30. August 2019

3 einfache Arten, jemanden zu manipulieren

iStock.com/me4o
Wer Gespräche führt, gerät früher oder später mit ihr in Kontakt: Manipulation. Methoden, jemanden zu manipulieren, gibt es zu Hauf. Wirksam sind sie alle, jedoch nicht alle gleichermassen und nicht zu jeder Zeit. Manche Methoden sind eifach anwendbar, andere brauchen mehr Geschick. Sie alle zielen aber arbeiten wie ein Virus:  Sie setzen sich auf bestimmte natürliche Prozesse im Menschen drauf und verändern diese von innen heraus.

 Jetzt zum Einstieg ein paar einfache Manipulationsstrategien, die wirken:


1. Wiederholung

Je öfters wir eine Information hören, womöglich auch von verschiedenen Seiten, desto mehr steigt die Bereitschaft, zu glauben, dass da was dran ist. Wenn dann das Wiederholte eh schon auf eine von uns gewogene Meinung aufsetzt, geht der Prozess um so schneller. Diese Methoden macht sich zum Beispiel in der Therapie die Hypnosetherapie zu Nutze. Fällt das dann unter Manipulation? Die Antwort kann "ja" oder "nein" lauten, je nachdem, auf welche Elemente man schaut. Detailliert dazu in einem späteren Beitrag.

2. Manipulation durch Emotion

Manipulation bemüht sich um Emotionen, denn Emotionen wirken als Beschleuniger für Handlungen. Deshalb versucht Werbung, mit emotional ansprechenden Bildern zu arbeiten, die dann mit dem Produkt verbunden werden. Kaffeewerbung kommt zum Beispiel mit einem genussreichen Ambiente daher. Unterschwellige Botschaft: Wenn du dich so fühlen willst, wie die Leute hier, dann geht das mit Kaffee xyz.

Es geht aber auch mit negativen Emotionen: Angst und Besorgnis zum Beispiel. Die intuitive und genetische Reaktionen darauf sind: Flucht, Kampf oder Erstarrung. Alles Dinge, die jemanden zu einem willfährigen Werkzeug des Augenblicks machen können.


Angst erzeugt Handlungsdruck und daraus passieren viele Fehlentscheidungen: Hauptsache raus aus der Situation, egal wie. Wem es also gelingt, diese Emotionen „anzuheizen“, der hat mehr Chancen, dass Menschen zu Entscheidungen kommen, die sie bei nüchterner Betrachtung nicht getroffen hätten.

So arbeiten Manipulatoren oft mit Feindbildern: Ob es sich wie bei Charles Manson um eine minderwertige Rasse (die schwarze Bevölkerung) handelt, die die Weissen bedroht, ob es sich um „die Juden“ handelt, die gegen uns sind, ob es die Flüchtlinge sind oder der Islam, der uns übernehmen will, die politische Kaste, die Medien … man kann hier beliebige Inhalte einsetzen. Ein Feindbild ist auswechselbar, Hauptsache es kann mit dem Etikett gefährlich, bedrohlich und unkontrollierbar versehen werden. Dann entsteht Bereitschaft zum Zuhören, das erste Einfallstor zur Manipulation.
Danach folgt:

3. Manipulation des Denkens durch ...

... Begriffsprägung

Methoden, wie man die Gedanken anderer manipuliert, füllen ganze Bücher. Zum Beispiel Begriffsprägungen:

„Flüchtlingsflut“, „Flüchtlingswelke“, „Flüchtlingsstrom“, „Invasion“, „Flüchtlingskrise“, „Asylsuchende“, „Asylberechtigte“, „Asyl-Tourismus“, "besorgte Bürger", "Hass-Sprache", "Asyltourismus", "Erderwärmung", "Klimawandel" …


Jedes Wort zieht andere emotionale und kognitive Spuren beim Hörer nach sich. "Mainstream-Medien" klingt irgendwie nach Gleichschaltung, Alternative für Deutschland nach etwas, das einen Ausweg aufzeigt.

Verbindet man einzelne Begriffe zu einer Geschichte, wird ein heute sogenanntese Narrativ daraus. Zum Beispiel:

"Flüchtlinge mit fremder Kultur pöbeln in Freibädern (hier eventuell konrete Beispiele einfügen) und gehen andere Menschen an. Die Situation ist jetzt schon so, dass das nicht mehr unsere Freibäder sind."


