24. Mai 2015

Männer züchtigen Frauen aus höheren Motiven - was wir daraus lernen können

Spanking art
Spanking art (Photo credit: Wikipedia)
"Spanking for Jesus" - die Überschrift war so schräg, dass ich das lesen musste. Was sich mir darbot, war irgendwas zwischen übel und schräg.

Gleichzeitig bestätigte es meine Denkweise hinsichtlich etlicher psychischer Probleme: Bei vielen liegt es nicht an der Psyche, wenn sie leiden. Die eigentliche Quelle liegt tiefer.



Zuerst benutzt er seine Hände für "Aufwärm-Schläge". Dann folgt eine Kombination mit Hilfsmitteln, je nach spezifischen Verletzungen. Der hölzerne Löffel ist am wenigsten hart; für das schlimmste Vergehen - SMS schreiben während der Fahrt oder Banküberweisungen tätigen ohne seine Erlaubnis - schlägt er sie mit etwas anderem: einer Haarbürste, einem Paddel oder einem Lederriemen. Aber das ist nicht häusliche Gewalt, sagt Chelsea. Das ist für Jesus"

Soweit das Zitat. Die Quelle gibt´s unten.

Something is f***ed up

Es gibt tatsächlich eine Bewegung, da gehört es dazu, dass Ehemänner ihre Frauen schlagen/demütigen. Sie wollen die Frauen im Namen des Herrn zu einem rechten Leben, wie sie es nennen, anleiten. Schläge, Demütigungen, nacktes Vorführen und etliches mehr, sind ebenfalls Teil des Repertoires. Auch Infantilisierung kann dazu gehören. Die Bewegung heißt CDD, Christian Domestic Disciplin, christliche häusliche Disziplinierung.

Das Ganze erfüllt alle Klischees, die man über eine patriarchalische Religion und ihren Umgang mit Sex und Frauen im Kopf hat. Es ist nichts weiter als ein verkorkstes inneres Sexualleben, das irgendwelche Dinge benutzt, um sich ausleben zu können. Oder es ist einfach nur lächerlich und schräg. Aber so simpel ist es nicht.

Auch hilft es nichts, zu sagen, das ist halt USA. Denn erstens ist Erziehung durch Dominanz auch in Deutschland nicht vorbei und ihre ideologische Untermauerung durch Religion ist es auch nicht. Zweitens ist die Ursache dafür nicht an Kontinente gebunden.

Hinter solchen Phänomenen steckt etwas, das es überhaupt erst möglich macht, dass diese geschehen.

Das eigentliche Problem bei CDD ist die emotionale-mentale Abhängigkeit. Sie macht es möglich, dass Menschen in Beziehungen bleiben, in denen ihnen Leid widerfährt. Die Täter können weitermachen, Betroffene tun sich schwer, Hilfe anzunehmen und wenn es ganz hart kommt, dann haben alle Beteiligten die Überzeugung internalisiert, dass ein Ehemann das Recht oder die Pflicht hat, sein Frau zu erziehen.

Deswegen ist es auch kein Sexproblem

Das ist übrigens einer der Unterschiede zwischen CDD und Sub/Dom-Sexualtechniken. Letztere sind eingebettet in ein Regelsystem, das es möglich macht, jederzeit auszusteigen. Bei CDD dagegen geht es um ein Menschenbild, das den Beteiligten einen Ausstieg verwehrt.

Ein Weltbild bestimmt unsere Denkweisen, unser Gefühlsleben und unser Verhalten, noch ehe wir selbst entschieden haben. Es verknüpft ein bestimmtes Verhalten fest mit bestimmten Bedeutungen und diese Verknüpfungen werden so tief in uns eingegraben, dass wie sie "ums Verrecken" nicht loslassen wollen / können.


Das Argument, dass CDD bei uns nicht vorkommt, sticht nicht. Denn erstens ist häusliche Gewalt in Deutschland ein Thema und zweitens: Das dahinterstehende Problem mit unseren Weltbildern und ihren unterschwelligen Direktiven besteht hier genau so wie überall.

