24. Juli 2015

Ein persönlicher post: Alltagsrassismus - Schwarz-weiß vs. bunt

Es ist raus: Bayern hat die zweithöchste Rassismusrate in Deutschland. Gleich nach Sachsen. Die Untersuchung verwendet den Begriff "Fremdenfeindlichkeit", das klingt etwas smoother. Aber Fremdenfeindlichkeit ist Feindschaft gegenüber jemanden, nur weil er fremd ist oder so aussieht. Nennen wir es einfach beim Namen: Rassismus.

Ich selber sehe jetzt so aus, wie man sich einen Deutschen vorstellt. Und war ebenfalls von Rassismus betroffen. Deshalb heute ein mehr persönlicher post.


Rassismus persönlich

Mit Rassismus wurde ich zum ersten Mal konfrontiert, als meine Frau und ich damals in einem Restaurant nicht bedient und stattdessen rausgeschmissen wurden und sie von der Besitzerin als Nutte bezeichnet wurde. Sie war zu sehr geschockt als dass sie kontern konnte, meine Sprachkenntnisse waren nicht gut genug, um schnell zu verstehen, was da ablief und später wollte sie es mir nicht erklären, weil das Geschehene unter ihren Sprachniveau lag. Erst mehrere Stunden danach war mir klar, was genau los war: Wir wurden so behandelt, weil ich europäische Gesichtszüge und weiße Haut hatte.
Es sollte nicht bei dieser einen Ausgrenzung bleiben. Rassismus ist Alltag.

In Deutschland sind die Dinge nur ein bisschen mehr unter der Oberfläche

23 Prozent der Deutschen zeigen ein ablehnendes Verhalten gegenüber Flüchtlingen, so eine Forsa-Umfrage. Weiter Einzelheiten listet die Huffington Post hier auf.

Erschütternd: für die Hälfte der Jura-Studenten ist Folter akzeptabel, ein Drittel befürwortet die Todesstrafe.


Die Deutschlandstiftung Integration will mit einer fotokampagne dagegenhalten. Ich hoffe, es hilft. Ich vermute nur, diejenigen, die es sehen sollten, kommen nicht auf die Seite.

Rassismus ist überall

In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die wegen irgend etwas auf andere herabsehen und sie als minderwertig einstufen. Womöglich ist das ein Relikt aus den Stammesgesellschaften, aus denen wir alle kommen. In manchen Sprachen gibt es für das Wort "Mensch" und "zum Stamm gehörig" nur einen einzigen Begriff. Das bedeutet, wer nicht zum Stamm gehört, ist kein Mensch.

Ich bin aufgrund einiger meiner biographischen Erlebnisse vielleicht etwas sensibler als manche, die nur in ihrer Konfortzone leben. Selbst Nationalgefühle liegen mir fern. Außer sie sind witzig gemeint. So fand ich einmal in einer irischen Kneipe in Asien folgenden Spruch an die Decke gepinselt:


If you are lucky to be Irish, you are lucky enough.




So etwas finde ich gut, denn es lässt die Selbstironie dahinter aufblitzen. Alles andere aber ... danke, nicht für mich.

Nur geistig Eindimensionale mögen Multikulti nicht

Ich habe Rassismus bisher nur in einem Milieu kennengelernt: Im Konservativen. Das ist kein Urteil über Konservatismus an sich, aber eine Zusammenfassung meiner Erlebnisse.

Ich habe beschlossen, Multikulti zu mögen. Dort, wo viele Hautfarben und Menschen aus aller Herren Länder im Raum sind, fühle ich mich am lebendigsten. Einen begrenzten Lebensraum, in dem immer nur das Selbe passiert und die selben Menschen auftreten, alle nur mit den gleichen Lebensformen und Ansichten, das kann ich haben, wenn ich alt (sehr alt, am besten kurz vorm Tod) bin.

Ich glaube auch nicht, dass Multikulti, wie viele behaupten, gescheitert ist. Ich behaupte, man hat es nur noch nie mit echter Überzeugung versucht. Statt dessen gab es immer irgend eine Gesellschaftsschicht, die meinte, sie hätte die Leitkultur und die anderen sollen sich danach zu richten haben.

Aber diese "Ich bin /hab was Besseres als Du"-Haltung funktioniert nicht. Auf Menschen herabzusehen produziert Hass. Leute, die so etwas tun, sind psychisch gesehen Kriegstreiber. Ich weiß, dass es auch anders geht.

Die sich abgrenzen wollen verlieren

Ehrlich gesagt, wenn ich auf die politischen Veränderungen auf den Kontinenten sehe, dann führt am Miteinander von bisher Fremden gar kein Weg vorbei. Im Laufe der nächsten Jahre wird das Verhältnis Jung - Alt in Deutschand sich ungefähr um den Faktor 2,4 auseinanderentwickeln. Auf einen Arbeitenden kämen dann 2,4 Rentner, für die er mit zu bezahlen hätte. Gleichzeitig soll er für sein Alter vorsorgen und noch zur eigenen Familie etwas beisteuern. Das wird nicht funktionieren, Leute.

Es gibt Berechnungen, die sagen, Deutschland bräuchte ab jetzt (=2015) pro Jahr 500 000 Menschen, die hier einwandern, nur um das deutsche System zu stabilisieren. Das bedeutet, es würde weiter kippen, nur etwas langsamer.
Wir brauchen also heuer 500 000 Leute, die wir hier einbürgern. Gruß an alle ach so deutschen Abschiebebefürworter! Ihr seid nicht auf der Höhe der Zeit.

Multi-kulti hat geistig einen riesen Vorteil: Es zwingt einem, nichts für selbstverständlich zu halten. Während wir bei Leuten aus unserem Kulturkreis vieles einfach annehmen ohne zu überprüfen, ob wir da nicht jemand Unrecht tun, braucht es bei Multi-kulti wesentlich mehr von dem, was sonst schnell verloren geht: Neugier, Offenheit für anderes und die Annahme, dass meine Meinung nicht die bessere Wahrheit ist. Multi-kulti hält einem geistig beweglich und den eigenen Horizont weit. Das ist mir lieber als alles andere.

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