14. April 2018

Kann Hypnose jedes Problem lösen?

Bei solchen Fragestellungen bricht bei mir immer kurzfristig der Philosoph durch. Und der sagt: Ok, nehmen wir die Frage doch mal wirklich, aber auch wirklich ernst und schauen sie uns an. Und keine Sorge: Sie bekommen eine Antwort. Versprochen!

Jedes Problem?

Hypnose als Lösung für jedes Problem: also Traumabehandlung, Klimaerwärmung, die Ukraine-Krise, die Enthauptungen und Terroranschläge der IS, Ehestreitigkeiten, Krebs und überhöhte Mietpreise?
Ähem, rollen Sie gerade mit den Augen?

Dann ist Ihnen auch klar, was ein Philosoph jetzt macht: Er schmunzelt. Und ja, auch etwas von oben herab. Geschieht Ihnen Recht, sagt er zudem noch etwas herablassend. Denn seine süffisanen Gegenfragen decken etwas auf: Dass die Ursprungsfrage unpräzise ist. Man kann aber keine genaue fachliche Antwort geben, wenn die Frage unfachlich, weil unpräzise, gestellt wurde.

Zudem steckt in der Frage eine Suggestion. 

Die Frage impliziert die Annahme einer Macht von Hypnose, die alles kann.
Oft ist eine solche Annahme verbunden mit der Hoffnung, dass es doch eine Wunderdroge geben könne, die uns (ohne grosses eigenes Zutun) heil machen kann. Der Philosoph will zeigen: Das ist eine Hoffnung eines kleinen Kindes, der Wunsch nach dem weissen Ritter, nach dem Helden, der am Ende als Retter erscheint. So aber ist die Welt nicht.

Das ist kein Vorwurf. Es deckt nur einen Denkirrtum auf. Und Denkirrtümer aufdecken ist einer der Jobs des Philosophen. Er will rationale von irrationalen Ansichten unterscheiden. (Das macht ihn ab und zu zum "Klugscheisser", aber hey: Der Streber in der Klasse ist immer ein Unsympathischer, aber er ist halt ein Unsympathischer mit guten Noten.)


Wenn es uns schlecht geht, hoffen viele auf ein Wunder. Doch leider sind Hypnotherapeuten keine Jedi-Ritter, ich bin nicht Luke Skywalker und Hypnose ist nicht durch die Konzentration der Midichlorianer im Blut nachweisbar.

Die Frage, ob Hypnose jedes Problem lösen kann, ist keineswegs kindisch, nur äußerst ungünstig formuliert. Das eigentliche Anliegen - jetzt schalte ich wieder zurück zum Therapeuten - steckt nämlich hinter der Frage und sie lautet:


Kann Hypnose mein Problem lösen?

Antwort: Kommt darauf an, was dein Problem ist.
Schon wieder! Aber wiederum: die Antworten können nur so genau sein, wie es die Fragen sind. Was könnte also hinter „mein Problem“ stecken?

Vielleicht ist es etwas wie: “Kann ich Ihnen meinen Ehepartner / meinen Angestellten schicken, damit Sie ihn so hinbiegen, wie ich ihn brauche?”

Die fachliche Antwort darauf lautet: Nein, kann ich nicht. Hypnose kann das nicht. Selbst wenn, wäre es Manipulation eines Menschen nach bestimmten privaten Interessen eines anderen. So etwas fiele durch mein Ethikraster.

Schauen wir weiter. Welches andere Anliegen könnte noch hinter der Frage stecken?

Kann Hypnose jedes psychische Problem lösen?

Die fachliche Antwort ist - auch bewusst fachlich genau formuliert:


Mit Hypnose kann man jedes Problem zum Besseren beeinflussen, das durch die Psyche zum Besseren beeinflussbar ist.
 

Nicht nur psychische, sogar körperliche Dinge

So wird Hypnose zum Beispiel als Anästesieersatz seit Jahrzehnten im Krankenhaus eingesetzt. Blutungen stillen, Schmerzen abzuschalten oder mildern ist ein weiterer Bereich, bei dem Hypnotherapie besser als andere psychische Methoden greift.

Operationen unter Hypnose ist wohl das Extremste, was man beobachten kann. Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, ist mir ziemlich schlecht geworden (ich kann nur bedingt Blut sehen und das war zu einer Zeit, in der die Chirurgie nicht so sensibel und präzise operierte, wie heute. Bei dieser Op sah es aus wie auf einem Schlachtfest).


Bei psychischen Themen ist Hypnotherapie ebenso gut einsetzbar. Hypnotherapie hilft zum Beispiel, Traumata zu bewältigen, Ängste aufzulösen, Stottern zu eliminieren, Rauchen aufzugeben oder komplexe Angelegenheiten wie Depressionen günstig zu beeinflussen. Eine kleine Liste der Anwendungsbereiche der Hypnose gibt es hier.

Wie hilft Hypnose?

Wie Hypnose hilft, ist prinzipiell genau so wie in anderen Therapieformen auch: Nicht der Hypnosezustand liefert die Lösung, sondern das, was im Hypnosezustand passiert. Der Hypnotisierte arbeitet sich durch die entsprechenden mentalen und emotionalen Prozesse, die dazu geeignet sind, bei dem zu behandelnden Sachverhalt hilfreiche Ergebnisse zu “produzieren”. Hypnose hat dabei den Vorteil, dass sie erhöhte Suggestibilität hervorruft, das heißt, die Prozesse können tiefer und schneller greifen als bei anderen Verfahren.

Hypnose ist wie neues Land betreten

Es gibt Menschen, die versuchen eine Methode und es klappt nicht. Sie versuchen es mit einer anderen. Und es klappt nicht.

Entsprechend frustriert und verzweifelt sind sie. Nach vielen Versuchen kommen sie dann zur Hypnose. Hypnotherapie ist eine Art Offenbarungseid: Wenn sie ehrlich motiviert sind, dann klappt es. Wenn sie sie als Notnagel benutzen, nach dem Motto, der Therapeut soll irgendwas machen, dann klappt es nicht.
Nicht immer ist das eine bewusste Einstellung. Manchmal wollen die Leute auch, aber ihr Unterbewusstsein sagt: "Ist mir egal, was du willst, ich will nicht." Wenn dem so ist, hat der Therapeut noch etwas zusätzliche Arbeit vor sich.

Hypnotherapie kann mehr als andere Verfahren. Sie verlangt allerdings echten Einsatz. Drumrumreden hilft da nicht. Das wird im Zustand der Trance schnell klar.
Aber dann gibt es selbst in Sackgassen neue Türen.

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