19. Mai 2013

Die Frau, über die niemand gerne spricht - ich hab sie getroffen

Dieser post rührt an ein Tabu. Ich fürchte, er regt vor allem Frauen auf. Einerseits, weil es hauptsächlich über Frauen geht, andererseits, weil es ein Phänomen beleuchtet, dessen Existenz gerne geleugnet wird. Und das mit sehr viel Tugendfuror, wie Joachim Glauck wohl formulieren würde.
Sei´s drum.
Es geht um "golddigger". 

Golddigger sind überwiegend Frauen. Im angloamerikanischen Sprachgebrauch nennt man sie auch leech (Blutsauger) oder sponge (Schmarotzer). Eine davon habe ich getroffen.

Den golddigger traf ich auf einer Veranstaltung zum Thema Scheidung. Zu so einer Veranstaltung geht man nur, wenn man in folgenden drei Lebenssituationen steckt:
  1. Man steht selber vor einer Scheidung.
  2. Man begleitet seinen neuen Partner, der / die gerade im Trennungsjahr lebt.
  3. Man ist Veranstalter oder Vortragender.
Ich gehörte zu Gruppe 3, der golddigger zur Gruppe 1. Sie war mittelgroß, ungefähr 35 Jahre, trug schulterlange Haare und einen grauen Hosenanzug. Im Schlepptau ein Mann, wohl situiert, älter als sie. Im Gespräch blieb er immer einen Schritt hinter ihr, zeigte sich zurückhaltend fachlich interessiert.

Einen golddigger erkennt man an der Einstellung

Ein typisches Päarchen, die beiden: sie in Trennung lebend, er ihr neuer Partner. Nichts Auffälliges dabei. Doch einen golddigger erkennt man erst an der Einstellung.
Bei ihr war es die Frage an einen Rechtsanwalt, ob denn ihr Ex von ihr erwarten könne, dass sie jetzt, wenn sie geschieden wird, wieder arbeiten gehen solle.


In diesem Fall - jung, gut ausgebildet, keine Kinder, keine Krankheit - war für den Anwalt kein Umstand ersichtlich, warum sie nicht Vollzeit zu arbeiten hätte. So die Rechtslage. Der Rechtsanwalt fragte trotzdem nach, ob sie denn vielleicht in ihrem alten Job keine Anstellung finden würde.

Ihre Antwort war:


“Nein, ich bin Beamtin, ich könnte jederzeit wieder anfangen.”

Worauf der Anwalt etwas verwundert fragte, warum sie das denn nicht täte. Und die Antwort, die jetzt kam, war typisch für einen golddigger:

“Ich bin davon ausgegangen, dass ich mein Leben lang versorgt werde!”


Golddigger nennt man weltweit Frauen, 

die ausschließlich an Männern mit Geld interessiert sind und davon besonders an den Gütern, die dieser Mann ihnen geben wird. Ein golddigger sucht ihren persönlichen Goldesel und der ist männlich.
Oft kommt diese weibliche Existenzform in ärmeren Ländern vor. Es handelte sich meist um Frauen, die diese Art Lebensstil praktizieren, weil sie selbst keine anderen Mittel zur Verfügung haben, sich selbst und ihre Angehörigen durchzubringen.
Oder um Frauen, die der Einsatz von Körper und die Aussicht auf das schnelle Geld ein einfacherer Weg erscheint, als eine jahrelange Ausbildung mit anschließendem Bewerbemarathon.

Wie auch immer, beide Typen haben gelernt, ihre äußere Erscheinung einzusetzen, um zu bekommen, was sie wollen.

Vielleicht hat es angefangen,

als sie noch in ihren pre-teen-Jahren war: Als sie von älteren Männern Komplimente und kleine Geschenke bekam. Sie lernte, wie sie sich benehmen musste, so dass die Geschenke öfters kamen oder dass sie mehr bekam, wenn man sie mehr mochte.

Ein Teenage-Mädchen, das körperlich früh entwickelt ist, zieht die Blicke auf sich - von Jungs und … von älteren Männern. Das hebt sie heraus aus der Masse ihrer Altersgenossinnen. Sie gewinnt neben den materiellen Dingen gleichzeitiges soziales Ansehen. Natürlich fühlt sie sich auch geschmeichelt und genießt das bewusst oder unbewusst. Völlig normal so weit.

