12. Juli 2015

Wenn Kinder weggeben werden - der Wert von Bindung

Interracial adoption
Interracial adoption (Photo credit: Wikipedia)
Es gibt gute Dokumentationen, die sind schön und es gibt gute, die tun einfach nur weh. Die Doku "Die Adoption" in dieser Woche tut nur noch weh. Und sie zeigt, welche Dynamiken in einer Familie man nicht "ungestraft" ignoriert.

Eltern-Kind-Beziehungen sind speziell. Das Charakteristische läuft jenseits dessen, was man für Geld für seine Kinder tun kann.



Em Ende heißt es immer, es ist das Beste für die Kinder. Sie sprechen vom Kindeswohl. Tatsächlich ist gemeint, dass die Kinder nun bei weißen Eltern mit gutem Einkommen leben, statt bei ihrer eigenen Familie, wo die Eltern HIV positiv sind und in Äthiopien nicht genügend Einkommen haben. Es wird einem bei dieser Doku schnell klar, dass die Erwchsenen mit "das Beste für die Kinder" in Wirklichkeit "Das Beste für die weißen Adoptiveltern aus Europa" meinen.

Dass eine der Kleinen die wohlsituierten Adoptiveltern ablehnt und lieber zurück zu ihren eigenen Eltern, trotz allem Elend dort, will, dass die äthiopische Kultur und die, die darin aufgewachsen sind, anders denken, fühlen, empfinden und dies nur bedingt mit unserer Art kompatibel ist, dass dabei nur die Angehörigen einer weiße Mittelstandklasse als Vermögende alleine bestimmen, ob die Kinder ihre leiblichen Eltern sehen oder nicht oder wie sie sich von ihnen verabschieden müssen etc. ... all das fällt in deren Perspektive unter dem Tisch.

Die weißen Mittelschichtler, die in ihrem Kinderwunsch so identifiziert sind, weisen alles von sich, was in Richtung Wahrheit geht: Dass Adoption von Kindern aus Drittweltfamilien, wo westliches Selbstverwirklichungsbedürfnis mit der Überlebensnotwendigkeit von farbigen Armutsgesellschaften eine geschäftliche Transaktion möglich macht, bei der die eine Seite der anderen diktiert, wie es ablaufen soll. Im Kern ist das nichts weiter als Kolonialismus mit anderen Mitteln.

2014 ging in Thailand ging ein Fall durch die Presse, bei dem ein australisches Paar mit unerfüllten Kinderwunsch eine thailändische Frau als Leihmutter engagiert hatte. Was herauskam, waren Zwillinge. Einer davon hatte Downsyndrom. Was machte das australische Paar? Es nahm den gesunden Zwilling und ließ den anderen mitsamt Mutter einfach zurück. "Not my cup of tea!", heißt es in Großbritannien. Logisch, für Zwillinge hatte das Paar schließlich nicht bezahlt, für jemand mit Downsyndrom schon gar nicht. Beschädigte Ware muss man nicht annehmen.


Hier wird deutlich, wie zynisch der Boden ist, auf dem diese Transaktionen mit Leuten, die ihren Kinderwunsch über allen stellen, beruhen. Unabhängig davon, ob die Beteiligten das wollen oder selber merken. Zynisch deshalb, weil ein solches Verhalten wie bei diesem Paar zeigt, dass Kinder dabei keinen Eigenwert haben. Es ist der Kern dieses Geschäfts, das eigene Bedürfnis nach einem Kind zu befriedigen.

Wenn zum Beispiel die dänische Adoptivmutter über das kleine Mädchens, das wieder zu seiner Familie zurück will, sagt, sie hätte mit ihrer Adoptieftocher "eine Niete gezogen", dann ist das genau ein Symptom dieser Mentalität: Kinder sind warenartige Bedürfniserfüller.

Thailand hat sein Gesetz nach dem erwähnten Fall geändert. Nichtinhabern eines thailändischen Passes ist es verboten, eine Leihmutter zu engagieren. Das "Miet dir einen Bauch"-business, wie es dort heißt, ist für Ausländer vorbei. Ob es etwas hilft oder ob die Szene wie so oft in die Schattenwelt abwandert, wird sich irgendwann zeigen.
Auch Dänemark hat nach Ausstrahlung der Doku die privaten Adoptionsagenturen in seinem Land geschlossen. Jetzt gibt es nur mehr eine staatliche. Ob das besser ist? Die bisherige (staatliche) Adoptivpolitik in den Ländern des Nordens lässt Zweifel zu.

Kinder lieben ihre Eltern und sie nehmen, das, was sie erleben, als normal. Das ist das natürliche Wachstum. Kinder sind Meister darin, sich anzupassen und sie kooperieren. Es liegt eine tiefe Bindung in uns, denn gäbe es diese nicht, hätte die Menschheit nicht überlebt. Wir sind keine Säugetiere, die seit Anbeginn der Geburt alleine überleben können. Statt dessen sind wir darauf angewiesen, dass Eltern und Kind zusammenhalten. Ohne starke Bindung geht das nicht. Erst dadurch können wir uns entwickeln.
Wer diese Grundlage stört, muss mit ernsten Folgen rechnen. Es ist bitter, wenn Erwachsene ihre eigenen Vorstellungen für mehr Wert halten als das, was die inneren Bestrebungen von Familie eigentlich sind. Und dann mit diesen Vorstellung das nachahmen wollen, was Familie ist. Es geht schief. Und Verantwortung trägt nur einer: Der Erwachsene.

Es kommt alles wie ein Bumerang zurück. Auch das zeigt die Doku, ohne zu werten. Deshalb tue ich das: Wenn wir nicht achtsam sind, mit welchen Energien, Bestrebungen unde Handlungen wir unsere Mitwelt überziehen, tragen wir mehr dazu bei, dass diese Welt eher schlimmer oder nur durch Zufall besser wird. Das genügt meines Erachtens nicht. Wir als Erwachsene sollten von uns selbst mehr erwarten.

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