10. Juni 2016

In sieben Schritten zum Burn-Out

©panthermedia.net/Sergio Hayashi
burnout ist immer wieder in den Schlagzeilen. Es ist tatsächlich ein großes Problem, das für unsere Berufswelt und unser privates Leben äußerst relevant ist. Es richtet einen immensen Schaden an, für Firmen und - das ist für den Einzelnen gravierender - in der eigenen Biographie. Burnout kann ein ganzes Leben zum Entgleisen bringen.

Aber wie entsteht burnout? Kann ich etwas dagegen tun? Ja!

Das Schlechte daran ist: Ich kann auch etwas dafür tun, damit ich ein burnout bekomme. Hier ein Anleitung:

Erster Schritt

Es beginnt mit dem Wunsch, zu zeigen, was man kann. Leistungsträger sein, das ist der Wunsch der meisten Menschen. Die Gesellschaft honoriert es ohne Ausnahme, finanziell oder sozial oder beides. Dieses Belohnungssystem, zusammen mit der Abwertung von Menschen, die Leistung weniger oder gar nicht bringen, mündet in eine Versuchung, sich immer weiter anzustrengen und immer mehr zu arbeiten.
Nein sagen fällt nicht nur schwer, sondern auch meistens aus. Aufträge, Zielvorgaben - egal ob realistisch oder unrealistisch - abzulehnen gibts nicht. Man will es allen recht machen. Reicht die Arbeitszeit nicht, nimmt man sich abends oder übers Wochenende Arbeit mit. Die Digitalisierung mit ihrer ständigen Erreichbarkeit tut ihr Übriges, auch wenn einige Firmen inzwischen Problembewusstsein zeigen.

Zweiter Schritt

Eigenen Bedürfnisse werden zurückgestellt. Es reduzieren sich nicht nur die Freundestreffs, die Essenspausen mutieren zur schnellen Nahrungsaufnahme während einer lästigen Arbeitsunterbrechung namens Mittagspause. Langsam kommt einem das Gespür für das, was einem gut tut, abhanden.

Dritter Schritt

Jetzt meldet sich der Körper: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, flaches Atmen, Konzentrationsschwäche, Verspannungen, Müdigkeit und andere psychosomatische Symptome. Leider versucht man diese Symptome zu bekämpfen und "wegzumachen", anstatt sie als das zu achten, was sie sind: Warnsignale. Viele greifen lieber zu Schmerzmittel, Schlaftabletten, Aufputschmittel, Alkohol ...

Vierter Schritt

Jetzt dreht sich die innere Einstellung um: Freunde sind nicht mehr so wichtig. Zeit, die man ungezwungen und unproduktiv verbringt, ist in der eigenen Wahrnehmung nur noch unproduktiv. Dass es dadurch zu Problemen mit den Freunden oder der eigenen Familie kommt, wird einem zwar vorgehalten, aber man lässt es nicht an sich heran. Man versteht einfach nicht, will nicht oder ist nicht in der Lage, zu sehen, wo das Problem liegt. Man meint, es besser zu wissen, beziehungsweise die Dinge im Griff zu haben. Statt dessen endet es in Isolation.

Fünfter Schritt

Wenn Emotionen und Gedanken sich ändern, verändert sich auch die Persönlichkeit. Jetzt geht es darum, zu funktionieren. Die Dinge müssen gemacht werden! Allerdings fühlt man sich wie ein Rennpferd unter lauter dahintrottenden Viackergäulen. Man drückt aufs Gaspedal, kommt aber nicht vom Fleck. Die anderen sind die Bremser. So die Weltsicht. Agressivität, Sarkasmus und Zynismus treten auf, nicht als humorvolle Stilmittel, sondern als Ausdruck der Verachtung gegenüber Menschen, die weniger leisten (wollen).

Sechster Schritt

Aggressivität und Gereiztheit nehmen weiter zu. Man empfindet keine Freude mehr. An die Stelle von Neugierde ist kalte Desillusion und Bitterkeit getreten. Man ist erschöpft, der Körper tut weh. Man fühlt sich nur noch müde und gleichzeitig sitzt einem die Angst im Nacken, es könnte noch schlimmer werden. Alles was noch geleistet wird, ist, zu funktionieren. Aber die menschliche Qualität ist daraus inzwischen verschwunden.

Siebter Schritt

Der Schritt zum Systemkollaps wird vollzogen. Sei es, dass die eigene innere Leere sich nun in alle Seelenwinkel ausgebreitet hat, sei es, dass ein körperlicher Zusammenbruch erfolgt, aus dem man emotional nicht wieder heraus kommt, sei es, dass trotz eingebauter Erholungszeiten sich keine Erholung mehr einstellt.

Alle Anstrengung hat nur zu einem geführt: verbrannte Erde. Und genau so, wie eine solche aussieht, fühlt es sich im Inneren auch an. Es gibt auch keine Glut mehr unter der Asche.
Ab hier hilft oft nur mehr ein klinischer Aufenthalt.

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Eine Bemerkung zum Schluss

Man kann aus dem Ganzen wieder herauskommen. In der Praxis machen sich die meisten allerdings erst nach dem siebten Schritt auf. Meist auch mit Zögern.

Eines muss man lernen: Wenn man selber bei sich nichts ändern, und meist sind es tiefergehende Dinge, die geändert werden müssen, wird es so weitergehen. Dann aber geht es. Dennoch: So wie früher kann es nicht wieder werden. Man wird zu einem anderen Menschen oder man geht unter. Nicht alle schaffen Ersteres. Behutsamkeit ist also gefragt, denn es ist ein längerer Prozess.

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