26. September 2014

Arbeit macht krank - zumindest in Deutschland

Serena Williams after beating Dinara Safina on...
Serena Williams after beating Dinara Safina on Roland Garos on Sunday, June 3, 2007. (Photo credit: Wikipedia)
Ex-SPD-Chef Matthias Platzeck, Schauspielerin Renée Zellweger, Fernsehkoch Tim Mälzer, Skispringer Sven Hannawald, Profifußballer Sebastian Deisler, oder  Medienwissenschaftlerin Miriam Deckel und die auf Weltrangliste auf Nummer 1 stehende Tennisspielerin Serena Williams (Bild rechts) ... sie alle haben es getan:

Sie haben eine Auszeit genommen. Ursache: ausgebrannt sein.

Macht die Arbeit krank? Mediziner sind sich weitgehend einig.

"The facts please"

41 Prozent aller Frühverrentungen in Deutschland haben ihre Ursache in psychischen Erkrankungen. Krankschreibungen wegen psychischer Belastung sind in Deutschland auf Platz zwei aller Krankschreibungen und sie sind langsam dabei, sich auf Platz eins vorzuarbeiten und damit Muskel- und Skeletterkrankungen vom "Thron" zu stoßen. So zumindest der Bericht der DAK 2012.

Und die Ursachen für diese Entwicklung sind für die Ärzteschaft klar: Sie liegen im Job. Der Stressreport 2012 liefert klare Signale. Hier ein paar Stichworte:
  • Multitasking ist die am häufigsten genannte Quelle für Belastungen (58 Prozent)
  • zudem werden 44 Prozent durch Mails, Telefonate etc. in ihrer Arbeit unterbrochen und sorgen für Konzentrationsmängel
  • starker Zeit- und Termindruck ist eine der größten Ursachen für Stress (52 Prozent)
  • 26 Prozent verzichten auf Pausen oder auf Mittag, weil diese nicht zum workflow passen oder sonst die Termine nicht gehalten werden können.
  • Die sechs-Tage-Woche ist de facto bei 64 Prozent der Deutschen regelmäßig der Fall, 38 Prozent arbeiten auch an Sonn- und Feiertagen. Rechnet man dies ein, so arbeitet rund die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten mehr als 40 Arbeitsstunden pro Woche, ungefähr ein Sechstel arbeitet sogar mehr als 48 Stunden.

Wissenschaftlich ist der Zusammenhang klar: Je mehr Wochenarbeitstunden, desto gesundheitlich risikoreicher.


Jetzt müsste man noch hinzurechnen, was alles an weiteren Belastungen dazu kommt: Schichtarbeit zum Beispiel. Oder dass 40 Prozent der Befragten sagen, sie können wegen der Arbeit nur selten oder nie Rücksicht auf familiäre oder private Interessen nehmen.
Die daraus entstehenden belasteten Beziehungen sind hier noch nicht mit einbezogen, wobei jedoch allen klar ist, dass eine beschädigte Beziehung definitiv sich nicht gesundheitsfördernd auswirkt.

Unsinnige Einstellungen

Längst nutzt es nichts mehr, mit einem Schulterzucken die Tretmühle der Globalisierung als Sachzwang oder Marktgesetz zu titulieren und einfach weiter zu machen. Dass psychische Krankheiten als Schwäche diskreditiert werden, ist ebenfalls nicht hilfreich.

Die Realität ist längst eine andere.

Sinnvolle Einsätze

Howard Gardner, Professor für für Erziehungswissenschaften, außerordentlicher Professor für Psychologie an der Harvard University plus außerordentlicher Professor für Neurologie an der Boston University School of Medicine plus Inhaber von Auszeichungen von 29 Unis und Colleges, beschäftigt sich mit dem, was gute Arbeit ausmacht. Seine 22 items sind Teil des "Good WorkProjects"


Seine drei Stichworte sind drei "E"s:
  • Exzellenz
  • Ethik
  • Engagement

Oder detaillierter zusammengefasst: Gute Arbeit gibt anspruchsvolle Aufgaben, genügend Zeit, diese zu erfüllen und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu leisten.

Wie steht es mit Ihnen? Wie sind die drei "E"s in Ihrem Berufsleben verteilt? Und vor allem: Was heißt "etwas Sinnvolles zu leisten"? Ab wann ist etwas sinnvoll und bis wann redet man sich etwas schön? Die Antwort gerne in die Kommentare

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