20. Februar 2020

Gaslighting - die genialste Manipulationstechnik von allen

Gaslighting bezeichnet als Begriff eine der raffiniertesten Manipulationen überhaupt. Darunter sammeln sich eine Fülle von Manipulationsmethoden plus kriminelle Energie. Mit anderen Worten: Diese Art von Manpipulation ist kaum zu schlagen. Nicht unbedingt in Reinform, aber in Abwandlungen wird es heute oft angewandt: psychische Gewalt und Missbrauch.

Hier beschreibe ich einige Merkmale des gaslighting



Gaslighting geht auf den Film "Gaslight" aus dem 1944 zurück. Zu deutsch hieß er "Das Haus der Lady Alquist". Ingrid Bergman spielt eine der Hauptrollen:


Die Handlung:


Es geht darum, dass ein Ehemann strategisch versucht, seine Frau in den Wahnsinn zu treiben, um sich ohne Probleme ihr Vermögen aneignen zu können.

Zu diesem Zweck manipuliert er Gegenstände im Haus, um ihr dann entweder die Schuld dafür zu geben oder ihr Wahrnehmungsstörungen zu suggerieren. Zum Beispiel, dass die flackernden Gaslampen (gaslight) nur in ihrer Einbildung existieren.

Das geht so lange - siehe den Beitrag über Wiederholung als manipulative Methode -, bis sie tatsächlich glaubt, verrückt zu werden.


Elemente des Gaslightings heute

Die story ist natürlich einfach, aber sie verdeutlicht, was Manipulation mit krimineller Energie gepaart letztendlich ist: Emotionaler und kognitiver Missbrauch vom "Feinsten".

Die Methoden sind heutzutage - Gaslampen gehören nicht mehr zum Interieur eines Eigenheims - subtiler geworden. Zum Beispiel sind folgende Techniken mir im Arbeitsleben meiner Klienten begegnet:
  • man spricht dem / der Betroffenen die Berechtigung ab, so zu fühlen, wie er / sie fühlt
  • es wird geleugnet, dass man etwas getan hat und beurteilt den anderen als jemand, der Realitätsverlust hat, attestiert ihm Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
  • es wird geleugnet, dass die ein oder andere Situation sich so zugetragen hat
  • die Schuld für die Ursache der Probleme wird eindeutig (und vollständig) jemandem alleine zugewiesen, man selber sei hier völlig aussen vor und selbst fassungslos vor so viel Irrationalität
  • Worte werden einem im Mund herumgedreht oder überhaupt schon in den Mund gelegt
  • es kommen Vorwürfe, das Verhalten, die Bekleidung, die Wortwahl sei unangemessen
  • man redet einer Person ein, dass sie nichts kann, nichts fertig bringt, noch nie etwas fertig gebracht hat und eine Belastung sei
  • man wiegelt die Betroffenen ab mit dem Hinweis, sie müssten sich halt ein dickeres Fell zulegen

Gaslighting ist Manipulation in der Tiefe des Gehirns

Bei all dem geht gaslighting nicht darum, etwas kleinzureden, abzuqualifizieren, zu verharmlosen oder mit Killerargumenten abzuschmettern. Es geht nicht darum, jemanden kleinzuhalten oder eine andere Sichtweise aufzuschwatzen.

Jemanden überzeugend mitzuteilen, dass das, was er / sie wahrnimmt und denkt, nicht stimmt, hat ein bestimmtes Ziel: Diese Impulse sollen sich ins Unterbewusstsein absenken. Also dorthin, wo sie mit dem Willen und rationalem Argumentieren nicht mehr erreichbar sind. Das hat zur Folge, dass sie nur mehr sehr schwer veränderbar sind.

Mit kognitiver Verhaltenstherapie ist da wenig zu machen und wenn, dann dauert es. So wie des Menschen Willen sein Himmelreich sein soll, ist auf jeden Fall das eigene Selbstbild seine Festung. Gaslighting beeinflusst nicht das Verhalten und Gefühl, es verändert die Identität der Person.



Verstärker beim Gaslighting verlängern und erhöhen zudem den Missbrauch 

Verstärkend kommt hinzu,  dass gaslighting durch eine Person ausgeübt wird, deren Wort für einen in irgendeiner Form Gewicht hat: Ehepartner(in), Kollegen, Vorgesetzte, Freunde, Menschen, denen man in gewisser Hinsicht vertraut. Deshalb dauert es meist länger, bis Betroffene merken, was los ist.

Einen Grossteil der Zeit sucht man deshalb den Fehler bei sich selbst und zweifelt an der eigenen Wahrnehmung. Entsprechend verlängert sich die Zeit, in der man der psychischen Gewalt ausgesetzt ist.

Diese ständige Verunsicherung kann tatsächlich zu psychischen Störungen führen, worauf der oben genannte Film auch nach und nach zusteuert. Die Palette kann von Angstörungen und Panikattacken bis zu Depression und psychotischen Phasen reichen.


