24. Juli 2016

München Amoklauf und manipulative Kommunikation

Nun hat es also auch meine Stadt erwischt: Schüsse, ein Amokläufer, Tote. Ich war zum Zeitpunkt der Schiesserei längst weg und habe es durch die sozialen Medien erfahren. Und geriet mitten in die manipulative Kommunikationsart der Verschwörungstheoretiker. Wie man sich gegen Manipulation wehrt, hier der post.

Manipulative Kommunikation und ihre Eigenheiten

Wie sehr das Leben von nicht wenigen Leute mit sehr viel Zeit vor Bildschirmen durch Vorurteile geprägt ist, zeigte die Reaktionen all derer, die in den sozialen Medien „Islam“, „Terror“ und dass „Merkel an allem Schuld ist“, brüllten. Auch dass natürlich die Presse wieder Dinge unterschlägt, eben weil sie nicht über den Zusammenhang "Schiesserei-München- islamischer Terror" berichtet, war dabei.

Natürlich hatten alle solche postings mehrere Dinge gemeinsam:

  1. Sie "verkauften“ ihre Fakten, obwohl es noch keine gesicherten Fakten gab
  2. Wenn man dagegen hielt, untermauerten diese Leute ihre „Fakten" mit Beleidigungen
  3. Über Opfer wurden wenig Worte verloren, nur wenn es dem eigenen „Verkauf“ diente

Manipulation und Realität

Das alles passierte ohne eine Bezug zur Realität. Eine deutlichere Erscheinungsweise von Verblendung gibt es wohl nicht.

Im Zen ist moha / Verblendung eine der drei Geistesgifte, die den Nährboden für alle schlechten Verhaltensweisen, Denkmuster, Emotionen und Kommunikationsarten bilden.
In der Psychologie sagen wir, dass Weltanschauungen eine Art Formatierung dafür bilden, wie wir mit uns, mit anderen, mit unserer Umwelt umgehen.


Bin ich zum Beispiel der Meinung, dass alles schlecht ist, dass jeder mich nur ausnutzen will, dass ich nur von Lügnern umgeben bin, dann werde ich mich entsprechend verhalten.

Auf Twitter wurde ich zum Beispiel aufgefordert, Merkel zum Teufel zu jagen und für die Bewaffnung eines jeden Bürgers mich zu engagieren. Denn nur so könne man solche verrückten Terrorattentäter wirksam begegnen.


Der Umgang mit solchen Standpunkte

Solche Verblendungen sind verbal nicht auflösbar. Schliesslich ist es für sie charakteristisch, dass sie keine andersartige Meinung als gleichwertig zulassen. Was aber machbar ist, ist: Ideologien manipulativ zu unterwandern.


Damit klar ist, in der therapeutischen Arbeit, im Coaching widerspricht Manipulation der Berufsethik. Im politischen Diskurs findet sie oft statt. Wie geht das?


Manipulative Kommunikation ist ein Kunst für sich

Zum Thema „Presse verschweigt wieder mal was“, hielt mir gestern per link einen Zeitungsartikel unter die Nase, der genau dies zum Inhalt hatte. Ich konterte mit einer Antwort, die folgende Struktur aufwies:
  1. Sehr interessant, danke
  2. Ah, das stammt aus der Zeitung xy
  3. Das ist doch die Zeitung, in der man auch über Entführungen durch Ausserirdische lesen kann, richtig?

Das Beispiel ist ziemlich simpel, will jedoch folgendes klar machen:

Anstatt mit Gegenrede zu kommen, bestätigt manipulative Kommunikation das Gegenüber und fügt dessen Weltsicht noch ein paar Informationen hinzu. Diese sind zwar an seiner Weltsicht andockbar, haben jedoch den Charakter, dass sie auf die Absurdität dieser Weltsicht hindeuten:

  1. Schritt: Freude und Dankbarkeit für die Information, die Augen öffnet (Bestätigung des Weltbilds)
  2. Schritt: Vertiefung der Bestätigung, um Zustimmung zu erhalten. Die genannte Tatsache (das ist doch die Zeitung xy) ist dabei an die Weltsicht des Gegenüber andockbar.
  3. Schritt: Die neue Info hinzufügen, die die genannte Ideologie / These in die Absurdität führt: "Das ist doch die Zeitung, in der man auch über Entführungen durch Ausserirdische lesen kann, richtig?“

Am Ende das Fragezeichen zeigt, dass hier noch immer nicht auf Konfrontation gegangen wird. Vielmehr bringt es das Gegenüber in eine ausweglose Situation:

  1. Wenn er nun zustimmt, bestätigt er damit gleichzeitig, dass er seine Meinung aus eine Quelle hat, die sich lächerlich macht
  2. Wenn er leugnet, widerspricht er den Fakten über die Quelle und schiesst sich selbst in die Unglaubwürdigkeit

Wohl gemerkt, seine Ideologie wird nicht angegriffen, ihr wird das Fundament weggenommen. So geht manipulative Kommunikation.

Kommentar

Natürlich ändern solche Leute dadurch nicht ihre Weltsicht. Das ist auch nicht der Sinn dieser Kommunikation. Ziel ist vielmehr, anderen Zuhörern zu zeigen, dass das Gegenüber nichts Haltbares in der Hand hat.



Manipulative Kommunikation ist deshalb so erfolgreich, weil sie, ist sie gut gemacht, Leuten, die nicht gut geschult sind, nicht ins Auge fällt. Wenn man aber weiss, worauf man achten muss, ist es gar nicht mehr so schwer. Und das "Lustige" daran ist: Es ist unwichtig, welche Fakten hinsichtlich des Streitgegenstandes tatsächlich vorliegen.

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