10. Juni 2012

Immer mehr psychische Probleme - warum manche auf keinen grünen Zweig kommen

Psychische Erkrankungen verursachen immer mehr Krankschreibungen. 2010 waren es 53,5 Millionen Krankentage - vor zehn Jahren waren es noch 33,6 Millionen. Von allen Tagen, in denen Deutsche krank wurden, wuchs der Anteil derer, die durch psychische Störungen verursacht wurde, von 6,6 auf 13,1 Prozent. Und es wird nicht besser!
Besonders Menschen im Gesundheitswesen sowie in Sozial- und Erziehungsberufen scheinen in Gefahr zu sein, psychisch zu erkranken.Warum ist das so? Vorweg gesagt: Ich habe keine Ähnung. Aber was mir auffällt:
Kaum jemand weiß Bescheid über die vielen Arten, wie man mit belastenden Emotionen gut umgehen kann. Nur wenige wissen, dass man diesen Gefühlen natürlich nicht ausgeliefert ist, sondern dass diese gestaltbar sind. Wir kennen die Dinge, mit denen so etwas geht.

Allerdings: Kaum jemand scheint von seinen Eltern das nötige Wissen und Rüstzeug mitbekommen zu haben. Kein Wunder, wenn man sich in Krisenzeiten ausgeliefert fühlt. Eine Krise ist eh schn kein Honigschlecken. Wenn man dann aber nur wenig mitgekommen hat, wie man mit der einhergehenden emotionalen Belastung umgehen kann, hat man es oft doppelt schwer. "Gefühle hat man halt einfach", sagte mir vor kurzem jemand.
Angesichts des Wissens, das uns heute zur Verfügung steht, ist das nüchtern betrachtet doch erstaunlich. Manchmal habe ich den Eindruck, die Menschen wissen besser über das Innenleben von Autos Bescheid als über ihr eigenes. Besonders auffällig ist es, wenn die Leute im Sozial- und Erziehungswesen tätig sind. Gerade dort sollte man doch Bescheid wissen!

Wir haben Einfluss darauf, wie wir die Dinge erleben. Unabhängig, was wir erleben. Das scheint aber bei manchen eine problematische Erkenntnis zu sein. Sie scheinen sich sogar düpiert zu fühlen, wenn sie erfahren, dass ihre Gefühlslage kein Schicksal ist. Als ob sie mit der Möglichkeit, die Situation zum Besseren verändern zu können, irgendetwas Wichtiges verlieren würden. Als ob die Belastung einem eine gewisse Besonderheit zu verleihen scheint, und die wieder verloren gehen würde, wenn die Schwierigkeiten verschwinden würden. Sehr sehr seltsam!
Allerdings weiß ich, dass manche Dinge Zeit brauchen und dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. 

Woran unterscheiden sich aber jetzt die Menschen, die einfach Zeit brauchen von denen, die sich an ihre Situation klammern?
Es gibt Menschen, die machen unglaublich viel. Aber es verändert sich nichts. Es gibt Menschen, die springen von Therapeut zu Therapeut, es gibt Menschen, die erzählen sofort und nach ganz kurzer Kennenlernphase, was ihnen passiert ist und wie schlimm es ist. Und das tun sie seit Jahren. Und nichts hilft. Leider - und ich wünschte, es wäre anders - liegt das weder an den etablierten Methoden, noch an den Fachkundigen, die sie aufsuchen. Denn die therapeutischen Methoden sind erprobt und sie wirken. Auch die Fachleute verstehen, was sie tun.

Allerdings gibt es einen Haken: Man muss die Medizin, die man bekommt auch wirklich schlucken. Und man hat dabei keinen Anspruch darauf, dass diese Medizin süß schmeckt. Zuweilen braucht es bittere Pillen, damit es insgesamt besser wird.
Unterhalten Sie sich einmal mit Chemopatienten. Was die durch diese Behandlung auf sich nehmen, ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Aber es geht nicht anders.
So ist es auch bei manchen psychischen Beschwerden. Sie emüssen bereit sein, auch Bitteres zu schlucken, um gesnd zu werden. Auch wenn es Ihnen nicht gefällt. Und genau das macht wirklich einen Unterschied, ob es in Zukunft besser wird oder nicht.

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