedämmt, konnen aber den Brandherd nicht löschen. So weit, so schlecht.
Ich erkundigte mich, wer denn die OP durchführen würde, er vielleicht? Nun, das wisse er nicht, antwortete er, der Dienstplan würde erst morgen gemacht.

Was ist in einer solchen Situation von meiner Seite gefordert? 

Ganz klar: hauptsächlich Vertrauen. Ich musste darauf vertrauen, dass das Klinikum schon jemand einteilen würde, der von der Sache etwas verstand. Es konnte natürlich genauso gut sein, dass der Chefarzt sagte: “Die Frau Huber ist doch grad vom Studium gekommen. Die ist doch schon einen Monat da. Hat sie so eine OP schon gemacht? - Nein? Dann wird´s Zeit! ” Welche Variante es sein würde, das würde ich nie wissen. Alles, was ich jetzt tun musste, war, zu vertrauen, genauer gesagt musste ich “blind” vertrauen, denn nachprüfen konnte ich natürlich nicht.

Was noch wichtiger ist als Vertrauen

Im Gegensatz zu diesen “passiven Therapien” ist beim Psychotherapeuten oder Coach Vertrauen allein viel zu wenig. Noch wichtiger für den Erfolg ist: die Mitarbeit (Fachbegriff Compliance) des Klienten.

Jemand, der vertraut, aber nicht kooperiert, wird von Psychotherapie nicht profitieren. Anders herum aber durchaus: Jemand, der dem Therapeuten misstraut, aber kooperiert, für den kann Psychotherapie durchaus erfolgreich verlaufen.

Natürlich kann man jetzt verwundert den Kopf schütteln und sagen: Wenn ich dem Therapeuten nicht vertraue, dann mach ich die Therapie gleich gar nicht. Einverstanden! Allerdings gibt es auch Situationen, da hat man diese Wahl nicht. Zu manchen Dingen wird man einfach befohlen oder man erklärt sich einverstanden, weil es das kleinere Übel darstellt.

Der deutliche Unterschied zwischen medizinischer und psychotherapeutischer Therapie

Beim Chirurgen ist Vertrauen alles und ermöglicht Heilung. In der Psychotherapie ist Vertrauen nur für den Anfang gut und ermöglicht noch keine Heilung. So gesehen braucht es bei Psychotherapie mehr (nämlich aktive Mitarbeit), andererseits aber auch weniger “blindes” Vertrauen.

In der konkreten Praxis

In der Praxis ist ist es oft eine Frage der Sympathie. Denn wem ich Sympathie entgegenbringe, dem vertraue ich nämlich meist automatisch ein Stück weit. So gesehen beruht Psychotherapie immer auf einem sehr individuellen Beziehungsgefüge.
Natürlich sollte man sich erkundigen, welche therapeutische Fachrichtung der Anbieter vertritt, aber dann? Was ist, wenn Ihnen jemand als gut empfohlen wird, man dann aber feststellt, man findet keinen Draht zueinander? Ist dann der Therapeut schlecht? Taugt dann die therapeutische Methode nicht? Natürlich nicht!

Seriöse Beratung oder Therapie

Wie meine Ausbilder auch, gebe ich keine Empfehlungen im Sinne von “gut” oder “nicht gut” für einzelne Personen oder Therapien. Das wäre es genau so, als würde ich Ihnen Vor- und Nachnamen einer wildfremden Person nennen und sagen, dass das für Sie ein guter Ehemann, eine gute Ehefrau wäre. Das wäre unseriös, beziehungsweise schlicht Blödsinn!

Was ich aber tue, ist: Ich informiere aber Menschen, so dass sie für sich eine bessere Einschätzung treffen können, was Ihnen besser liegen könnte. Wenn Sie zum Beispiel eine schnelle Methode bevorzugen, dann ist Hypnose ganz vorne mit dabei. Wenn Sie ein Jahr und mehr Zeit haben, dann lieber Psychoanalyse. Wenn Sie lieber im Dialog die Dingen angehen, dann eher Gesprächstherpie etc. Welcher therapeutische Ansatz für Sie geeignet sein könnte, das herauszufinden, kann ich Ihnen helfen. Aber mehr aber geht seriöserweise nicht.
Dazu ist Therapie ein zu individuelles Geschehen.

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