Ein Beispiel aus der Praxis:

Eine Frau kam zur Hypnosesitzung. Es stellte sich heraus, die Quelle für ihre aktuelle Probleme die frühere Beziehung und Erziehung der Mutter. Das wäre nicht unbedingt neu, aber die Art der Mutter ist für unser Thema interessant:
  • Sobald die Klientin als Kind sprechen gelernt hatte, bekam sie zu hören, sie sei böse, schlecht und stinke. Mit ihr sei etwas nicht richtig. Wenn Dinge kaputt gingen, ein Glas verschüttet wurde, hinunterfiel etc.  .... sie war es gewesen. Egal, ob sie überhaupt in der Nähe des Glases war.
    Sie hat es halt, so Mutters Aussage, verdrängt, vergessen, kann sich nichts merken etc.
  • Wenn sie als Teenager pünktlich nach Hause kam, brach die Hölle los, weil es war auf einmal eine Stunde früher ausgemacht.
    Sie hat es halt, so Mutti, verdrängt, vergessen, kann sich nichts merken etc.
  • Wenn sie ihr Zimmer aufgeräumt hatte, war es auf einmal wieder unordentlich. Schlussfolgerung: Sie hat ihr Zimmer gar nicht aufgeräumt, sie hat es sich nur ausgedacht.
    Sie hat es halt, so Mutti, verdrängt, vergessen, kann sich nichts merken etc.
  • Den Nachbarn wurden Lügengeschichten erzählt, wie schrecklich doch dieses Kind sei, und wie aufopfernd man sich bemühe, trotz der geraubten Nerven das Kind in die richtige Spur zu bringen. Eine Geschichte, die der Mutter viel Mitgefühl und Bestätigung von eben diesen Nachbarn einbrachte. 
Dem Mädchen - und später der Frau -  ging bald ein Ruf voraus, "schwierig" zu sein. Kolleginnen und Kollegen werden sagen, sie hat Probleme mit sich selber.
Nun ja, das stimmte, war aber nur die Hälfte der Wahrheit. Dass sie Probleme mit sich selber hatte, war Ergebnis dessen, dass die anderen die Probleme erzeugt hatten.


Der Vorteil von Hypnose


Das Gute an Hypnose ist, dass sie direkt auf den Teil zugreift, in dem das Problem sitzt: Dort, wo man mit Willen und Rationalität nicht hinkommt.

Die Behandlung in dem erwähnten Beispiel war nicht so einfach, doch eine gute Hynosetherapiesitzung kann in einem eine eigene intuitive Gewissheit erzeugen, was nun richtig ist und was nicht.

So griff nach und nach die Erkenntnis, dass hier etwas eingeredet und systematisch die Persönlichkeit manipuliert wurde. Natürlich war es damit nicht getan. Eine solche Erkenntnis alleine kann jemand noch einmal den Boden unter den Füssen wegziehen. Deshalb kommt es darauf an, diese Erkenntnis so zu integrieren, dass eigene Ressourcen und Kräfte freigesetzt werden. Es ist anstrengend und kostet Energie. Aber es geht.

Hypnose als gewonnene Freiheit

Viele haben die Hoffnung, dass in einem klärenden Gespräch mit dem Verursacher sie bei ihm auf Einsicht stossen. Meiner Erfahrung nach ist das eher eine Quelle der Enttäuschung.

Abgesehen von den Fällen, bei denen ein klärendes Gespräch nicht möglich ist, stehen die Chancen schlecht, dass jemand, der sein Leben dem gaslighting gewidmet hat, jetzt auf einmal davon ablässt. Wir müssen uns erinnern: gaslighting beinhaltet kriminelle Energie. Wir sitzen hier Menschen gegenüber, die wirklich verbrecherische Dynamiken ausleben.

Hypnose hat den Vorteil, dass die Klärung selbst in Hpynose erfolgen kann. Wie das geht, ist zu umfangreich, um es hier zu schildern. Es mag genügend, dass, weil Hypnose echtes Erleben suggerrieren kann, man die Dinge wirklich zum Abschluss bringen kann, ohne es im  "real life" ausagieren zu müssen.


Gaslighting kann beendet werden

Im Film ist es zum Beispiel kurz bevor die Frau ins Irrenhaus transportiert werden soll, ein Scottland-Yard-Mann, dem die flackernden Gaslaternen auffallen. Er glaubt nun dem Opfer und bestärkt es in seiner Wahrnehmung.

Genau so galt es in den Hypnosesitzungen, das Geschehene neu zu betrachten und diese eigenen Wahrnehmungen zu festigen. Viele Suggestionen bestärkten die Klienten und vermittelten Zuspruch. Durch mehrmalige Durchläufe wurde die Manipulation des Täters "zurückgesteuert".

Was es zu allerletzt noch brauchte, war, dass die Klientin mit der damaligen Täterin einen Abschluss fand. Schuldgefühle mussten bearbeitet werden, dem Gerechtigkeitssinn entsprochen und der Gewalt ein Ende gesetzt werden, ohne dass Rachegedanken das richterliche Fallbeil schwingen ließen oder Bitterkeit sich einstellten. Ziel ist bei solchen Vorgehensweisen nicht ein Vergeben und Vergessen, sondern dass das Vergangene dort gelassen werden kann, wo es hingehört: ins Vergangene. Was nichts anderes heißt als: Es ist vorbei. Ende. Die Belastung ist weg. Ein neuer Anfang beginnt.

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