30. Oktober 2016

Acht Wahrheiten, an die zu erinnern uns hilft, in harten Zeiten gut klarzukommen

Niemand wird von Leid verschont. Wer einmal erlebt hat, dass sein Leben zerfällt, der weiss, was das tatsächlich heisst.

Wenn uns die Verzweiflung übermannt, vergessen wir nur allzu leicht, dass es Hilfen gibt. Hier sind acht (unbequeme) Wahrheiten, an die zu erinnern uns hilft, in schwierigen Zeiten gut klarzukommen.

1. Wahrheit: Leid ist immer

Von einem gibt es keine Ausnahme: Im Leben steht jeder einmal vor der Tatsache, dass sich die Tür vor ihm gerade geschlossen hat. Das kann bedeuten:
  • schwer zu erkranken
  • unvermutet die Kündigung erhalten
  • eine Trennung / Scheidung
  • der Verlust von Freunden, Verwandten
  • der Tod des eigenen Kindes
  • ...
In all dem Aufruhr oder der Verzweiflung, die solche Erlebnisse nach sich ziehen, ist eines wichtig:

Dass wir Leid erfahren, liegt nicht in unserer Hand. Auch Leid nicht beenden zu können, heisst nicht, versagt zu haben. Keiner lebt in einer abgeschotteten Kammer ausserhalb der Zeit, in der selbst Alterungsprozesse, Krankheiten oder Tod keine Rolle spielen. Leid ist immer unvermeidbar. Es ist der Preis dafür, dass wir leben.


2. Wahrheit: Alles ist vergänglich

So dumm es klingt, keine noch so dunkle Stunde dauert ewig. So auch unser Leid. Unsere Fähigkeit, etwas festzuhalten, mag gut sein, um Dinge anzuhäufen oder um uns etwas aufzubauen. Doch wenn wir auch am Leid festhalten, leider wir mehr und länger. Wir müssen lernen, unser Leiden gehen zu lassen.

Nichts bleibt so, wie es ist. Jeder Moment birgt in sich Veränderung. Darin liegt immer etwas Neues. Wir können dies erkennen und es gibt Möglichkeiten, zu gestalten.


3. Wahrheit: Sich sorgen und beschweren verändert gar nichts

Die, die jammern oder wütend und verbittert durchs Leben ziehen, erreichen am wenigsten. Es mag vielleicht in einer Behörde oder Abteilung so sein, dass der gehört wird, der am lautesten schreit. Aber im restlichen Teil der Welt gilt das relativ wenig.

Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat einmal betont, dass das Geringste an Geschaffenem noch wertvoller sei als das Gerede über Geschaffenes. Genau so ist auch jeder misslungene Versuch zur Veränderung mehr Wert als die Klage über den status quo.


4. Wahrheit: Nur verwöhnte Leute ohne Lebenserfahrung tragen keine Narben

Leonard Cohen singt:


"There´s a crack in everything. That is how the light get in."




Sehen wir unsere seelischen Risse nicht als eine Art Gefängnis, in dem wir fortan leben müssen.

Beim Militär bekommt man einen Orden, wenn man im Einsatz schwere Verletzungen ausgehalten hat. Genau so sind unsere Narben. Wir haben sie, weil wir überlebt haben. Die Narben sind der Beweis für das, was wir geschafft haben.


5. Wahrheit: Geduld und Beharrlichkeit sind gute Weggefährten

Geduld und Beharrlichkeit hat weniger mit abwarten zu tun, als vielmehr mit der Fähigkeit, eine gute Resilienz zu haben, während man seine Träume verfolgt. Träume verwirklichen braucht Zeit und einen langen Atem. Ohne beides lohnt es sich kaum, damit anzufangen.

Dass wir Durststrecken durchleiden werden, ist letztlich dem Universum geschuldet. Es war immer schon ein Ort, der dem Leben keinen roten Teppich ausgerollt hat. Wir wissen heute, dass in ferner Vergangenheit die Menschheit bis auf wenige Tausend auf diesen Planeten dezimiert wurde. Und doch hat sie sich durchsetzt. Langsam, aber stetig.


6. Wahrheit: Der einzig wahre Grund für Veränderung

Letztendlich geht es darum, der Mensch zu sein, der man sein will. Irgendwann geht aber immer etwas dabei zu Bruch: Sicherheit, Komfort, unser Herz, zuweilen auch unser Verstand.

Es kann bedeuten, dass unsere Gesundheit in Mitleidenschaft gezogen wird. Es kann sein, dass wir chronisch Belastungen ausgesetzt sind. Es kann sein, dass auf dem Weg Partnerschaften, Liebesbeziehungen auf der Strecke bleiben.


Es kann sein, dass wir ausgelacht werden oder von den vielen selbsternannten Moralaposteln abgekanzelt werden. Es kann viele Stunden Einsamkeit bedeuten.

Doch Einsamkeit ist auch ein Raum, der Bewegungsfreiheit schafft. Nehmen wir den Hass der anderen, deren Menschenunfreundlichkeit oder deren Bürokratentum nicht so, als ob das etwas mit uns zu tun hätte. Diese Menschen sind so, weil sie so sind, nicht weil wir so sind.

7. Wahrheit: Que sera sera!

Was sein wird, wird sein. Doris Day singt es in dem Hitchcock-Thriller "Der Mann, der zu viel wusste". Im Film ist das Lied ein Symbol für die beiden Eltern, die ihr entführtes Kind suchen, ihre Stärke zu bewahren.

Stärke ist die Fähigkeit, zu lächeln und das Leben auch dann wertschätzen zu können, wenn es einem zum Heulen ist. Tatsächlich gibt es keine Entwicklung ohne Preis und keinen Preis ohne Entwicklung.



8. Wahrheit: Das Beste, was man tun kann

Harte Lektionen müssen nicht zu harten Herzen führen. Zu manchen Zeiten geht wirklich alles schief, was schiefgehen kann. Und irgendwie scheint man auf keinen grünen Zweig mehr zu kommen. Doch wer daran verzweifel, ist derjenige, der (un)bewusst ausschliesst, dass man auch auf verdorrten Zweigen sich weiterhangeln kann.

Es gibt das Bild vom Leben als einer Reise. Ein Reisender mag sich oft wundern, zuweilen sorgen, sogar das Ziel aus den Augen verlieren und sich hoffnungslos verirren. Aber eines tut ein Reisender niemals: Sich immer und bei jeden einzelnen Schritt Sorgen machen, ob das jetzt auch der richtige Schritt ist. Er geht einfach. Weil stehenbleiben das Schlechteste wäre, was er tun könnte


Last but not least

Möglicherweise liegt der Grund in unserem Leid in einem falschen Mythos. Dem Mythos vom Paradies, in dem alles anders ist als in unserer Welt, in dem alles gut ist, es keine Schattenseiten gibt und keine Tränen. Religiös begründet wohl im Christentum, sekulär übersetzt ins Schlaraffenland, wo die religiösen Impulse in materialistische Gratisprodukte umgewandelt sind. Im Laufe der Geschichte haben wir immer wieder versucht, das Paradies ins Heute zu gestalten. In der Regel mit furchtbaren Konsequenzen. Zuletzt versuchen wir dies, indem wir das Paradies in die Psyche verlagern: die einen als Hoffnung auf bessere Zeiten, die anderen als Anspruch darauf. Beides produziert Schmerzen. Nehmen wir lieber Goethe als Vorbild. Seine Haltung ist realistischer:

Wir mögen die Welt kennenlernen, wie wir wollen, sie wird immer eine Tag- und eine Nachtseite behalten.
(Johann Wolfgang von Goethe)


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