13. Juli 2013

Anti-Stress-Verordnung aus der Politik - nicht weit genug gedacht?

A Anti-Stress Area
A Anti-Stress Area (Photo credit: MTSOfan)
52 Millionen Fehltage waren es 2011. Ursache: eine psychische Diagnose. Jetzt mag man sich einmal ausrechnen - mit einem Durchschnittsgehalt für Deutschland plus entgangener Leistung plus Behandlungskosten - was das für eine Volkswirtschaft kostet. Man landet irgendwo im zweistelligen Milliardenbereich. Genauer gesagt über 43 Milliarden Euro, so sind jedenfalls die Schätzungen der Länder.

Gut, dass jemand erkennt, 

... dass die Psyche ebenso wichtig ist wie der Körper. Diese Gesellschaft lebt meines Erachtens schon viel zu lange in dem Irrglauben, dass, was man nicht sehen kann, entweder nicht so schlimm sein kann oder ein Stück simuliert ist.
Wem physischer Schaden anzusehen ist, dem ist halt ein Widerfahrnis passiert, wer psychisch beeinträchtigt wird, ist immer irgendwie auch mit Schuld.




Es wird Zeit, dass diese Denkweise von gestern langsam abgebaut wird. Wir leben schließlich im 21. Jahrhundert.
 
Allerdings: was in dieser Initiative so drinsteht, ... Arbeitszeit und Freizeit genau abgrenzen (besonders bei mobilen Einsatz), Rufbereitschaft zu begrenzen, Zeitausgleich möglichst bald nehmen ... das gibt es ja bereits. Sowohl als Forderung als auch als zum Teil in Regelungen umgesetzt.
 

Das Problem ist, 

... dass diese Dinge nicht eingehalten werden. Kleiner Tipp: Freunden Sie sich mal mit Ärzten an, die auf Station im Klinikum Dienst tun und lassen Sie sich deren Alltag schildern. In der EU gilt Rufbereitschaft als Arbeitszeit. Wie viele Ärzte werden Sie wohl kennen lernen, die sich den anfallenden Zeitausgleich auch nehmen können?
 
Zugegeben, ich haben den Vorschlag der Initiative nur überflogen, und das auch noch aus sehr großer Flughöhe. Aber von meiner Erfahrung aus, wird psychischen Dauerstress (und nur der ist der große Schädling hierbei) verursacht durch so Dinge wie:

  • monotone Tätigkeiten
  • kontinuierliche Leistungsverdichtung durch immer mehr Aufgaben auf immer weniger  Schultern
  • unkollegiales Verhalten
  • Führungsfehler 
  • mangelhafte Kommunikation
  • keine Orientierung, an denen sich Mitarbeiter halten können
  • mangelhafte Wertschätzung, gepaart mit der Einstellung "nix gsagt is globt gnug!"
Die Gretchenfrage ist: Wie lässt sich so etwas durch Gesetz regeln?
Es ist vielmehr eine Frage unserer Arbeitskultur! Kultur lässt sich aber nicht per Gesetz regeln.
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Kommentare :

