2. Oktober 2011

burnout Therapie - was bei anderen Therapeuten zu kurz kommt

Therapie ist eine systematische Unterstützung auf emotionaler und kognitiver Basis.
Den ersten notwendigen Schritt - sofortige Entspannung und Regeneration einleiten - hatte ich hier schon besprochen.
Heute geht es mir um das, was genau so wichtig ist, was aber bei klassischen Therapeuten oft zu kurz kommt:

Die Arbeitsplatzanalyse
Ziel ist, umproduktive Strategien zu erkennen und situationsangemessen abzuwandeln. Erreicht wird das
  • durch Erkenntnis und Klarheit über die psychologischen Anatomie meines Arbeitsplatzes, über das Netz aus Leistung, Verantwortung und geistig-körperlicher Beanspruchung, über seine Sogwirkung  und über mögliche Veränderungsmöglichkeiten 
  • durch ehrliche Klärung mit sich selbst: ist der jetzige Beruf wirklich der "Jugendtraum"?
    Sind das jetzt die Tätigkeiten, die ich bis zur Rente machen will?
    Oder bin ich wie viele einfach nur "hineingerutscht" oder gar hineingezwungen worden.

    Sich darüber klar werden, heißt zwar schmerzliche Erkenntnisse hinzunehmen, bedeutet aber auch, keinen Illusionen mehr aufzusitzen. 
Dann erst beginnt der nächste Schritt:

Der Abgleich
Passen eigene Vorstellungen und Qualitätsansprüche mit denen meines Arbeitsfeldes zusammen oder gibt es Abweichungen, und wenn ja, wie groß sind diese?
  • Stoßen meine Verstellungen, wie der Job am besten zu tun ist - mit welchen Mitteln, Fähigkeiten, Einstellungen, Methoden etc. -, auf Einverständnis der Arbeitsumgebung (Team, Vorgesetzter, Betriebskultur, Firmenpolitik)?
  • Wird das auch entsprechend so gefördert, dass es auch umsetzbar ist? Oder wird meine Einstellung nicht geteilt oder nur pro forma hingenommen?
  • Oder wird nur so getan, als würde sie geteilt, in Wirklichkeit passiert aber gar nichts, schon gar nicht, wenn es mal hart auf hart kommt?
Es geht hier um eine klare und realistische Sichtweise wie die Situation ist, nicht wie Sie oder ich sie gerne sehen würde oder wie sie eigentlich zu sein hätte. Entscheidend ist hier nur, wie sie ist, nichts sonst.

Die besten Ansprüche an sich selbst nützen nichts, wenn die Firma sie nicht mitträgt. Sofern Sie also nicht der oberste Chef sind und autonom bestimmen können, was denn nun passt oder nicht, müssen Sie ihre Vorstellungen in das Beziehungsgeflecht der Firma einpassen.

In der Realität bedeutet das meist, dass von ihren Ansprüchen einige verwirklichbar sind, andere müssen sie verändern und modifizieren. Eventuell mehr als Ihnen lieb ist. Und wieder andere Ansprüche können oder müssen Sie getrost in die Tonne treten!

Kennen Sie das oft zitierte Schülergebet?:
"Lieber Gott, hilf mir, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Und gib mir die Klarheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."?
Umgemünzt auf burnout heißt das:
  • Welche Umweltbedingungen belasten in welchem Maße?
  • Welche eigenen Bedürfnisse wurden vernachlässigt, welche Fähigkeiten blieben brach? Was ist unrealistisch, was eher hinderlich als fördernd?
  • Fehlen Informationen?
  • Wo lässt sich mit am wenigsten Aufwand das beste Ergebnis erreichen, sprich: ein Stück Autonomie wiedergewinnen? 
Verändern
Im dritten Schritt geht es darum, das, was zu verändern ist - ob in der Arbeitsumgebung oder bei sich selbst- schonend und ohne Schuldzuteilung weder bei anderen noch bei sich selbst zu verändern.

Das klingt leichter geschrieben als getan. Wissen Sie, was das Schwerste für viele ist?

Das Schwerste ist: bei sich Dinge zu verändern ohne sich für das Bisherige zu verurteilen! Es fällt Menschen in unserer westlichen Gesellschaft anscheinend unglaublich schwer, nicht über sich den Stab zu brechen. Westliche Menschen sind gnadenlos, wenn es darum geht, sich selber zu verurteilen.

Dazu noch wichtige Stichpunkte im kommenden Beitrag.

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