8. Februar 2015

Respekt in Arbeitsbeziehungen

Eine Gallup-Umfrage bestätigt wieder das, was seit 2001 ein stetiger Trend im Arbeitsleben ist: Deutsche haben innerlich gekündigt. Nun, nicht alle, 2013 war es jeder Sechste. 67 Prozent machen laut eigenen Angaben Dienst nach Vorschrift, 16 Porzent würden sich freiwillig für die Ziele der Firma einsetzen. Jetzt kann man sagen, die Deutschen sind in der Hängematte des Kündigungsschutzes eben bequem geworden, man kann auch, wie die Wirtschaftswoche, sagen, ...


... dass dafür in erster Linie die unmittelbaren Vorgesetzten verantwortlich sind.

Viele Arbeitnehmer steigen, so die Untersuchung, hoch motiviert in ein Unternehmen ein, werden dann aber zunehmend desillusioniert. Irgendwann verabschieden sich mental aus dem Unternehmen und kündigen innerlich. Der Vorgesetzte ist bei diesem Prozess meist dabei und bemerkt ihn nicht. Zu stoppen versucht er ihn in aller Regel erst Recht nicht. Personalberaterin Heike Cohausz von P4 in Düsseldorf bringt dieses Phänomen auf eine Faustformel: “Menschen kommen zu Unternehmen und verlassen Vorgesetzte.”

Woran liegt´s?"

Auch darüber gibt´s Zahlen.

Punkt 1, warum Mitarbeiter gehen, ist: geringe Wertschützung auf der Beziehungsebene und statt dessen ein Umgang, als wäre man ein Maschine, die keine Wertschätzung braucht


Anscheinend wird regelmäßig übersehen: Wertschätzung und Respekt ist etwas Grundlegendes, auch wenn es nicht im Arbeitsvertrag steht.


Distanz bewahrt Respekt

Das "Sie" im Deutschen beinhaltet eine Distanz, die zu wahren für mich zum Beispiel in der therapeutischen Situation - die eh schon mehr Nähe impliziert als eine normale Situation - grundlegend ist. Sie ist Ausdruck des Respekts gegenüber meinen Leuten.

Denn trotz aller Vertrautheit, der Therapeut ist nicht dein Freund. Er ist nicht dein Seelengefährte, nicht der Vater oder die Mutter, die dich auffangen, streicheln und umsorgen. Der Therapeut ist Profi und die Beziehung ist und soll eines bleiben: eine Arbeitsbeziehung! Ich mag das. Und so sollte es meiner Meinung nach an jedem Arbeitsplatz sein.

Nichts gegen unterschiedliche persönliche Nähe auch während der Arbeit. Aber es gibt Betriebe, da wirst du zwangsverduzt. Ich meine jetzt nicht die US-Unternehmen mit Ihrer Kultur, sich beim Vornamen anzureden. Das englische "you" ist anders als das deutsche "Du".
Ich meine all diejenigen, bei denen das "Sie" inzwischen die Ausnahme ist und wo das "Du" mit einer Art Anspruchshaltung "bei uns ist das so üblich" ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Beziehungen einem über den Schädel gekippt wird. Paradebeispiel ist hier der sozialpädagogische Sektor und die restliche deutsche Hilfsindustrie.
Diese Leute glauben mit dem "Du" existiert gleichzeitig ein "familiäres Verhältnis am Arbeitsplatz".

Bullshit Leute, so funktioniert das nicht!


Außerdem scheint dieses Getue eines zu sugerrieren:
Dass wir hier alle vertraut sind und gut miteinander auskommen. Deshalb brauchen wir auch uns nicht groß über faire Konfliktstrategien kümmern, wir können sie ja eh, und außerdem sind wir doch wie eine Familie.

Wer ein ein familiäres Arbeitsverhältnis braucht, der hat mein tiefstes Mitleid. Was muss der für ein "Sch..." Sozialleben führen? Die meisten haben jedoch schon ein familiäres Verhältnis und sie brauchen kein Zweites.


Und jetzt einmal ehrlich: wenn es hart auf hart kommt, entscheidet das unternehmerische und arbeitsrechtliche Verhältnis.


In meiner Tätigkeit als Mediator ist mir eines stark aufgefallen (und es wird wissenschaftlich gedeckt): Wenn es um Mobbing, Intrigen und Niederträchtigkeit am Arbeitsplatz geht, dann ist der soziale Bereich ganz vorne dabei. Wozu also so ein pseudofamiliäres Getue?


