17. März 2013

Kranke Mitarbeiter und ungünstige Strategien

"Gesundheit", Relief von Guido Messe...
"Gesundheit", Relief von Guido Messer am Behördenzentrum in Esslingen, 1984/87 (Photo credit: Wikipedia Creative Commons CC0 1.0 )
Gesundheit ist ein wichtiges Gut. Sowohl für den Einzelnen, als auch für Unternehmen. 2011 fehlten zum Beispiel rund 3,8 Prozent der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen.  Schätzungen der diesbezüglichen Kosten belaufen sich auf ungefähr 130 Milliarden Euro.

Nicht so oft Eingang in die Presse findet dagegen eine Erfahrung, die man als Praxisinhaber macht: Mitarbeiter schleppen sich aus Angst, den Job zu verlieren oder aus Loyalität oder aus einem Unabkömmlichkeitsgefühl heraus krank in die Arbeit. Die Folgen sind noch gravierender.



Die Consulting Company Booz & Company schätzt, dass die Schäden, die Mitarbeiter verursachen, wenn sie krank zur Arbeit gehen auf mindestens 225 Milliarden Euro. Pro Jahr! Doppelt so viel an Kosten!
Nicht mitgerechnet ist die erhöhte Fehlerquote, wenn jemand mit Fieber am Arbeitsplatz "herumwerkelt". Ebenso ist die Unfallquote nicht mitgerechnet.

Ein eindeutiges Fazit:

Krankheit treibt die Kosten in die Höhe. Wer krank zu Hause ist, verursacht Kosten, wer krank zur Arbeit geht, verursacht höhere Kosten.
Am besten, man wird nicht krank. Das kommt nicht von alleine. Dafür müssen aber Beschäftigte plus Vorgesetzte etwas tun.

Betriebswirtschaftlich ist die Sache durchkalkuliert: 

Ein Euro, investiert in eine gutes Gesundheitsmanagement, bring zwischen fünf und sechzehn Euro Ertrag.

Es wäre also eine sinnvolle Investition. Trotzdem scheint es sich noch nicht flächendeckend herumgesprochen zu haben. Was mir auch erzählt wird: Wenn sich Leute krank in die Arbeit schleppen, fängt das Unternehmen an, diejenigen, die krankgeschrieben zu Hause blieben, zu überprüfen. Das macht alles nur noch schwieriger, denn es zerstört Vertrauen.

Unser Krankheitsbild

Es gilt immer noch die Devise: Wenn man es jemand nicht ansieht, dann ist er auch nicht krank. Damit haben die Leute einen riesigen blinden Fleck: den der psychischen Erkrankungen.

Da war zum Beispiel dieser zehnjährigen Jungen mit Depressionsdiagnose. Eine Psychiaterin hatte bei ihm suizidale Tendenzen festgestellt, nicht so ernsthaft, dass er stationär behandelt werden musste, aber zu Spaßen ist damit nie. Da so etwas ja nie einfach "von Himmel fällt", frage ich mich bei so etwas immer, wie krank denn eine Gesellschaft wirklich schon ist, in der Zehnjährige den Wunsch haben, nicht mehr zu leben.
Der Schuldirekter sagte mir jedenfalls entrüstet, einige Nachbarn hätten seinen Lehrern erzählt, der Junge sei eines Tages am Nachmittag draußen gewesen. Daraus folgerte er: Der Junge simuliert doch nur, der sei doch gar nicht krank.
Und das meinte er ernst!

Dass "rausgehen" gegen Depression hilft und es von vielen Therapeuten deshalb empfohlen wird (außerdem ist man als Therapeut froh, wenn der Patient das überhaupt kann), wusste er nicht, und als ich ihn aufklärte, schaute er mich an als würde ich Dr. Mabuse für einen seriösen Arzt halten.
Ich wundere mich immer noch, wie wenig die Menschen über die Psyche wissen. Mann, der Bursche war Schuldirektor und Pädagoge!

Während der letzten zehn Jahre haben psychische Erkrankungen stetig  zugenommen. Inzwischen stehen sie an dritter Stelle aller Krankschreibungen. Depression, stressinduzierte Störungen und burnout gehören inzwischen zu den "Top 10". Ein bittere Statistik. Um so mehr wundert es mich, dass viele Leute nichts Genaues über die Gesetze ihre eigenen Psyche wissen. Sie wissen oft mehr über ihr Auto oder über die Bundesliga.

Ein Gesundheitsmanagement, das nichts kostet

Es gibt eine sehr kostengünstige Prävention für Firmen. Trotzdem erzählen mir meine Klienten, dass sie kaum eingesetzt wird. Dabei ist ihre Effektivität nachgewiesen, sie funktioniert überall, man braucht dazu kein neues Personal, denn jeder kann sie lernen und sofort einsetzen. Ihr Name lautet: Wertschätzung.

Wertschätzung wirkt motivierend, fördert die Kooperation, steigert die Produktivität und stabilisiert sogar das Immunsystem. Mitarbeiter sind weniger krank. Außerdem beugt es der inneren Kündigung vor.  Und noch etwas: Sie kostet keinen Euro.
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