20. Oktober 2013

Stehen Frauen bald alleine da? Fachleute sehen Männer streiken

English: Couple Deutsch: Paar
English: Couple Deutsch: Paar (Photo credit: Wikipedia)
Männer verweigern sich der Ehe, wohnen im Hotel Mama, haben schlechtere Schulnoten als Frauen und sind auch sonst eher unselbstständig. Der Artikel von Walter Hollstein klappert so ziemlich alle Klischees ab.

In USA gibt es eine Gegenbewegung.
Teil davon ist die Psychologin Dr. Helen Smith und ihr Buch "Men on Strike" erreicht im Gegensatz zu anderen langsam den Mainstream: Sie legt aber nicht einen Finger in die Wunde des Mainstream-Feminismus. Sie zieht ihm eines mit dem Baseballschläger über. Wie kommt´s und was bringt die Gender-Diskussion für moderne Paare heute?


Bleiben wir kurz noch bei der Ausgangslage, um besser zu verstehen, um was es geht. Walter Hollstein untermauert alles mit Zahlen.
"Während seit 1991 die Quote der Single-Frauen um 16 Prozent gestiegen ist, erhöhte sich jene der Männer sprunghaft um 81 Prozent. Diese Entwicklung betrifft vor allem junge Männer im heiratsfähigen Alter: 27 Prozent der 18- bis 34-Jährigen leben heute allein. Auch in sogenannt mittleren Jahren – von 35 aufwärts – liegt der Anteil der allein lebenden Männer signifikant über jenem der allein lebenden Frauen. 60 Prozent der allein lebenden Männer zwischen 35 und 64 Jahren waren noch nie verheiratet; das Statistische Bundesamt bezeichnet sie als «echte Junggesellen». Das sind – in absoluten Zahlen – circa 7 Millionen Männer im heiratsfähigen Alter, die sich einer festen Beziehung mit einer Frau verweigern."

Der kleine Unterschied:

Allein was kleine Zwischenworte ausmachen -zum Beispiel die Zunahme der männlichen Singles als  Verweigerung gegenüber Frauen zu bezeichnen ... Verweigerung wäre es, wenn derjenige von Hochzeitsstrauß schwenkenden Frauen im Brautkleid überrannt werden würde und ein Anspruch und Zwang bestünde, sich in eine Partnerschaft zu begeben. Ersteres gab es allerdings nur einmal - in einer Deostift-Werbung, glaub ich.
Hey, jeder kann seinen Lebensstil frei wählen, aus Gründen, die erstmal nur ihn etwas angehen und niemand braucht hier zu etikettieren.

Es ist genau diese unterschwellige Aburteilung in den Formulierungen, die Fachleute wie Helen Smith auf die Palme bringen.
Der Autorin jedenfalls ist mit ihrem Buch wohl der Kragen geplatzt. Sie wirft den Gender-Mainstreaming-Promotern und Mainstream-Feministen ein böses Gehabe vor: Sie seien Lügner und Lobbyisten statt Menschen, denen es um gleiche Rechte und Werte aller gehen würde.

Auch Walter Hollstein schreibt:

Die deutschsprachige Soziologie nennt die Frauen denn auch Emanzipations­gewinnerinnen und die Männer Emanzipationsverlierer.


Und es ist genau diese "looser"-Verallgemeinerung, die Helen Smith konsequent auf ihre Folgen abklopft:
Denn welche Reaktionen seien wohl von Menschen zu erwarten, denen man ständig "looser, looser!" nachruft, und die, wenn sie widersprechen, ein spöttisch-mitleidiges "OOOch, da ist wohl ein Sensibelchen" hinterhergeschoben wird?
(das nach dem "und" im letzten Satz stammt das aus einem Gespräch mit einem konkreten Paar, verdeutlicht aber die Position).

Würden Sie mit jemanden gerne zusammen sein, der Sie regelmäßig abwertet?

Also wenn das stimmt und der Feminismus seine Erfolge auch den Methoden von Entwürdigung und der Produktion von Verlierern verdankt, dann hat er mehr mit ökonomischer Ellenbogenmoral zu tun, als es seinen Vertretern / Vertreterinnen lieb sein dürfte.

Dass etwas, das sich in einem dominanten System etablieren will, es mit "Durchboxen" versucht, ist nichts Schlimmes. Etwas Schlimmes ist es, wenn dieses Durchboxen damit einhergeht, andere persönlich und charakterlich abzuwerten. Das schürt Feindschaft.

Ein System, das behauptet, es gehe um die Befreiung aller, das aber bei dieser Befreiung weitere Zwänge und Dominanzgebaren produziert, beschädigt seine Glaubwürdigkeit.
Das wäre so wie bei einem Wirtschaftssystems, das "Wohlstand für alle" propagiert, aber mit der Warenproduktion in südasiatischen Sweatshops keinerlei Probleme hat.

Ob das für den Feminismus insgesamt zustrifft, weiß ich nicht. Ich bin an der Front und nicht in den Diskussionsstuben des Unibetriebs. Werden solche Perspektiven in der Gender-Debatte öffentlich geführt? Keine Ahnung. Sind Fachleute unter den Lesern dieses Blogs, die das wissen?

