27. April 2021

Wie Karriere, Macht und Vertrauen zusammenhängen

Herkunft bleibt Zukunft - so formulierte es einmal der Philosoph Martin Heidegger. Mit Karrierechancen scheint es ähnlich zu sein, so eine Studie an der niederländischen Universität Nimwegen.

Die Karriereforschung sieht bislang vor allem Faktoren wie Führungswillen, Gewissenhaftigkeit und einen hohen inneren Leistungsdrang als entscheidend für die Karriere an.


Diese neue Studie bring einen neuen Aspekt hinzu. Ebenso entscheidend sei der Faktor “Macht”.


Die zentrale Botschaft der Studie lautet:


Wer eine Position ohne Macht innehat, sprich wer keinen oder nur geringen Einfluss ausüben kann, der bringt auch schlechtere Leistung. 

Interessant für Systemiker ist: 

Dieses Ergebnis ist nicht die Folge dessen, dass sich die Betroffenen weniger anstrengen oder weniger talentiert oder intelligent sind. Auch klar ausgeschlossen waren mangelhafte Motivation oder Engagement. Tatsächlich waren Menschen auf den unteren Positionen genau so motiviert oder strengten sich genau so an, wie die oberen Regionen.

Der einzige Unterschied war: 

Die durch Erfahrung abgesicherte Überzeugung, wenig oder viel bewegen zu können.
Die Ursache liegt also nicht in der Person. Der Grund ist die Positionierung der Person im Gesamtsystem!

Werden wir ein wenig konkreter. 

Im Experiment wurden die Teilnehmer informiert, an welcher hierarchischen Position sie stehen: weiter oben, mit Macht und Einfluss oder auf den unteren Sprossen der Karriereleiter.
Wie schon gesagt, die Fehlerquote erhöhte sich an den unteren Positionen viel mehr als dort, wo die Menschen davon ausgingen, dass sie Macht besäßen.

Der gleiche Effekt trat auf, wenn die Teilnehmer nicht explitzit über ihre Position informiert waren, sondern nur im konkreten Miteinander implizite Hinweise mitbekamen, die Rückschlüsse auf ihre Position zuließen.

Das heißt, es handelt sich hier nicht um eine self fulfilling prophesy, sondern es lag wirklich an der Position im System. 

Wem vor Augen geführt wird, dass er keine Macht hat, erlebt seine Umwelt als unkontrollierbar. Das erzeugt Angst. Angst fördert defensives Verhalten und erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit, so die Forscher. Hier ihr Ergebnis:
Unsere Forschung zeigt, warum Hierarchien in modernen Gesellschaften so stabil sind. Gerät jemand in eine machtlose Position, verändert er sich offensichtlich so, dass er in der Position verharrt.

 

Konkret heißt das: die Startposition legt die Weichen für die Karriereleiter. Wer unten anfängt, für den ist der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär nicht wahrscheinlich.

Ebenso interessant ist:


“Menschen in unteren Positionen, die glauben, sie hätten einen guten Chef, dem sie vertrauen könnten, zeigen keine Defizite”

 

Was bedeutet, dass echtes erlebtes Vertrauen zu einem Menschen, der dieses Vertrauen auch rechtfertigt, einen Teil der dysfunktionalen Positionierung kompensieren kann.

Allerdings heißt es auch, dass Selbstvertrauen alleine nicht reicht. Neben dem Selbstvertrauen muss uns jemand auch etwas zutrauen.

Was deprimierend erscheint, ist die Tatsache, dass nach dieser Studie derjenige, der unten ist, auch unten bleiben wird. Die soziale Positionierung zeigt sich als äußerst stark. Allerdings bedeutet das für Führungskräfte auch eine klare Leitlinie:

Wer Fehlerwahrscheinlichkeit minimieren will, muss den Mitarbeitern Spielräume und Gestaltungsmöglichkeiten geben und damit das Gefühl der geringen Einflussmöglichkeiten so klein wie möglich halten.

 

Methoden dazu gibt es zu Hauf, in jedem Beruf und bei jeder Tätigkeit. Es ist einfach eine Frage der Organisation.


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