11. November 2020

Wie Sie der Depression die Macht entziehen

Depression fällt nicht vom Himmel. Sie entwickelt sich. Das Meiste davon läuft unterschwellig, das heißt, wir bekommen es erst mit, wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten ist.
Doch wie bei jedem Phänomen gibt es auch bei der Depression Dinge, die es mehr am Leben erhalten und anderes, was es abschwächt. Wenn wir um diese Mechanismen wissen, können wir ihm die Kraft entziehen. Deshalb hier die wichtigsten Inhalte.

Was Depression festigt

1. Die Hoffnung auf Anerkennung wegen der eigenen Hilfsbereitschaft

Es ist die Hoffnung oder Einstellung, dass man durch die Hinwendung und durch die Orientierung an den Bedürfnissen und Wünschen der anderen Liebe und Anerkennung bekommt, die ein gutes Mittel ist, um eine Depression zu bekommen.

2. Der Verzicht und das Opferdasein

Auf eigene Bedürfnisse zu verzichten, den anderen den Vorrang zu geben und dafür als Gegenleistung für das eigene Leben Sicherheit zu bekommen,  ... das war lange Zeit ein Leitmotiv in der Gesellschaft, besonders Frauen und Christen haben das vor sich hergetragen (bekommen) und für sich akzeptiert. Tatsächlich ist es ein gutes Mittel, um krank zu werden.

3. Die Hoffnung auf eine Lösung von außen

Die Hoffnung, dass andere Menschen sich ändern werden und dass damit alles zum Besseren sich wendet ... eine solche Einstellung stützt die Depression, denn
  1. Es richten sich Menschen nicht so häufig nach einem (sie sind auch nicht auf der Welt, um die Wünsche anderer zu erfüllen)
  2. Es wird nicht besser, wenn die anderen sich ändern, sondern dadurch festigt man nur die eigene Abhängigkeit von ihnen.
Für Beziehungen gibt es hier noch zwei "Unter-Hoffnungen", die ebenfalls krank machen:

3.1 Die Hoffnung, es selber hinzukriegen

Zu meinen, dass man die Enttäuschung über Beziehungen durch eigenen Einsatz und eigene Bemühen zum Verschwinden bringen kann, ist trügerisch. Denn nichts wird verschwinden! Nie! Was aber möglich ist - und das sehr gut! - ist, mit Enttäuschungen gut umgehen, dass sie ihre Kraft verlieren. Dazu ist aber etwas anderes notwendig als Beziehungsarbeit.

3.2 Die Beziehungs-Illusion

Früher, als ich noch studiert hatte, hörte man im Bekannten- und Freundeskreis (meist) von den Ehefrauen die Einstellung: "Wenn du mich wirklich lieben würdest, wüsstest du, was ich brauche".
Den Satz hört man zum Glück heute eher selten, denn er ist schlichtweg dumm und falsch. Liebe verleiht keine hellseherischen Fähigkeiten und wird es nie tun. Die Meinung, der andere wird schon noch erkennen, was man braucht und es einem dann geben, ist so illusorisch wie die Erwartung, eines Tages klingelt es und ein pinkfarbenes Einhorn steht vor der Tür und läd einen auf eine Teeparty mit Alice und dem Hutmacher ein.

4. Die Hoffnung auf Aufwertung der eigenen Person

Der Wunsch, dass andere Menschen einem den eigenen Wert bestätigen, sitzt seit der Kindheit in vielen von uns. Leider gilt hier das selbe wie bei der obigen Hoffnung auf eine Lösung von außen. Es bedeutet prinzipiell unselbstständige Abhängigkeit und unselbstständige Abhängigkeit macht krank. Es gibt übrigens Kulturen, da ist dieser Bestätigungsdrang nicht so verbreitet.

Hoffnung ist keine Tugend

Dass ich gegen die Hoffnung bin, mag verwundern, aber diese Einstellung ist der Professionalität geschuldet. Ich bin für Lösungen zuständig, nicht für Illusionen. Und Hoffnung hat im richtigen Leben - und außerhalb der romantischen Literatur und Spielfilmen - nur einen einzigen Träger:

Denjenigen, der nichts tun kann.




Hoffnung setzt Ohnmächtigkeit voraus. Hoffen kann man nur auf etwas, das außerhalb der eigenen Macht ist. Sie können hoffen, daß abends die Kühe von der Weide kommen, das heißt nicht, daß sie kommen. Hoffen können Sie dann, bis Sie vom Fleisch fallen. Ob die Kühe kommen oder nicht, darauf zu hoffen trägt nichts zum Geschehen bei. Also genau das, was eh schon im Krankheitsbild der Depression vorhanden sind. Deshalb ist Hoffnung kontraproduktiv.

In einem Roman habe ich einmal ein gutes Zitat gelesen:
"Those who await no gifts from chance, conquer fate"
Diejenigen, die vom Glück keine Geschenke erwarten, besiegen das Schicksal.


 

 Das wäre die bessere Alternative.

P.S.: Wie sich Depression anfühlt, habe ich in jenem post umschrieben. Neben der guten Beschreibung von David Faster Wallace enthält der post bereits eine Grundeinstellung, die wichtig ist, um mit Depression gut klar zu kommen.

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