22. April 2013

Betrogen worden - was tun?

Broken Wedding Ring
Broken Wedding Ring (Photo credit: Jim Purbrick)

"Die meisten Ehen zerbrechen nicht an Untreue. Sie ist nur das Symptom, dass irgendwas nicht in Ordnung ist." - "Was du nicht sagst! Dieses Symptom vögelt gerade meine Frau."
(aus dem Film "Harry und Sally")
Betrogen worden zu sein kann tief verletzen. Die Spannbreite der einsetzenden Gefühle reicht vom blanken Entsetzen über Depression bis zu Wut und Hass. So nachvollziehbar diese Reaktionen sind, so katastrophal sind sie auch. Denn sie gießen Öl ins Feuer. Was aber ist hilfreich in dem Moment, in dem alles zusammenbricht?


Wenn ihr Partner Ihnen mitteilt, Sie betrogen zu haben ... heißt es mit dem Schock oder mit der schon geahnten und jetzt bestätigten Tatsache umzugehen.

Ein gut gemeinter Rat aus Erfahrung heraus

Auch wenn ich weiß, dass in der Situation es schwer ist, ihn zu beherzigen:
Fragen Sie nicht nach sexuellen Einzelheiten und anderen Details! Das bringt nichts. Es vergrößert nur Ihre Wut, Ihre Enttäuschung und Ihren Schmerz. Naütrlich fragt man sich: "Was hat der / die, was ich nicht habe?" Sie werden aber keine abschließende Antwort darauf finden. Es kann sogar sein, dass es Ihr Partner auch nicht weiß.

Es gibt bessere Fragen als diese

Solche Fragen sind zum Beispiel: Was heißt das für unsere Beziehung? Wie machen wir jetzt weiter? Machen wir überhaupt weiter? Es sind diese Fragen, die Raum brauchen. Sie brauchen aber auch Zeit.

Deshalb: 

Nehmen Sie sich Abstand und holen Sie sich Unterstützung. Es braucht wirklich Zeit, um diese Dinge zu verdauen. Auch die Frage, wie es weiter geht, braucht Zeit. Jeder braucht Zeit.
Denn jeder muss herausfinden, was diese Beziehung und was der / die andere einem bedeutet.

Bedenken Sie: Sie leben in einem gemeinsamen Haushalt. Sie werden Zeit mit Ihrem Partner im selben Raum verbringen. Damit umzugehen, während man gleichzeitig den Wunsch verspürt, ihm / ihr vor Wut eine "reinzuhauen", muss man erst lernen und das ist alles andere als einfach.

Was Sie besser gar nicht tun sollten:

Eine Bitte hätte ich an Sie (die Erfüllung könnte viel Schmerz ersparen):

Widerstehen Sie den Impuls, es dem Partner, der Partnerin gleichzutun, also nun ebenfalls mit jemandem fremd zu gehen, um so das Gleichgewicht wieder herzustellen. Ein "wie du mir, so ich dir" hilft in der Regel nicht weiter. Die Fronten verhärten sich nur noch mehr.

Worauf Sie nicht hereinfallen sollten:

Ich selbst bin kein Anhänger der Theorie, die zur Zeit etwas Mode ist in der Paartherapie: nämlich, dass der, der betrogen wurde, ja auch zum Geschehen beigetragen hat, weil er ja durch seine Art die Beziehung so gestaltet hat, dass daraus letztendlich es zum Seitensprung kam.

Um es klar zu sagen: 


Für die eigene Beziehung hat man selbstverständlich Verantwortung. Im mathematischen Idealfall ist jeder zu 50 Prozent für das Gelingen / Scheitern verantwortlich. Man ist aber nicht verantwortlich für die Handlungen, die der Partner aus Frust, Enttäuschung oder was auch immer, tut.

Natürlich kann jemand sich in seinen 50 Prozent Verantwortung so gehen lassen, dass der Partner komplett unzufrieden ist, unter der Beziehung leidet, ja schier verzweifelt. Aber das bedeutet nicht, dass er / sie gezwungen ist, mit jemand anderen ins Bett zu steigen. Er oder sie könnte sich ja auch einfach trennen und erst dann ...
Klar, ich weiß, in der Realität läuft es meist anders. Das ändert aber nichts, dass man für sein Verhalten Verantwortung übernimmt, egal was einem dazu getrieben hat.

Denken Sie nicht wie ein Zuhälter und seine Prostituierte

Die Aussage, "ich wollte ja gar nicht, du hast mich dazu getrieben", hat nur bei Prostituierten und ihren Zuhältern ihre Berechtigung. Sobald Sie diesen Berufgruppen nicht angehören, ist es nur eine Ausrede, um nicht Verantwortung für die eigene Entscheidung zu übernehmen.

Verantwortung zu übernehmen, ist hilfreich und auch notwendig für ein gemeinsames Bewältigen. Das bedeutet nicht, als bussfertiger Sünder für den Rest des Lebens dastehen zu müssen. Im Gegenteil: Verantwortung und Schuld sind verschiedene Paar Schuhe.

Wo ich die Grenze ziehe? Nur so viel: Ich arbeite als Therapeut, nicht als Richter oder Ankläger oder Moralverkünder. Mein Zugang muss also ein anderer sein. Ein andermal vielleicht davon, der post ist schon lange genug.