Dass das mit den konkreten Freibädern, die in der erzählten Geschichte vorkommen, letztendlich so nicht stimmt, kann man hier nachlesen, nebst dem Eingeständnis der Zeitung, die dieses Narrativ mit verbreitet hat. Trotzdem steht eine solche Erzählung natürlich im Dienst der These der "Überfremdung" und sie wirkt natürlich und dahingehend.

Doch wie etwas bezeichnet wird, sagt tatsächlich wenig darüber aus, was wirklich der Fall ist, sondern beinhaltet selbst bereits ein Urteil / Meinung des Sprechers, auch wenn es in einem anderen Gewand (dem der Berichterstattung) daherkommt. Genau genommen gibt es keine 100%ige Neutralität, denn jeder und jede sieht die Dinge aus einem Blickwinkel heraus und lenkt das Denken des Hörers / Lesers bereits unbewusst in eine bestimmte Richtung.

Wir kennen das auch aus dem beruflichen Alltag:


Wer sagt: „Also ich hab letzte Woche mit der Führungsebene gesprochen und der Geschäftsführer X meint zu unserem Thema …“



Unterschwellig wird hier das Thema Autorität als Untermauerung für die anschliessende Meinung präsentiert. Ganz anders klingt es dagegen, wenn der selbe Sachverhalt formuliert wird wie


„Ich war letzte Woche oben und Hugo hat gesagt …“




Was uns zum nächsten Punkt bringt:

... Autoritätshörigkeit

Autoritäthörigkeit nicht zu kennen und zu erleben, ist genau wie der eigene Blickwinkel unvermeidbar. Während im vorherigen Beispiel mit konkreten Hierarchiestufen manipuliert wurde, wird statt dessen auch auf den allgemeinen Konsens verweisen:


„Also das kann ja wohl nicht sein!“ „Wo kommen wir da hin?“ „Das geht nicht!“ sind alles Formulierungen, die wir als "Killerphrasen" kennen.



Doch tatsächlich beruhen sie auf abstrakte Verhaltensvorstellungen, die in einer Gesellschaft / sozialen Gruppe wirken. Auch sie sind letztendlich ein verkleidetes Urteil: „Dies oder jenes passt nicht zu uns!" Damit wird eine Grenze bezogen und statt mit einer Person als Autorität mit einer Art anonymen abstrakten Zwang begründet.


So ein "Apell" an die Autoriätshörigkeit durch anonymen Zwang wirkt wegen unser aller Erfahrung mit unserer Erziehung. Seit wir klein waren bis heute gab und gibt es Regeln, die, haben wir sie gebrochen, Strafe nach sich gezogen haben.


 Dabei ist es egal, wenn "Strafe" heute durch "Konsequenzen" ersetzt wird (s. oben: "Begriffsprägung"), das Prinzip ist das gleiche und es lautet:

"Wer nicht hören will, muss fühlen!"


Und deshalb haben wir das "Folgen" - um unangenehme Folgen zu vermeiden - gelernt. Wir alle wissen deshalb, was Gehorsam ist und wir waren auch immer wieder gehorsam gegenüber abstrakten Zwängen: Gehorsam gegenüber dem Zwang durch den Staat, gegenüber dem, was die Nachbarn denken, gegenüber dem, was man als "anständig" bezeichnet, gegenüber dem Gesetz ... alles letztendlich anonyme Dinge, die aber wirken.

In der Psychologie ist der Fachbegriff dafür: "Soziale Kontrolle."


„Soziale Kontrolle bezeichnet jene Prozesse und Mechanismen, mit deren Hilfe eine Gesellschaft versucht, ihre Mitglieder zu Verhaltensweisen zu bringen, die im Rahmen dieser Gesellschaft positiv bewertet werden. Dies geschieht durch innere und äußere Kontrolle.“ (Fuchs-Heinritz 1994, S. 368). (Stangl, 2019).


Soziale Kontrolle ist also die "Gesellschaftspolizei", die Gehorsam oder "folgsam sein" stützt. Was jetzt so furchtbar klingt, ist jedoch für eine Gesellschaft notwendig, sonst funktioniert ein Zusammenleben nicht. Ungehorsam schlägt auch gerne um in "asozial sein".

Der Trick der Manipulation hier ist also wiederum, dass sie auf etwas setzt, was vorhanden und notwendig ist, es jedoch dann auf andere Ziele lenkt. Manipulation setzt also immer auch auf natürliche Prozesse, die im Menschen oder zwischen Menschen ablaufen und verändert sie von innen heraus.


Verwendete Literatur

  • Stangl, W. (2019). Stichwort: 'soziale Kontrolle'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/539/soziale-kontrolle/ (2019-08-27)

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