Beispiele für Bedeutungsverknüpfungen von Weltbildern gibt es en masse:

  • Wenn er / sie x nicht macht, dann liebt er / sie mich nicht.
  • Wenn er / sie y macht, dann weil er / sie dich liebt und nur das Beste für dich will.
  • Wenn er / sie mich wirklich lieben würdest, dann würdest er / sie ...
Zugegeben, das sind gegenüber der Lizenz zum Schlagen harmlosere Beispiele, doch gerade der zweite Punkt ist zum Beispiel ein vielverbreitetes Zitat von Eltern gegenüber ihren Kindern früher. Meist in Verbindung mit Haue. Es ist kein genuin religiöses Problem, wenn es heißt, Züchtigung sei ein Mittel der Pädagogik. Es ist ein ideologisches Problem.

Immer wieder geht es um das, was uns leitet

Unterschwellig haben wir ein Bild im Kopf, was richtig oder falsch ist. Und entsprechend sollte die Welt, die Beziehung und überhaupt alles sein. Dieses Bild kommt aus unserer Vergangenheit. Es wurde gebildet aus Kindheitserfahrungen, Strafen, Belohnungen, aus Verhaltensweisen anderer Erwachsener, aus Erlebnissen mit Lehrern, Freunden, Kollegen etc.

Leider unterläuft uns ein Umsetzungsfehler. 

Denn in Wirklichkeit gibt das innere Bild nur selten wieder, was richtig oder falsch ist. Meist ist es nur das, an das wir uns gewohnt haben und für normal halten, weil wir keine große Alternative erlebt haben. Oder noch schlimmer:


Viele dieser Verknüpfungen sind in Wirklichkeit gar nicht die unseren, sondern sie wurden uns "untergejubelt" - als jemand, der Leute mit Hypnose behandelt, weiß ich das nur zu gut. Die Leute, die zu mir kommen, finden immer wieder heraus in der Hypnosearbeit, dass sie bisher Dingen folgten, die eigentlich nicht die ihren sind.


"Untergejubelt" meint hier, dass dies oft nicht (auch zuweilen durchaus) bewusst geschah, sondern dass Leute in dem Glauben gehandelt haben, dass es gut für uns sei.
Wer seinem Kind in den Kopf setzt, dass es richtig ist, vor dem Überqueren der Straße nach links und rechts zu sehen, manipuliert natürlich, aber er ist ziemlich leicht nachzuprüfen, ob diese Manipulation (und es ist eine Manipulation, wenn man jemand gegen seinen Willen dazu zwingt, innezuhalten und nicht einfach loszurennen, sondern erst zu gucken) tatsächlich etwas Hilfreiches erreicht.

Bei komplexen Themen, z.B. was eine gute Beziehung ist, wird es schon schwieriger. Man kann dabei sehr schnell sehr falsch liegen. Und wer anderen Männern und Frauen in den Kopf setzt, dass Frauen durch den Mann diszipliniert werden müssen, damit sie auf dem richtigen Weg bleiben, der liegt ziemlich falsch. Leider ich bin überzeugt, diese Leute meinen es gut. Dass "gut gemeint" nicht automatisch "gut" ist, wird leider meist nur später klar.

Hinterfragen ist deshalb wichtiger als folgen

Je vielfältiger die Lebenswelten sind, desto mehr Vorsicht ist geboten mit dem, was man als richtigen oder falschen Lebensweg beurteilen will. Das tiefere Problem sind nicht die schlagenden Männer. Es sind auch nicht diejenigen, die Flugzeuge in Wolkenkratzer fliegen oder Bomben basteln.


Das weitreichende Elend sind diejenigen, die ihnen beigebracht haben, das alles sei richtig und diene dem Guten. Schlagende Männer kann man anzeigen, Attentäter einsperren. Die Manipulatoren aber machen weiter. Deshalb ist Selbstkenntnis wichtiger als in früheren Generationen. Wir müssen wissen, aus welchen (un-)bewussten geistigen Urteilen wir handeln. Sonst hört das nie auf.



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