30. Januar 2015

Mitarbeiterführung - immer die selbe Leier. Jetzt auch bei mir

Zu mir kommen viele, die Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben. Nicht von der Sorte, von denen man sagen könnte: "Selber schuld".

Eher von der Sorte, von denen man sagt: "Die würden gute Ergebnisse bringen - wenn die Leute, die in der Firma was zu sagen haben, es denn mal zulassen würden."

Es geht um ein Faktum: die Lücke zwischen Anspruch und Realität. Und um die Frage, ob das, wenn es um Schuld geht, wohl in der deutschen Mentalität liegt.

Diesmal wundere ich mich, ...

... wie wenig in deutschen Unternehmen persönliches Engagement gefördert und anerkannt wird. Und noch mehr wundere ich mich darüber, wie stromlinienförmig immer die selbe Begründung angegeben wird. Schuld sind immer "die da oben". Egal auf welcher Hierarchieebene man fragt - Schuld sind immer "die da oben".

Es gibt einen betriebspsychologischen Grundsatz, der keiner Diskussion bedarf, so selbstverständlich hört er sich an:
Verantwortungsvoller Umgang mit dem Personal fördert den Erfolg eines Unternehmens.

Das eigentliche Problem, an das niemand ran will: 

So traurig es ist, dieser Satz hat anscheinend bei den Wenigsten echte Konsequenzen. Mit Blick auf den Wettbewerb vergessen die führenden Köpfe die sogenannten basics: den guten Umgang mit ihren Mitarbeitern.

"Die Mitarbeiter sind das Kapital des Unternehmens", 

 heißt es, aber die Kapitalresourcen sind im Zeitalter der Finanz- und Schuldenkrise ja schnell mal wenig Wert.
"Dieser Kampf ums Überleben beeinflusst aber in zunehmendem Maße die innerbetriebliche Zusammenarbeit. So geht es zwischen den Mitarbeitern inzwischen mit immer härteren Bandagen zur Sache. Dabei muss man sich fragen: Merkt denn niemand, wie stark mit diesem Umgangsstil (und oft auch Umgangston) die Bemühungen um einen der vorderen Plätze im Markt konterkariert werden? Kommt es denn keinem in den Sinn, dass derart geistig und seelisch ausgelaugte, frustrierte Mitarbeiter und von diesen deshalb nur allzu oft düpierte Kunden alles andere als Türöffner zur Zukunft sind? Gefordert ist deshalb eine Rückkehr zu pfleglicheren innerbetrieblichen Umgangformen" (I. Nütten).
"der seelisch-mentale Stressballast in Folge rüden Führungsverhalten ist ein gefährlich unterschätzter Sprengsatz an den Fundamenten der Unternehmen: Die harte innerbetriebliche Gangart macht die Mehrzahl der Mitarbeiter bereits zu angeschlagenen Kämpfern, bevor sie überhaupt mit ihrer Arbeit begonnen haben" (Th. Weegen).
"Erfolge sind das sichtbar gewordene Ergebnis innerer Einstellung. Wo Führung ausschließlich als Powerplay mit Menschen und Mitteln betrieben und das innere Wohlbefinden der Belegschaft als Nebensache angesehen wird, heißt das Ergebnis nicht Erfolg, sondern Krise.
Mit einem derartigen desolaten Innenleben findet kein Unternehmen die richtige Antwort auf die Fragen, die das hohe Innovations- und Wettbewerbstempo ständig aufwirft" (H. Volk).
Drei Zitate aus dem Internet. Ja, die Dinge sind bekannt, allein ... Es scheint wieder mal der geflügelte Satz zuzutreffen:
Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem

Ist das die deutsche Art, business zu betreiben?

Ein Blick in die Geschichte scheint diesen Verdacht nahe zu legen. Wie oft hat der Deutsche etwas erkannt, aber dann nichts draus gemacht?
  • Das Fax - eine deutsche Erfindung. Wer hat was draus gemacht? Die Asiaten!
  • Der Computer - eine deutsche Erfindung. Wer hat was draus gemacht? Amerika und Asien!
  • Die Glühlampe - auch so eine deutsche Idee. Wer hat was draus gemacht? Edison!
  • Das Telefon - eine deutsche Erfindung. Heute: keine Führung von deutscher Technologie mehr erkennbar.
  • der Walkman. Entwickelt von Andreas Pavel 1977. Niemand wollte ihn. Wer hat ihn gebaut und ist zum Weltmarktführer aufgestiegen? Sony! Zwei Jahre später!
  • Das Musikformat mp3 - eine deutsche Erfindung. Wer vermarktet es weltweit? Firmen wie Apple oder mp3.com
Anscheinend kann man viel über deutsche Wirtschaftsführer sagen, aber dass sie visionär den Trend der Zeit erkennen, das scheint nicht zum Repertoire zu gehören.

Unser Zeitalter

Wir leben im Kommunikationszeitalter, in dem alles weitreichendere Folgen hat. Warum benehmen sich Führungskräfte nicht entsprechend? Und warum werden Erkenntnisse wie die obigen Zitate über Führungseinstellungen von der Geschäftsführung mit so großer Beharrlichkeit ignoriert? Als ob die Ignoranz zur deutschen Natur gehört!

Als Führungskraft ist man nicht für den guten Seelenfrieden der Mitarbeiter zuständig. Aber zuständig ist man, wenn diesem Seelenfrieden im eigenen Betrieb Schaden zufügt wird. Ein Klima der Frustration, des Ignorierens, des Aufschreibens-und-sich-dann-nicht-mehr-melden zu erzeugen, das liegt sehr wohl im Zuständigkeitsbereich von Führungskräften.

Allerdings fürchte ich, dass wir in 10 Jahren noch immer über das selbe Problem reden werden. Ich befürchte fast, all die Kündigungsschutzvorschriften, gekoppelt an Betriebszugehörigkeiten, haben in Verbindung mit Spezlwirtschaft bestimmte Positionen mit bestimmten Leuten gefüllt, die nur eines im Sinn haben: fest im Sattel zu sitzen, regelmäßig Gehalt zu beziehen und ansonsten einfach Ruhe zu haben. Auf Kosten der Firma und auf Kosten der Mitarbeiter.
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