13. Januar 2017

Die Wahrheit über Depression 2: Was Eltern mit depressiven Kindern tun können

Depression gehört zu den häufigsten psychischen
Erkrankungen, unter denen Kinder und Jugendliche leiden. Das glauben Sie nicht? Ich habs auch nicht geglaubt, bis ich die Zahlen sah.

Und gleich noch eine schlechte Nachricht: Es kann früh losgehen. Selbst Kleinkinder zeigen Symptome.Was tun als Eltern?



Die amtliche Statistik

Laut Statistischen Bundesamts gab es in Deutschland im im Jahr 2000 "nur" 2145 Fälle von Depression bei Jugendlichen. 12 Jahre später gab es 12 567 Jugendliche, die stationär wegen Depression behandelt wurden. Ein fuminanter Anstieg, quantitativ als auch qualitativ.

Nach wissenschaftlicher Auswertung steigt besonders ab dem zwölften Lebensjahr die Gefahr einer Depression. Inzwischen haben 18 Prozent zwischen 12 und 17 Jahren mindestens einmal eine Depression gehabt, so eine Jugendstudie der Universität Bremen zusammen mit dem Psychologischen Institut der Universität Münster.

Warum werden Kinder / Jugendliche depressiv?

Wie auch bei Erwachsenen führen viele verschiedener Faktoren zur Erkrankung. Doch gerade für kleine Kinder, die noch über keine psychischen Abwehrmechanismen verfügen wie Erwachsene, sind äussere Einflüsse oft entscheidend für die weitere Persönlichkeitsentwicklung.
Gleichzeitig geht man davon aus, dass die Disposition, an Depression zu erkranken, genetisch vererbt wird. Kinder von depressiven Eltern haben ein dreimal höheres Risiko, selbst an Depression zu erkranken.

Kurzum: Es ist weniger ein linar-kausaler Ursache-Wirkungszusammenhang, sondern mehr ein Netzwerk an einzelnen Aspekten, das zusammenwirkt.


Manchmal gibt es Auslöser


Zum Beispiel kritische Lebensereignisse: Scheidung der Eltern, Missbrauch, Liebeskummer, versagen, Mobbing, Isolation ...


... und auch Verstärker:

Zum Beispiel: 
  • eine ungebildete Umwelt, die Depression als persönlichen Makel, als Charakterschwäche oder als individuelles Versagen uminterpretiert
  • Erziehungsverantwortliche, die denken, durch Druck, Regeln und Konsequenzen bringt man die Betroffenen schon auf den richtigen Weg
  • negative Impulse, die eher zum Abbau von Selbstbewusstsein als zu dessen Aufbau beitragen
  • die Erfahrung, dass man selber eher unerwünscht ist oder nicht so sein darf, wie es der eigenen sich entwickelnden Persönlichkeit entspricht
  • ...
Die Beispiele sind nicht willkürlich. Als systemischer Therapeut habe ich auch die Angehörigen in der Praxis. Es gibt zuweilen Einblicke, die erschütternd sind.

Depressive Jugendliche sind nicht faul, dumm oder weigern sich, mit ihrem Leben irgend etwas anzufangen. Depression zählt als Krankheit. Wer krank ist, soll Hilfe bekommen und keine bildungsfernen Abqualifizierungen.

Gute Hilfen zum Beispiel sind:

  • stabile familiäre Beziehungen, 
  • ein guter Freundeskreis, 
  • Selbstvertrauen, Konfliktfähigkeit und Optimismus in der Familien und Umgebung
  • Menschen, die geduldig sein können
  • zu wissen, dass es keinen Anspruch gibt, dass Depressive nach alltagsnormalen Normen sich zu richten haben
  • zu wissen, dass bei dominanten Stimmungen Entscheidungen gewllt werden, die in anderen mentalen Zuständen anders lauten würden

Wen kann ich ansprechen?

Erster Ansprechpartner ist wahrscheinlich bei den meisten der Hausarzt. Danach können Kinder/Jugendpsychiater, -therapeuten Einschätzendes beisteuern. Zuweilen sind Schulpsychologen auch entsprechend qualifiziert, aber nicht immer.


Was kann ich als Vater / Mutter tun?

Depression betrifft immer die ganze Familie! Es ist nicht das Problem eines Einzelnen. Und als Familie kann man da auch einen Weg herausfinden.
  1. Sich informieren! Und keine Urteile über Persönlichkeit, persönliches Versagen, Faulheit etc. abgeben
  2. Selbstvorwürfe, als Eltern versagt zu haben, helfen nicht weiter. Statt dessen das tun, was jeder normale Mensch tut, wenn ein Familienmitglied erkrank und man selber es nicht behandeln kann: Fachpersonal einschalten!
  3. Depressive benötigen die Möglichkeit, Fürsorge spüren zu können. Depression verhindert/ beeinträchtigt das "Spüren", gerade deshalb ist es aber wichtig, dass die Umwelt es wohlwollend bereitstellt.
  4. Seien Sie sich darüber klar, dass es keine schnellen Lösungen gibt. Eine Depression ist nicht auf Knopfdruck da und sie verschwindet auch nicht auf Knopfdruck. Es ist ein organischer Entwicklungsprozess. Sie brauchen Geduld, Geduld und nochmals Geduld.
  5. Neben all der Fürsorge nicht die Impulse zur Eigenständigkeit vernachlässigen. Jeder Depressive hat immer auch irgend etwas, das er tun kann

    Übrigens: Suizid ist eine der häufigsten Todesursachen im Jugendalter. Rettungsdienst, Polizei, sozialpsychiatrischer Dienst sind im akuten Ernstfall die Adressen.
  6. Bei aufdrängenen Suizidgedanken ab zur fachlichen Hilfe
  7. Machen Sie sich klar, dass Sie als Unterstützer der Therapie gefragt sind, aber nicht als ihr Leiter. Wenn Sie kein Fachmann/-frau sind, handeln und reden Sie nicht, wie ein solcher (auch da weiss ich leider, wovon ich rede)
  8. Sorgen Sie für sich selbst. Es nutzt dem von Depression Betroffenen gar nichts, wenn Sie selbst in Mitleidenschafft gezogen werden

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