Arbeitsplätze brauchen eine Haltung der persönlichen Distanz

Letzte Woche wurde in die Notaufnahme eine junge Frau eingeliefert. Sie hatte so etwas wie einen epileptischen Anfall, war unglücklich gestürzt und hatte sich den Kopf aufgeschlagen. Man behielt sie da für weitere Tests. Sie wollte nicht. Daran ist auch nichts Schlimmes. Dass sie jedoch die behandelnde Ärztin mehrmals mit "blöde F*tze" titulierte, war aber dann doch zu viel des Guten.


Es gibt Beziehungen zwischen Menschen, die halten so einen Kommunikationsstil aus. Arbeitsbeziehungen tun es nie!



Arbeitsbeziehungen handeln von Menschen, die miteinander, würden sie sich privat persönlich kennenlernen, oft nicht viel anzufangen wüssten. Arbeitsbeziehungen sind in erster Linie Zweckgemeinschaften, deren Ziele man sich nicht aussuchen kann, sondern die von höherer Hierarchiestufe vorgegeben und geändert werden.

Respekt impliziert das Wort "Anerkennung". 


Das erste, was Anerkennung leistet, ist, dass sie gewahr ist, wo man sich befindet: Raum, Umgebung Abläufe.



Anerkennung ist also etwas, das man selber leisten muss: Es bedeutet, erkennen, dass Arbeitsbeziehungen keine familiären Beziehungen sind und es auch nie werden sollen. Darauf aufbauend ist es dann die Art, wie man dazu Beziehung aufnimmt, die den Respekt ausmacht.

Wenn man zum Beispiel gewahr wird, sich nicht in einer Gesellschaftssturktur aus dem 19. Jahrhundert mit ihren Bediensteten, die einem hörig sein müssen, zu befinden,  dann hat man sein Verhalten darauf abzustellen.
Ärzte, um die obige Situation aufzugreifen, sind keine Bediensteten aus dem 19. Jahrhundert (Therapeuten auch nicht) und Mitarbeiter, egal in welcher Branche, ebenfalls nicht.


Wer sich entscheidet, nicht dem herrschenden Umgang zu folgen, der muss einen wählen, der auf einer höheren Stufe liegen, will er nicht Streit oder Isolation provozieren.

Generell gilt: Man kann sich nur entscheiden, das Niveau zu erhöhen, sonst wird das Leben holprig.

Wer sich also im obigen Beispiel entscheidet, nicht dem Umgangston mit der "blöden F*tze" zu folgen, für den gibt es nur eine Richtung: ein besseres Niveau. (Unabhängig von dieser ethischen Begründung, wäre es schwierig, das Niveau bei diesem Beispiel verbal noch zu unterbieten)

Wie Respekt bei Respektlosigkeit funktioniert

Um noch einmal das Arbeitsfeld "Seidungsmedation" zu bemühen: Während zum Beispiel andere Kollegen in den Gesprächsregeln festhalten, dass Beleidigungen draußen zu bleiben haben, sind sie bei mir ausdrücklich erlaubt. Ich führe nur eine Fairnessklausel ein.

Konkret heißt das, es gibt eine Erlaubnis, es dem anderen mit gleicher Münze zurückzahlen zu können.


"Also, wenn Sie ihn "blödes A*****och" nennen dürfen, dann darf er Sie als "dumme Schl*mpe bezeichnen."




Denn ich weiß natürlich, wenn die Gefühle mit Menschen durchgehen, dann haben die wenigsten die Selbstbeherrschung sich selber rechtzeitig so zügeln zu können, dass sie wieder regelkonform werden.

Ich habe interessante Erfahrungen mit dieser Fairness-Regel gemacht.

Ersten muss meist irgend jemand bei so einer Ankündigung kurz lächeln, zweitens verhindert diese ausdrückliche Erlaubnis wirklich schärfere Eskalationen. Und drittens habe ich die phantastische Möglichkeit, immer einwerfen zu können, dass nach einer erfolgten Verbalinjurie ich gleich der anderen Partei Zeit geben werde, jetzt zurück zu beleidigen. So war es schließlich ausgemacht.

Regelmäßig wird sichtbar, dass so ein Beleidigungs-Ping-Pong nicht weiter führt.

Mitterand und seine Frau sollen sich übrigens in der Öffentlichkeit immer noch gesiezt haben. Gut, das kann man als übertrieben bezeichnen, aber so eine Gepflogenheit kann einiges bremsen kann, was auf dem Weg unter die Gürtellinie ist.


Mahatma Gandhi hat folgende Verse formuliert:

Your beliefs become your thoughts,
Your thoughts become your words,
Your words become your actions,
Your actions become your habits,
Your habits become your values,
Your values become your destiny.

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  • hier gibt es die Gallup-Studie zum Nachschauen
  • der Spiegel hat eine kleine Zusammenfassung gebracht

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