2. Februar 2014

Tod, Zen, Hypnotherapie und warum ich gerade nicht das schreibe, was ich wollte

Gudo Wafu Nishijima
Gudo Wafu Nishijima (Photo credit: Wikipedia)
Leben ist das, was passiert, während du Pläne machst, sagte John Lennon. Manchmal ist es aber der Tod, der passiert. So bei mir jedenfalls.
Eigentlich wollte ich kurz erwähnen, wie Google mich genervt hat, weil es mich als Hacker identifizierte, was dazu aus Sicht des systematisches Denken zu sagen sei und was das mit Buddhismus zu tun hat (gerade war ich in einem buddhistischen Land), und zu guter Letzt wollte ich noch (m)ein Buch erwähnen. Doch dann starb Gudo Wafu Nishijima.

Ich war auf einer siebenstündigen Busfahrt, als Gudo Wafu Nishijima starb. Während er Abschied von der Welt nahm, nahm ich Abschied von dem Ort, der für mich ein paar Jahre eine Art Heimat war. Während er vermutlich seine Augen schloss, öffnete ich die meinen, um mir die Bilder der Landschaft, Straßen und Menschen, die ich vielleicht nicht wiedersehen werde, einzuprägen.
Was passiert eigentlich alles gleichzeitig, während jeder sich selbst und seine Erfahrungen für den Mittelpunkt hält. Es macht mich nachdenklich.


Auch wenn ich ihn nie face-to-face im realen Leben sprechen konnte -Hey, wozu haben wir das Internet?-, war ich einer derjenigen, der die von ihm gebauten Brücke zwischen Ost und West betreten hat. Nishijima wollte immer Zen aus den Klöstern hinaus in die Wohn- und Arbeitsplätze bringen. Wegen seiner Art blieb ich beim Zen.

Gudo Wafu Nishijima starb am 28. Januar 2014. 

Er war 94 Jahre alt. Nishijima war Zenmönch und einer der bekanntesten in unserem Jahrhundert. Und eine für die klassischen asiatischen Denkweisen befremdliche Figur.
So war er zum Beispiel der Meinung, dass Japan im II. Weltkrieg zu Recht kapituliert hatte. Wer weiß, was das damals für die japanischen nationalen Seite der Seele bedeutet, der weiß, was wie Nishijimas Meinung ein Schlag ins Gesicht war. 
Auch kümmerte er sich keinen Deut um die aus der Geschichte weiterwirkende Ungleichbehandlung zwischen Männer und Frauen, zwischen Mönchen und Laien. Für ihn war jeder, der Buddhas Weg folgte, schlicht und einfach Mönch. Egal ob ledig, verheiratet, im Kloster lebend, Mann, Frau ... Bei vielen kam auch das nicht gut an.  
An der Art und Weise, wie die Soto-Shu-Organisation in Japan Zen betrieb, ließ Nishijima kein gutes Haar. Oberhaupt des Soto-Zen war Rempo Niwa, Abt des  weltberühmten Klosters Eihei-ji, gegründet von Dogen persönlich. Rempo Niwa wiederum erhielt seine Lehrerlaubnis von Kodo Sawaki, der heute bei vielen als einer der bedeutendsten Zenlehrer des 20. Jahrhunderts gilt. Nishijima riet seine Schüler sogar ab, im Kloster von Rempo Niwa zu studieren. Wieder ein Schlag ins Gesicht. Interessanterweise ordinierte Rempo Niwa Nishijima trotz all dem. 
Das ihm der Chef der Organisation trotz seiner Ablehnung der Organisation die Lehrerlaubnis zuteilte, liegt wohl an einer geistigen Freiheit, die dem Zen von dessen Ansatz her innewohnt. Es ist diese sehr große geistige Freiheit, die mich (nicht nur) als Therapeut angezogen hat. Was Niwa getan hat, wäre wohl so, als wenn der Papst jemanden zum Bischof machte, der öffentlich das Papsttum ablehnt. Für Christen wäre das Ketzerei und hätte Exkommunikation zur Folge, im Zen dagegen ...

Das Ende bleibt offen

2010 verschwand Nishijima aus der Öffentlichkeit. Er, der immer gerne und nachhaltig Kontakt mit seinen Schülern hielt, war auf einmal wie ein schwarzes Loch. Man weiß von einem Krankenhausaufenthalt und dass er anschließend bei seiner Tochter lebte. Seine Tochter verweigerte alle Kontaktgesuche. Angeblich war es sein Wunsch, dass wir ihn so in Erinnerung hielten, wie er vorher war. Entsprechend weiß niemand etwas Genaues.

Ich wünsche ihm, dass er so sterben konnte, wie es in seinem Sinne war. Einst bezeichnete Nishijima den Glauben an Reinkarnation als "Deko" und schlug damit schon wieder und nicht nur dem asiatische  Mainstream-Denken ins Gesicht. Aber schien er auch nicht der Meinung zu sein, dass nach dem Tod alles aus sei. In diese Richtung deuten zumindest ein paar Gesprächsfetzen mit einigen Schülern. Auch hier weiß man nichts Genaueres.

Zen und Hypnotherapie

Zen ist äußerst kritisch mit vergefassten Meinungen, Behauptungen, überhaupt mit sprachlich verfassten Denken. Zen geht es um die Erfahrung. Damit hat Zen eine Parallele zur Hypnotherapie, denn Hypnotherapie ist Erfahrung dessen, was im Moment geschieht und wie es sich verändert.

Zen meint die Unmittelbarkeit des Herzens und die darin sich eröffnende grundlegende (Buddha-) Natur zu erfahren. Die Gedankenwelt, dass unser Ich oder Selbst keine Substanz besitzt, sondern als Prozess sich formt, von Augenblick zu Augenblick, im Kontext von konkreten augenblicklichen Situationen, und dass es deshalb eine Täuschung sei, anzunehmen, man sei etwas Fixes, Unwandelbares mit einem persönlichen, die Zeit überdauernden Kern, kommt sowohl dem Ansatz der systemischen Therapie wie auch der Denkweise der Hypnose sehr entgegen.
Buddhistische Psychologie, systemische und hypnotherapeutische Denkweise weisen meines Erachtens mehr Parallelen als Unterschiede auf. Meinen Klienten fragen nicht nach Zen oder Meditation, sie kommen wegen etwas anderem. Ich spreche also auch nicht darüber.

Ansonsten hat Zen mit Hypnose noch eines gemeinsam: Es funktioniert nicht, wenn man jemanden dazu überreden will. Die Leute müssen von selbst darauf kommen und es für sich selbst tun.

Ein Dankeschön möchte ich noch meinen geschätzten Lesern sagen, die trotz der posting-Pause viel auf diesen Blog gelesen haben, nun, zumindest sind die Clickzahlen ein Kompliment. Vielleicht sollte ich öfters so eine post-Lücke einbauen, schließlich sagt man auch in der buddhistischen Meditation, es gehe um die Lücken zwischen den einzelnen Gedanken, in denen das eigentlich Essentielle sich zeigt. :-)
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