Der Plan ...

Ohne ein gutes weibliches Rollenvorbild kann sich in ihr die Idee festsetzen, dass ihr Körper ein Kapital ist, um weiter zu kommen. Sexualität und Aussehen erweisen sich für sie als Möglichkeit, aus der depressiven Enge und dem festgefahrenen Leben ihres Heimatortes zu entkommen - hinein ins luxuriöse Penthaus eines reichen und spendablen Mannes - versorgt für alle Zeit und Ewigkeit. Denn schließlich - so die dahinter stehende Überzeugung - könne jeder Mann stolz sein, so eine junge, gut aussehende, sexy Frau wie sie im Arm zu halten, während er in seinem Porsche übers Land jettet. So die Denkweise, so der Plan.

... und die Realität

Nicht immer geht der Plan auf. Statt mit einem Millionär starten viele dieser Frauen erstmal mit einem naiven Burschen, der einen guten Job hat, ein eigenes Dach über den Kopf und der gewillt ist, sie gut zu behandeln und für sie zu sorgen. Solange er ihre Wünsche erfüllt … alles ok. Er ist ein guter Mann.
Andere versuchen ihr Glück in Clubs und Bars, sind sexuell bereit für jeden, der willig ist, ihnen Zeit und Geld zu widmen. Eine plötzliche Schwangerschaft, ein geborenes Kind, kann die Unterstützung dann auf weitere Jahre hinaus sichern. Tut mir Leid, wenn jetzt jemand empört ist, aber ich habe es gesehen … öfters als mir lieb ist: in USA, Mexiko, in Thailand, Kambodscha, Vietnam, und in vielen anderen Ländern. Auch hier.

Machen wir uns nichts vor: Nicht nur Kleider machen Leute, cash flow, Autos und Immobilien tun es auch. Ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaft da so sehr viel anders tickt als andere. Wäre es anders, gäbe es das Phänomen nicht.

Golddigger sind geschickt darin, Männer zu taxieren. Fragen nach Beruf, Wohnort, Auto oder Freizeitaktivitäten lassen Rückschlüsse auf den Verdienst zu. Softwarentwickler, Maybachbesitzer und Golfspieler lassen ein höheres Einkommen vermuten als Krankenpfleger, Radfahrer und Kegelbruder.

Manche golddigger suchen auch nach sozialen Status. In Asien wurde ich einmal von einem älteren Lehrer vor der Möglichkeit gewarnt, dass bestimmte junge Studentinnen einem Avancen machen könnten. Einen Europäer als Freund vorweisen zu können, noch dazu einen vom Lehrpersonal, das wäre ein Statussymbol (Da ich allerdings nur einen Gaststatus innehatte, kam ich allerdings nie in die Verlegenheit. Ich stand sozial zu weit unten auf der Leiter).

Prostitution nein, Tauschgeschäft ja

Golddigger sind keine Prostituierten, aber sie sind auch nicht allzu weit weg davon. Sie tauschen Körper und Sex gegen materielle Werte.
Doch gehen golddigger durchaus eine wirkliche Beziehung ein. Es geht um persönliche Bindungen und um gegenseitige Unterstützung. Bezahlt wird nicht die sexuelle Dienstleistung, sondern jemand, “who takes care”, also jemand, der sich um einen kümmert und sich um einem sorgt. Golddigger agieren sozusagen in einer emotionalen Grauzone. Wenn es schief geht, sind die Schmerzen auch größer, als wenn es sich nur um sexuelle Dienstleistungen einer Prostituierten gehandelt hätte.

Denn oft ist es so, dass einer, in der Regel der Mann, neben dem Materiellen auch echte Gefühle investiert und überzeugt ist, eine große Liebe gefunden zu haben.
Es ist ja tatsächlich eine Beziehung mit Gefühlen wie “sich sorgen”, “sich kümmern”, auch eine mit Zukunftsplänen. Mit guten Zukunftsplänen! Das ist die Crux dabei.
Wenn dann herauskommt, dass die dominante Triebfeder für die Beziehung ihrerseits “nur” die Versorgung war, bricht mehr zusammen als nur diese Beziehung: Eine komplette Lebensperspektive geht zu Grunde. Das ist keine Kleinigkeit.