  1. Anonym20.7.13

    Professor Achim Peters schreibt in seinem Buch „Mythos Übergewicht“, dass jeder so viel isst, wie er braucht, nicht mehr. Die aktuelle Forschung zeige, dass der Energiebedarf des Gehirns sehr unterschiedlich sein kann. Der Hunger des Hirns nach Treibstoff steigt immer dann stark an, wenn das Stresssystem hochaktiv ist. Denn die Energieversorgung des Gehirns und das Stresssystem sind eng verknüpft. Der Mediziner in einem Exklusiv-Interwies in TV Hören und Sehen vom 19.07.2013: Dauerhafter Stress ist immer ursächlich im Spiel, wenn Menschen dicker werden. Es wäre aber falsch anzunehmen, dass die Gewichtszunahme ein Symptom einer Stresserkrankung ist. Genau das Gegenteil ist der Fall – dicker zu werden ist bereits ein Teil der Lösung des Problems. Es ist Ausdruck einer Strategie des Gehirns, sich vor den negativen Auswirkungen von Stresshormonen zu schützen. Denn diese hochwirksamen Stoffe können in unserem Körper auf Dauer große Schäden anrichten. Zunächst geht es darum, dass sich das Gehirn von Menschen, die in stressvoller Umgebung leben, anpassen kann. Das gelingt, indem das Gehirn das Stresssystem dämpft. Diese Dämpfung verändert aber den Energiestoffwechsel im Körper. Vereinfacht ausgedrückt: Das Gehirn benötigt jetzt eine höhere Energiezufuhr von außen – es verlangt nach mehr Nahrung. Dicker zu werden ist also eine Art Nebenwirkung, wenn unser Gehirn toxischem Stress entgegenwirkt. Auf die Frage, wie viel gestresste Menschen es in unserer Gesellschaft gibt, nennt Peters die geschätzte Zahl von 80%. Was diesen toxischen Stress auslöst? In der Hauptsache geht es dabei um Konflikte im zwischenmenschlichen Bereich, die sich als dauerhaft erweisen, nicht oder nur schwer lösbar sind. Als Beispiele hierfür nennt er: Instabile Familienverhältnisse oder Missachtung innerhalb der Partnerschaft, eine langwierige und destruktive Trennungsphase, schwierige Arbeitsbedingungen, gekoppelt mit Angst vor Jobverlust, ein alleinerziehendes Elternteil, das sich in dem Konflikt zwischen Kinderbetreuung und der Notwendigkeit, Geld zu verdienen, befindet. Mobbing am Arbeitsplatz. Eine schwere psychische Erkrankung in der Familie oder ein Angehöriger, der ein Pflegefall ist und in der Familie betreut wird. Die Liste ist lang. Und immer öfters beginnt sie bereits in der Kindheit.

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  2. Anonym22.7.13

    Immer mehr dicke Kinder in Deutschland

    Kinder werden eingepasst in die Bedürfnisse der Erwachsenenwelt. Das war wahrscheinlich schon immer so und ist es auch heute noch. Es gibt typische Erscheinungsformen, wie sie aktuell in die von uns Erwachsenen gewünschte `Ordnung´ und `Sicherheit´ eingepasst werden. Deren problematische Anteile will ich benennen, weil sie Mitursache dafür sind, warum Kinder in Deutschland immer dicker werden. Im vorgenannten Kommentar wurde ein sehr wichtiger, bisher zu wenig beachteter Faktor erläutert: Stress.
    Andere Faktoren sind in meinen Augen das Hinwegsehen über kindlich autonome Erfahrungs- und Bewegungsbedürfnisse, die oft genug im Interesse der "Aufgeräumtheit" (Ordnung und Sicherheit) und also der Unauffälligkeit und des Fortkommens der Kinder sogar mit Beruhigungsmitteln gestützt wird (siehe sog. ADHS-Kinder). Ein Phänomen, das von Ärzten und Lehrern mit Besorgnis beobachtet wird, nicht nur weil es sich nachteilig auf die körperliche Entwicklung der Kinder auswirkt sondern weil es auch einem späteren Suchtmittel- und Drogenkonsum Vorschub leistet (Lernerfahrung: vordergründige Problemlösung durch Konsum fremder Substanzen). Ernährungsprobleme durch ein Überangebot der in den Industrieprodukten vielfach versteckten Zucker muss man mittlerweile wohl hier hinzu zählen. Kinder erscheinen auch allzu vordergründig häuslich sicher, wenn sie ihre Welterfahrungen eher vermittels Nutzung eines Überangebots von Medienkonsum machen, statt dass sie direkt ihre Bedürfnisse geltend machen können. Auch dies fördert m.E. eher nicht den selbstaktiven, direkten Umgang mit dem Leben, und also den Erwerbe einer Lebenskompetenz, wie wir ihn uns von dem später vielleicht hoch gebildeten Teamplayer in der hoch technisierten Leistungsgesellschaft wünschen mögen. Sondern es dient wohl eher die Herausbildung eines braven, leicht von außen steuerbaren, mehrfach in Abhängigkeiten verbleibenden Konsumenten.

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