2. Oktober 2015

Wiederholen Scheidungskinder als Erwachsene die Fehler ihrer Eltern?

Deutsch: Die Eltern von Max LiebermannDeutsch: Die Eltern von Max Liebermann (Photo credit: Wikipedia)"Soziale Vererbung" oder "Transmission" von Scheidung existiert als Begriff seit den 70ern. Er meint, dass Scheidungskinder eine höheres Risiko haben, später selber einmal geschieden zu werden.
2009 ergab eine Untersuchung für Deutschland: 80 Prozent der Verheirateten, die bei ihren Eltern aufgewachsen waren, sind nach 20 Jahren immer noch verheiratet. Kinder von Alleinerziehenden schafften es dagegen auf 70 Prozent. Aus Patchworkfamilien sind es wieder weniger: 60 Prozent. Warum das jetzt so ist, ...

... darüber gibt´s keine Aussagen, die wissenschaftlich klar belegt sind. Haben Scheidungskinder keine guten Vorbilder, wie man mit Trennungen umgeht? Oder investieren sie von vornherein weniger in eine Beziehung, weil sie selbst gebrannte Kinder sind?

Was immer wieder auftritt, ist, dass im Vergleich Scheidungskinder früher sexuelle Erfahrungen machen als andere. Weil sie irgendwie Nähe suchen, die sie daheim so nicht erlebt haben? Zu all dem kann man wissenschaftlich gesehen sagen: keine Ahnung.

Lernen, wie Beziehung geht ...

Wie Beziehung "geht", schauen sich Kinder bei ihren Eltern ab. Was normal ist, denn die Beziehung zu Vater und Mutter und die Beziehung zwischen ihnen ist nun mal die erste Beziehungserfahrung, die wir machen. Deshalb ist es nicht überraschend, dass wir als Erwachsene in unserer eigenen Beziehungsgestaltung Muster haben, die wir durch Vater und Mutter gelernt haben.


Kinder, wenn sie auf die Welt kommen und aufwachsen, kooperieren. Sie versuchen das Beste aus der vorhandenen Situation zu machen und sich einzugliedern.



Wir Erwachsene sind entscheidend

Erwachsene leben Kinder, ob sie es wollen oder nicht, vor, wie mit Konflikten umzugehen ist:
  • welche Ressourcen man einsetzen kann, 
  • wie man mit Kränkungen umgeht,
  • ob man fähig ist, nicht nur sich selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu setzen - gerade in emotional belastenden Situationen.
Erwachsene leben auch vor, wie man mit Misserfolgen umgeht:
Ob hysterisch kreischend und den anderen als "A..och" beschimpfend oder unnahbar rationalistisch oder ....

Was davon prägt Scheidungskinder?

Wie Kinder damit umgehen? Auf sehr unterschiedliche Weise. Tröstlich ist, dass es keine Mechanik gibt, dass aus Scheidungskindern auch Scheidungseltern werden.

Aber klar ist auch: wer zu Hause schädliche Verhaltensweisen erlebt hat, wer von seiner Mutter und Vater gegenseitige abwertende Umgangformen mit angesehen hat - vielleicht sogar über Jahre hinweg - der hat weniger optimale Startbedingungen wie andere. Physische, verbale oder psychische Übergriffe werden von Eltern an ihre Kinder weiter gegeben. Dabei sind es nicht so sehr die Ereignisse selbst, von denen unsere Kinder lernen. Es ist die Art, wie wir damit umgehen, die unsere Kinder prägt.

Auf das Thema Trennung angewendet, heißt das: 

Eine Trennung ist für Kinder nicht das selbe wie für die Eltern. Es ist aber für unsere Kinder eine große Katastrophe, wenn Eltern aus ihrer Trennung einen Krieg machen. Und die größte Katastrophe für unsere Kinder ist, wenn sie erleben müssen, wie ihr Vater oder ihre Mutter aus verletzten Gefühlen heraus einen gnadenlosen Feldzug führen.


Von einer Trennung kann man sich wieder erholen. Kinder können das. Schließlich sind nur die Partner getrennt, die eltern bleiben ihnen. Es sei denn, die Erwachsenen machen Krieg. Den Krieg bekommt man nie wieder aus seinem Leben.
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