Das ist auch nicht die Dummheit der Männer, die eben selber Schuld sind, wie gerne behauptet wird. Die Männer blenden nur eine (brutale) Seite der Realität ihrer Beziehung aus. Und sie tun dies aus Zuneigung, nicht aus Dummheit.

In Wirklichkeit impliziert eine Beziehung immer eine Art Tauschgeschäft. 

“Gibst du mir das, geb ich dir das.” Zyniker würden jetzt von einem geschäftlichen Tausch zum gegenseitigen Nutzen reden. Wir haben es uns nur abgewöhnt, so zu denken, aber machen wir uns sich nichts vor: Diese Dimension steckt in jeder Liebesbeziehung.

Viele Scheidungen heutzutage werden eingereicht, weil bestimmte -  emotionale - Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Sprich: "Ich habe in der Beziehung nicht bekommen, was ich brauchte." "Bekommen", "brauchen", das weist auf "geben und nehmen" hin. Und was ist "geben und nehmen" anderes als eine Art Tauschgeschäft!
Das gilt für Asien, für den Orient, für Europa, für Deutschland, für uns alle.

Diese Erkenntnis ist bitter. Viele versuchen, sie zu leugnen, so lange sie es können. Einige kommen lange damit durch.
Zuweilen aber zeigt einem das Leben, was es von Idealen hält. In der eigenen Biographie, manchmal im Leben der eigenen Kinder. Das Erwachen ist immer gleich schmerzlich. Selber zu leiden oder die eigenen Kinder leiden zu sehen, ist alles andere als lustig.

Golddigger sind die Meister unter den Beziehungshandwerkern.

Natürlich gibt es auch Paare, die in guten und schlechten Zeiten zusammenhalten. Genau so natürlich, wie es eben golddigger gibt. Doch machen Sie sich nichts vor: golddigger sind gut darin, meist besser als andere Frauen, einem Mann das Gefühl von Liebe, Zuneigung und Fürsorge zu geben. Golddigger sind die Meister unter den Beziehungshandwerkern.

Der Lebensstil eines golddiggers ist risikoreich. 

Wie bei anderen “Berufen” gibt es auch hier Erfolgsstorys:
„Nach drei Scheidungen muss es sich eine Frau einfach leisten können, einen Porsche zu fahren. Sonst hat sie was falsch gemacht.“ (Gaby Hauptmann in einem Stern-Interview 1996)

Allerdings: die meisten scheitern. Sie springen von Mann zu Mann, werden mit der Zeit abgestumpft an Geist und Körper, mit immer mehr reduzierterer sexueller Genussfähigkeit.

Und mein golddigger ...?

Wie es mit dem golddigger auf meinen erwähnten Vortrag weiter ging? Ich weiß es nicht. Ich habe sie bis heute nicht wiedergesehen. Sie wird sicher einen Anwalt finden, der ihre Meinung vertritt. Man findet immer einen Anwalt, der die eigene Meinung vertritt, egal wie gut oder komisch diese ist.
Ich jedoch bin in meinem Beruf nicht für die rechtliche Dominanz von persönlichen Vorstellungen zuständig. Mir geht es um ein gelungenes Leben. Und eines weiß ich:

Ein golddigger ist unter Zeitdruck.

Spätestens ab Mitte 40 wird es eng. Wenn der Körper das Kapital ist, dann ist für den Körper das Alter das, was für das Ersparte die Inflation: Purer Wertverlust.
Vielleicht ist das für manche eine Genugtuung, eine Art verwirklichte Gerechtigkeit. Aber das stimmt nicht. Denn in Wirklichkeit trifft diese “Inflation” jeden, golddigger oder nicht. Jeder altert, jeder verliert seinen “knackigen Hintern”, irgendwann folgt der Busen der Schwerkraft und der Bauch wächst. Niemand, weder Frau noch Mann, bleibt so sexy wie er / sie es mit 20 war.

Aber es gibt für golddigger noch ein weiteres Problem. Es ist die Frage: “Wie komme ich damit klar, dass ich letztendlich keine Geborgenheit habe. Und das nicht, weil es sie für mich nicht geben würde, sondern weil ich sie nie gesucht habe.”
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