28. Januar 2019

Wer glücklich sein will, läuft ins Unglück, sagen die Psychologen

Buddha wusste es bereits vor über 2000 Jahren: Leben = dukkha. Leben ist genug, nie ausreichend. Auf der anderen Seite ist das Gras immer grüner. Dabei mögen wir doch "grün" so sehr. Das ist die Ursache des Leidens, sagt Buddha. Die heutigen Psychologen sagen das nun auch. Und sie haben Belege dafür.


"Das kann doch nicht alles gewesen sein?"

Wer kennt diesen Gedanken nicht? Ich behaupte jetzt einmal dreist, dass wir alle diese oder ähnliche Formulierungen schon mindestens einmal in unserem Kopf gehabt haben. Das muss doch noch etwas kommen, etwas Grösseres, Schöneres, Aufregenderes.

Diese innere Überzeugung hat eine Menge Glück-Coaches, Persönlichkeits-Coaches und sonstige selbsternannter Führer in die Welt und durch die sozialen Medien gespült und ihre storys gleichen sich in der Struktur wie ein Ei dem anderen:

Früher war ich schlecht / früher hat mich kein Mädchen angeschaut / früher wurde ich in der Schule gemobbt / früher war ich in der 9-to-5-Tretmühle / früher war ich unzufrieden/dick/ohne Freunde/ - jetzt bin ich erfolgreich / habe ´ne sexy Freundin / bin beliebt und umschwärmt / hab mein eigenes business/meinen eigenen Ferrari/Traumhaus/Traumjob ...


Und dann kommt die Botschaft: UND DU KANNST DAS AUCH!

Banaler ausgedrückt: Glück ist lernbar.


Dagegen klingt das, was die seriöse Wissenschaft sagt, ziemlich uninspirierend:


Wer dieses Glück sucht, findet es nur in Ausnahmefällen. Statt dessen wird er oder sie zunehmend unzufriedener mit seinem Leben.



Oder wie es meine Grundschullehrerin damals ausdrückte:

Das Glück ist ein Rindvieh und sucht sich seinesgleichen.




Die wissenschaftlichen Hintergründe

Die neuesten Belege dafür stammen von Aekyong Kim von der Rutgers University und Sam Maglio von der University of Toronto. Die Wissenschaftler zeigen in ihren Versuchsauswertungen, dass die, die unbedingt mehr Zufriedenheit und Glück in ihrem Leben wollten, durch ihre eigenen Ansprüche unter Zeitnot gerieten. Die Überzeugung "Da muss doch noch mehr sein als das" hat nämlich einen Verwandten, und der heisst: "Du hast nicht mehr viel Zeit!"

Damit landeten die Betroffenen in einem Leistungsstress, der genau ihrem Ziel, dem Glück, abträglich ist. Ähnlich wie bei einer Mitgliedschaft im Fitness-Studio:

Der Wille ist vorhanden, morgen fange ich mit dem Training an. Wenn es dann  wieder nicht geklappt hat, gerät man unter Druck durch sich selbst. Am Ende sind wir immer noch nicht fit, haben aber jetzt zusätzlich Druck. Die Unzufriedenheit ist gewachsen. Wir sind einen Schritt weiter weg von Ziel.


Niemand kann Druck unendlich lange stand halten. Nicht wenige geben irgendwann auf und stehen dazu, das Fitniss-Studio wenig bis kaum genutzt zu haben. Schliesslich melden sie sich wieder ab - und sind noch immer nicht fit. Genau so, sagen die Forscher, ist es mit dem Streben nach Glück.

Und was folgt nun daraus?

Die Suche nach dem Glück lässt uns auf das Negative fokussieren. Wie war das mit den Glückführern und ihren storys?
"Früher war ich schlecht / früher hat mich kein Mädchen angeschaut / früher wurde ich in der Schule gemobbt / früher war ich in der 9-to-5-Tretmühle" ... und der geschützte Leser und Leserin denkt, ja so geht´s mir auch und "scheisse, der/die hat ein besseres Leben als ich, so was will ich auch"

Voilá - willkommen zurück in der Tretmühle! Nur eben mit einer anderen Mohrrübe vor der Nase. Oder anders ausgedrückt:


Die Glückscoaches und Selbstfindungshelfer zeigen dir nur, wie man die Stühle auf der Titanik umstellt.



Persönliche Anmerkung

Das ist so ziemlich dasselbe, was jemand mit Namen Buddha schon vor 2000 Jahren gesagt hat. Im Buddhismus wird es als 2. edle Wahrheit verstanden:

Es gibt eine Ursache des Leidens:
„Und dieses ist die edle Wahrheit vom Ursprung von Leiden: das Verlangen, welches zu weiterem Werden treibt, begleitet von Begierde und Erfreuen, genössen nun hier und nun dort, d. h. Verlangen nach Sinnesvergnügen, Verlangen nach Werden, Verlangen nach Nicht-Werden"

Was raten die Psychologen?


Aekyong Kim und Sam Maglio empfehlen, statt dem Glück hinterher zu jagen, einfach die eigenen Ansprüche, was denn das Leben uns bieten müsste, loszulassen.



Auch das ist nichts Neues; und ja, der Buddha ... lassen wir das!

Ich betreibe keine Religion, sondern eine psychologische Praxis. Aber - und das ist wichtig - der Buddhismus hat in die Psychologie in den letzten Jahren wesentliche Impulse eingebracht, beziehungsweise die westliche Psychologie hat sie sich aus dem Buddhismus geholt.
Weil sie mit ihrem bisherigen Konzepten an Grenzen gestossen ist. Aber deswegen ist die Psychologie noch lange keine Religion geworden. Will sie auch nicht, will ich selber nicht.

Ich bin allerdings ein Vertreter der Richtung, die meint, die wissenschaftliche Denkweise des Westens und die Weisheit des Osten bieten als Kombi wesentlich hilfreichere Möglichkeiten für unser Leben als bisher

Quellen:

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