Die Praxis vor Ort

Wer wie ich therapeutisch arbeitet, bekommt sehr schnell mit, dass die Geschlechterdebatte für ihre Alltagstauglichkeit doch ziemlich überschätzt wird. Das, was Paare daraus mitbringen - wenn sie irgendetwas mitbringen - beschränkt sich auf oft auf eher abstrakte Behauptungen oder es liegt noch immer sehr nahe an einem Opfer-Täter-Denken. Beides wäre ok, wenn es einem Paar für dessen konkrete Situation helfen würde. Tut es aber überhaupt nicht.

Der Blick in die Zukunft

Hollstein bringt noch etliche Zitate über die allgemeine Beurteilung von Männer als "minderwertiger" als Frauen.
"Wenn sich Eltern heute stolz vorstellen, dass sie ihr Kind heranwachsen sehen, haben sie in der Regel ein Mädchen vor ihrem geistigen Auge und nicht mehr einen Jungen. Kein Wunder: Mädchen sind bereits in der Schule erfolgreicher, sie sind es auch an den Universitäten und in vielen Berufen. Mädchen sind flexibler, ehrgeiziger und lernbegieriger. Jungen hingegen bleiben zurück. Sie vermögen sich an die neuen Bedingungen kaum oder nur mühevoll anzupassen. Mit anderen Worten: Sie haben zunehmend Probleme und keine Lösungs­muster dafür."
Es gibt Fachleute, die prognostizieren, dass man in etlichen Jahren feststellen muss, dass man bei all der Mädchenförderung die Jungen vergessen hat und folglich Diskussionen am Hals haben werde, wie wir diese vernachlässigte Generation wieder "auffangen"können. Leute wie Helen Smith würden wohl vermuten, dass man die Jungen aber nicht auffangen, sondern einfach mit Spott überziehen wird, wenn es so weiter geht.
Keines der Szenarien ist hilfreich für den Alltag.

Es gibt etwas anderes

Als jemand, der Paare unterstützt, weiß man, dass Paare gemeinsame Probleme auch gemeinsam lösen können. Allerdings funktioniert eine Partnerschaft, die eher auf Konkurrenz aufgebaut ist oder in dem ein Teil für sich einen Opferstatus / Dominanzstatus beansprucht, nur mühsam. Wenn sich bereits Verachtung etabliert hat, funktioniert es kaum mehr.

Paare sind erfolgreich, wenn sie kooperieren. Kooperation setzt voraus, dass man verschieden ist und diese Verschiedenheit auch gewürdigt wird und ihren Platz bekommt. Leider stehen dem oft bestimmte Ideologien im Weg:
Manche Menschen sind von der Idee, miteinander zu verschmelzen, von Gedanken an stetiger Harmonie, ständiger Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit durch den anderen, sehr verführt worden. Genau so etwas suchen sie in Beziehungen. Die Teenager-Vampir-Serien über die Bücher von Stephany Meyer ("Biss zum Morgengrauen" etc.) beinhalten zum Beispiel solche Beziehungsbilder. Der Film "Titanic" damals von Cameron ebenfalls. Aber es sind eben Teenagerträume. Jedoch diese Muster sitzen oft tief und unbewusst.

Ich erfahre jedoch auch, dass sich mehr Realismus zu etablieren scheint. Viele Paare wollen heute eine echte Kooperation. Obgleich die soziale Situation, in der sie sich befinden, weitaus unübersichtlicher ist, als die ihrer Eltern und Großeltern. Gesellschaft, Arbeit, Ökonomie haben sich gründlich gewandelt. Im Vergleich dazu hinkt unsere Art, Familie leben zu können, noch sehr hinterher. Die Gender-Debatte, zumindest das, was so an die Öffentlichkeit kommt, ebenfalls.

related araticles

  • hier der genannte Artikel von Walter Hollstein, emeritierter Prof. für politische Sozialogie in Berlin, gutachter im Europarat für Männerfragen
  • hier eine Besprechung des genannten Buches "Men on Strike" von Helen Smith

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Kommentare :

  1. Anonym23.2.14

    Ich habe viele Kommentare von jungen Männern gelesen in denen es heißt:
    Warum soll ich heute noch heiraten, wenn ich mit 50% Wahrscheinlichkeit mit einer Trennung durch die Frau rechnen muss, wenn mit 75% Wahrscheinlichkeit die Ehefrau die Scheidung einreicht und ich dann als Melkkuh für die Ehefrau und die Kinder fungieren muss, die Kinder nicht mehr sehen darf, weil die Frau sie mir vorenthält und mir die Kinder entwöhnt.
    Sagen Sie mir bitte einen vernünftigen Grund?

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    1. ehrlich gesagt, als ich vor Jahren meine Mediationsausbildung im Schiedungsrecht machte, sagte alle anwesenden Rechtsanwälte (Männer und Frauen) unabhängig voneinander:
      Wenn du es wirklich rational durchdenkst rechtlich ... lass es!

      Soweit die Anwälte.