Worauf es eigentlich ankommt:

Die Tatsache, dass Verantwortung und Schuld verschiedene Bereiche sind, wird auch von vielen Paartherapeuten oft übersehen.
Deshalb noch einmal:
Auch wenn mein Partner mir längst nicht mehr Partner ist, die Art, wie ich damit umgehe, dafür habe ich allein die Veranwortung. Niemand schreibt mir vor, mit jemand anderen ins Bett zu gehen.

Gut, wenn man einen Berater / Paartherapeut an der Seite hat, der einem hilft, die eigenen Gefühle wieder in eine Perspektive zu rücken. Es geht dabei nicht um die Schuldfrage, es geht darum, sich um die Beziehung zu kümmern, falls da noch eine ist. Beides muss man aber erst herausfinden.


Wie aber umgehen mit einem Partner, dem zum Beispiel die Beziehung langweilt? 

Ihn konfrontieren oder einen möglichen Seitensprung einfach in Kauf nehmen?
Entscheiden müssen Sie selbst, der große Fehler, den Sie machen können, ist, die Dinge zu lange schleifen zu lassen. Sie bringen sich dadurch nur mehr in die Bredoullie. Probieren Sie einmal Folgendes:

Lassen Sie ihn / ihr wissen, dass ihre oder seine Unzufriedenheit für Sie klar ersichtlich ist und fragen sie, was los ist. Geben Sie Ihrer Angst, selber Kritik einstecken zu müssen, nicht nach, nur um schlechte Gefühle zu vermeiden. Sie brauchen Infos, wie ihr Partner sich fühlt und wie es ihm mit Ihnen geht, sonst haben Sie wenig Möglichkeit, zu erfahren, wie es um ihre Beziehung wirklich bestellt ist.

Möglich, dass es nicht beim ersten Mal funktioniert. Macht nichts. Bleiben Sie aufmerksam und bleiben Sie dran. Aber nicht jeden Tag nachbohren!

Treffen Sie eine Entscheidung. 

Das Schicksal Ihrer Beziehung liegt jetzt in Ihren Händen. Will ihr Partner, wollen Sie das, was eingerissen wurde, neu aufbauen - oder auch gleich die restlichen Brücken abreissen? Ist es möglich, mit physischen oder verbalen Bestrafungsaktionen aufzuhören und zu vergeben? Lieben Sie Ihren Partner genug, um den verletzten Stolz hinunter zu schlucken und ihn / sie wieder in ihr Herz zu lassen? Nur Sie können das wissen.
Dehalb: Entscheiden Sie weise, denn wie immer Sie sich entscheiden, es wird ihr Leben nachhaltig verändern.
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Kommentare :

  1. Anonym23.7.13

    Über die Liebe dichtet ein um 1800 herum entstandenes Volkslied aus Tirol:

    |: Fein sein, beinander bleibn, :|
    Mags regn oder windn,
    Oder aberschneibn.
    |: Fein sein, beinander bleibn. :|

    2. |: Gscheit sein, net einitappn, :|
    Ees steckt oft der Fuchs
    In da Zipflkappn.
    |: Gscheit sein, net einitappn, :|
    3. |: Frisch sein, net ummamockn, :|
    Und geht a dei Häuserl
    Und die Liab in Brockn.
    |: Frisch sein, net ummamockn, :|

    4. |: Treu sein, net außigrasn, :|
    Denn die Liab is so zart
    Wia a Soafnblasn.
    |: Treu sein, net außigrasn, :|

    Ich finde, darin ist wichtiges über die Liebe gesagt.

    Bella

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    Antworten
    1. ja, so einiges, egal welche Generation und welche Zeit: wir Menschen stehen immer vor den selben Aufgaben. Zum Glück wissen wir heute auch mehr darüber.

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  2. Anonym26.7.13

    Wir wissen mehr, gewiss, das nützt. Aber was tun in den Fällen, wo es eher auf das Können ankommt?

    Bella

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  3. Als erstes sollte man sich fragen, welche Gründe zum Seitensprung geführt haben? Wenn Unzufriedenheit in der Partnerschaft besteht, sollte die Beziehung auf den Prüfstand gesetzt und entschieden werden , ob man an der Beziehung arbeiten und diese überhaupt fortführen möchte.
    Ob der Seitensprung eine emotionale Katastrophe oder letztendlich eine wertvolle Erfahrung wird, das muss jeder für sich selbst entscheiden!

    Unter Umständen kann ein Seitensprung aber sogar eine Chance auf Weiterentwicklung der Beziehung sein. Dazu ist allerdings eine selbstkritische Auseinandersetzung mit dem Partner erforderlich, die viel Interessantes, aber unter Umständen auch Unbequemes zutage fördern kann.

    Für den betrogenen Partner wird es schwer sein, wieder Vertrauen zu fassen. Aber: Bitte den Partner nicht ständiger Kontrolle aussetzen (Handy checken, ausfragen usw.), das wird keinen Erfolg bringen, im Gegenteil: der andere könnte in Kürze gleich wieder die Flucht ergreifen weil er genervt ist.
    Unabdingbar ist Ehrlichkeit von beiden, ohne die geht gar nichts. Kommunikation ist das A und O. Vertrauen braucht Zeit aber das muss wieder aufgebaut werden. Hilfestellungen hierzu finden sich hier: http://www.seitensprung-fibel.de/.


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