9. Dezember 2016

Die Wahrheit über Depression 1

Depression kommt in den besten Familien vor, um eine klischeehafte Formulierung zu verwenden. Wer selber oder dessen Verwandter / Bekannter von Depressionen betroffen ist, ist oft unvorbereitet auf so etwas.
Meist muss man sich kundig machen, um was es eigentlich geht.

Hier der Einstieg in die wichtigsten FAQs zur Depression.

Wie zeigt es sich?

Die Metapher vom "Schwarzen Land" trifft es ziemlich gut. Ebenfalls gibt es bereits eine kleine Übersicht über die Symptome. Im Grossen und Ganzen ist Depression aber eine "schillernde" Krankheit. Jemand kann unerlösbar im Bett liegen und nicht mehr hoch kommen, jemand anders ist unter Hochspannung und hektisch getrieben. Beides kann eine Depression sein.

Wie verbreitet ist die Krankheit?

Mediziner zählen Depressionen hierzulande zu den Volkskrankheiten. Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe leiden in Deutschland derzeit rund vier Millionen Menschen an Depressionen. Insgesamt sagen die Zahlen:


Jeder fünfte Deutsche, also 20 Prozent, erkrankt in seinem Leben einmal an einer Depression. Bei etwa zehn Prozent der Patienten ist die Krankheit chronisch.



Es kann auch sein, dass die Depression geht, aber etwas bleibt zurück. Der Fachausdruck dafür ist "Residuum".

Haben Depressionen zugenommen?

Wenn man nur auf die Statistik schaut, dann ja. Die Zahlen haben zugenommen. Die Frage aber, wie diese Zunahme zu interpretieren sei, darüber gibt es unterschiedliche Positionen.

Manche meinen, das Vorkommen sei quer durch die Nationen und Zeiten gleich geblieben, nur wird es heute eben besser erkannt. Ausserdem ist die Sensibilität gewachsen und das soziale Stigma etwas zurückgegangen. Es gab also schon immer den selben Anteil von Depressiven zu allen Zeiten, nur heute sieht man sie auch.


Doch das ist nicht so ganz klar. Der kulturelle Blick ist nämlich sehr verschieden. Andere Länder ordnen das, was bei uns Depression heisst, ganz anders ein.
Und auch hinsichtlich der Geschichte: das, was man als Melancholie in der Antike dargestellt hat, ist nicht so einfach unter heutiger Depression zu subsummieren, wie es heutige Mediziner gerne tun.


Die Antwort auf die Ausgangsfrage bleibt also etwas in der Schwebe.

Sind Frauen häufiger betroffen?

Selbe Faktenlage wie vorher: Laut Zahlen ja (Anteil der Frauen ist doppelt so hoch wie der der Männer), aber unklar ist, wie diese zu interpretieren sind.

Verdächtig ist z.B., dass der Geschlechterunterschied bei schweren Depressionen verschwindet. Sind also Frauen eher bei den leichteren Depressionsformen in der Überzahl? Oder liegt es daran, dass bei Männern nicht so genau hingeschaut wird? Oder sind diese bei dem Thema vorsichtiger, weil die gesellschaftliche Kultur mit ihrem Männerbild es so "will"?

Die Antwort auf die Ausgangsfrage bleibt wiederum etwas in der Schwebe.

Was sind die Ursachen der Krankheit?

Sie sind vielschichtig und nicht immer klar auszumachen.

Belastende Ereignisse wie der Tod eines geliebten Menschen oder das Ende einer langjährigen Beziehung können Depressionen ebenso auslösen wie Stress, Traumatisierung oder Überforderung im Berufsleben. Menschen mit negativen Denkmustern sind eher gefährdet. Auch mangelndes Selbstwertgefühl kann die Entstehung von Depressionen begünstigen.


Daneben können Depressionen auch als Symptom einer anderen Erkrankung auftreten, etwa bei Alzheimer- oder Parkinson-Patienten. In solchen Fällen sprechen Mediziner von sekundären Depressionen.

Sind alle an einer Depression Leidenden Suizid-gefährdet?

Die Suizidgefahr ist tatsächlich hoch: Zwischen 40 und 70 Prozent aller Selbstmorde stehen im Zusammenhang mit Depressionen. Experten schätzen, dass beinahe jeder Patient mit einer schweren Depression irgendwann auch einmal an Selbstmord denkt. Das Thema ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.


Früher machte der Satz die Runde: "Wer von Suizid spricht, tut es nicht." Ganz klar weiss man heute: Der Satz ist falsch. Forschungen ergaben, dass zwischen 28% to 59% aller Suizide die Depression die ausschlagende Rolle gespielt hat (im Vergleich zu Persönlichkeitsstörungen: zwischen 35% to 45%)

Wie lässt sich eine Depression behandeln?

Generell gilt: Je früher, desto größer sind die Chancen auf Heilung. (Das ist aber bei den meisten Erkrankungen so.)
Meist kombinieren die Behandler Medikamente (Antidepressiva) mit Psychotherapie (mit einem Hang zur reinen Medikamentenbehandlung)


Die geballte Ladung
Wissen zum Thema
Häufig ist es die sogenannte „kognitive Verhaltenstherapie“, danach tiefenpsychologisch fundierte Therapie und die analytische Psychotherapie. Es ist ein langes und meist zeit- und kostenintensives Verfahren.
Diese Therapiearten werden von der Kasse bezahlt. Sie galten bislang als erfolgreich.
Erst im Laufe der Zeit, mit den neuen Forschungen kamen Zweifel auf: Sie wirken schon, aber längst nicht so gut, wie es oft propagiert wird.

Systemische Therapie ist ein Mittel der Wahl. Die acceptance & commitment Therapie ist ebenfalls gut. Und natürlich gibt es viele "Spezieltherapien", die genau dafür ihren Schwerpunkt haben.


Was können Angehörige tun?

Das Nötigste, was meist getan werden muss, ist, die eigenen Vorstellungen und Meinungen über die Depression nicht für die Wahrheit zu halten. Was jetzt böse klingt, ist leider meist furchtbar nötig.

Gerade bei Depression treten auf einmal Laien aus dem Familien-, Verwandten- und Bekanntenkreis als Experten auf, die genau wissen wollen, woher es denn kommt und was der Betroffene tun muss.


Die Folgen sind oft abstrus. Sie reichen bis zur Empfehlung von Kräutersuden oder Globuli.

Deshalb: Das Beste, was Angehörige zuerst tun können, ist, sich medizinisch zu informieren (und das nicht ausschliesslich im Netz, sondern auch mal ein Fachbuch lesen).Wichtige Tipps für Angehörige gibt es hier als Einstieg.


Wie kann man Depressionen vorbeugen?

Natürlich kann sich niemand gegen die Trauer über den plötzlichen Verlust eines geliebten Menschen wappnen. Auch andere schwer belastende Lebensereignisse sind nicht trainierbar.

Bestimmte Faktoren wie ein gefestigtes familiäres Umfeld, weniger Stress im Beruf, Sport oder andere positiv besetzte Aktivitäten können aber das Risiko mindern, dass solche Schicksalsschläge in eine Depression münden.
Allerdings ist eines klar: eine Garantie hat nie existiert und wird es auch nicht.

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