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    2. Anonym24.2.14

      Soziologen, Psychologen, die viel mit Jugendlichen zu tun haben sind der gleichen Einstellung.

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  2. Anonym7.12.14

    das Problem ist einfach, dass es einen Männerüberschuss gibt. Anders ist das nämlich gar nicht erklärbar, dass die Zahl der männlichen Singlehaushalte viel stärker zunimmt. Egal wo man schaut, überall nur suchende Singlemänner, ob Nachtleben, Internet oder sonstige Orte wo Frau und Mann sich üblicherweise treffen. Es sind übrigens nicht die Unterschichter, Assis oder Prolls die keine Frau finden, sondern meist eher die gebildeten, verkopften Männer. Dagegen sollte die Regierung mal was tun!

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  3. Anonym9.12.14

    Auch wenn es sich konservativ anhört, ist doch der Wunsch, Nachkommen zu zeugen, ein entscheidender Grund, eine Partnerschaft einzugehen, der. Dieser Wunsch ist nicht mehr so stark wie früher. Dies liegt daran, dass unsere Gesellschaft das Bevölkerungsminus seit Jahrzehnten durch Zuwanderung kompensiert. Die finanziellen und emotionalen Kosten für das Aufziehen von Kindern sparen wir uns einfach und haben uns daran gewöhnt. Schließlich warten ja Millionen Menschen aus Krisengebieten nur darauf, nach Deutschland zu kommen. Das Kinderkriegen ist da nur etwas für Personen geblieben, die dies als Teil ihrer Selbstverwirklichung sehen. Heraus kommen dann oft Kinder mit einem aufgeblähtem Ego, die genauso prädestiniert sind, im Leben unglücklich zu werden, wie die Eltern. Ich halte es für einen Fehler, jedes Problem durch Zuwanderung lösen zu wollen, sei es der Fachkräftemangel, der Pflegemangel oder die Rentenlücke. Dann klappt es auch wieder mit dem Kinderkriegen und der Partnerschaft.

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  4. Anonym25.4.17

    Gibt keine Männer mit Kinderwunsch, deutsche Männer überlassen die Männer-Arbeit generell den Ausländern, nicht nur auf dem Bau und im Handwerk - das ist ihre Freiheit, verdienen ja in ihren Anzug-Berufen mehr, gehen halt mit dem Geld ins Bordell... das nennt man Freiheit... früher gabs nur ne Wohnung mit Familie... heute wohnen die Single-Männer alleine in 4 Zimmern, die Frauen arbeiten im Niedriglohnbereich und wohnen in WGs überall wo ich hingehe sehe ich diese Ungerechtigkeiten... Nehmt den Männern ihre Privilegien und die Gesellschaft funktioniert wieder!

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    1. Anonym3.2.18

      Nein, denn dann gehen diese Männer in ein Land wo die Konditionen besser sind. Denkfehler!

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    2. Anonym15.5.18

      und wo uns der Genderismus und der totalitäre Feminismus nicht mehr erreichen kann.
      Das ist Männerhass und Aufstachelung der Frauen pur.

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  5. Anonym28.10.17

    Ich kann mich nur darüber wundern, dass dieses Thema in der Mainstream-Presse so krass totgeschwiegen wird. Nur die kleinen Portale bringen Beiträge. Ich bin jetzt 29, von Beruf Elektrotechniker. Die meisten aus meinem (männlichen) Freundeskreis haben studiert und ein Großteil von ihnen ist Single. Früher- als man so Anfang 20 war- machte man sich noch Mühe um die Frauen. Mittlerweile hat man sich mit dem Singleleben arrangiert. Es hat sich in meinem Freundeskreis weitläufig die Meinung durchgesetzt: Sie leben ihr Leben und wir unseres. Dann kann ich mein Geld eben für mich behalten und eventuell früh in Rente gehen. Auch keine üble Vorstellung... Diese Verweigerungshaltung nimmt immer bedrohlichere Formen an. Das ist zumindest meine Einschätzung. Auch gehe ich davon aus, dass die MGTOW-Bewegung aus den USA grade in Deutschland auf sehr fruchtbaren Boden treffen könnte.

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    1. Anonym15.5.18

      und bereits fällt...........

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  6. Hallo, dies ist eine sehr wichtige Botschaft, die ich an jemanden weitergeben muss, der durch eheliche Probleme geht, dass alle Hoffnung nicht verloren ist, was auch immer das Problem ist. Hier ist, was Sie wissen müssen, um Ihr Eheproblem zu retten. Meine Beziehung, bis ich auf einen Artikel gestoßen bin, der über den Mann spricht, den ich Ihnen vorstellen möchte, diesen Artikel gerade jetzt zu lesen. Dr. Ekpen von Ekpen Temple ist der Mann, den ich Ihnen empfehlen möchte, mit einem Eheproblem, das er Ihnen mit seinem mächtigen Zauber helfen kann, um zu lösen, was auch immer das Problem ist, das Sie in Ihrem ehelichen Leben sehen. Kontaktieren Sie ihn heute unter: ekpentemple@gmail.com oder whatsapp ihn auf +2347050270218 Sie werden froh sein, dass Sie getan haben.

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