29. Februar 2012

Der typische Fehler deutscher Geschäftsführer

Damit klar ist: Natürlich gibt´s gute Geschäftsführer. Allerdings gibt´s auch schlechte. Jetzt geht es mir  aber nicht um die philosophische Frage, ob es überhaupt welche ... und wenn ja, wie viele ... und wenn nein, dann ... und überhaupt.
Mir geht es schlichtweg nur um ein paar Tatsachen. Und zwar genau um die, die einem als Führungskraft in der Firma nicht gesagt werden. Und die Wahrheit ist: es gibt ihn, den typisch deutschen Geschäftsführerfehler.


Vielleicht ist es auch ein typischer Fehler für deutschsprachige Geschäftsführer, das weiß ich nicht. Aber dieser Geschäftsführerfehler ist mir weder in verschiedenen angloamerikanischen noch in den asiatischen Ländern begegnet, die ich kennen gelernt hatte. In Deutschland aber läuft er mir ständig über den Weg!

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: 
ein Mitarbeiter kommt, um mit Ihnen als Geschäftsführer zu sprechen.  Sie begrüßen ihn, setzen sich mit ihm zusammen und nehmen sich genügend Zeit. Sie hören dem Mitarbeiter aufmerksam zu, notieren sich wichtige Dinge, sagen, Sie werden der Sache nachgehen und dann ... melden Sie sich wochenlang nicht mehr beim Mitarbeiter.

Als Spezialist in Sachen Zwischenmenschliches kenne ich wenig, das Vertrauen so effektiv zerstört und Sie als Geschäftsführer in ein so dummes Licht rückt wie ein solches Verhalten. Es ist wichtig, deshalb gleich noch einmal: Ich kenne wenig, das Vertrauen so effektiv zerstört und Sie als Geschäftsführer in so ein dummes Licht rückt wie ein solches Verhalten.

Warum tun das in Deutschland trotzdem so viele?
Beherzigen Sie lieber folgendes, denn das verspricht wirklich Erfolg:

Halten Sie sich vor Augen: Die Welt ist immer größer als der eigene Horizont.
Ich bin fest überzeugt, wenn wir alle uns das fest eingebläut hätten, wäre die Welt eine bessere und unsere Wirtschaftsleistung eine vielfache.
Aber ganz praktisch: Da die Dinge in der Regel facettenreicher sind, als wir sie erfassen, üben Sie sich im Zuhören: ehe man nicht mindestens zweimal nachgefragt hat, hat man die Dinge nicht verstanden. Alles andere ist Einbildung. Folglich: Ohne Nachfragen sich kein Urteil erlauben!

Verinnerlichen Sie den Grundsatz: Ich gönne mir selbst und ich gönne auch den Mitarbeitern etwas.
 Viele erzählen mir immer die selbe Story. Sie handelt von der Dienstreise und sie geht so:

Der Mitarbeiter reicht die anstehenden Kosten ein, z.B. das Zugticket. Er müsste um 4 Uhr früh losfahren, um rechtzeitig da zu sein.  Gleichzeitig sieht er, wenn er einen Tag früher fahren und die Firma die Übernachtung im Hotel zahlen würde, dann käme das Ganze die Firma billiger, als wenn er nur den Zug ohne Hotel in der Früh um 4 Uhr nehmen würde.
Für einen betriebswirtschaftlich denkenden Menschen ist es klar: der Mitarbeiter fährt am Vorabend, übernachtet und geht am nächsten Tag zum Termin. Nur .... die Story geht immer anders aus: Die günstigere Lösung wird vom Geschäftsführer abgelehnt. Eine Begründung erfolgt entweder gar nicht, oder sie hat weder Hand noch Fuß. Egal: Der Mitarbeiter muss in der Früh fahren, die Firma muss mehr bezahlen.

Ich frage immer nach, was denn der Mitarbeiter denkt, warum der Geschäftsführer die für die Firma günstigere Variante ohne oder mit unsachlicher Begründung nicht genehmigt. Die Antwort der Mitarbeiter ist erschreckenderweise immer die Gleiche: Die gönnen einem das nicht!

Ok, dass Neid in Deutschland eine Rolle spielt, behaupten ja viele gerne. Aber wenn Sie einmal im Ruf stehen, Mitarbeitern nichts zu gönnen, weil Sie Dinge nicht zugestehen, die nachweislich besser wären für alle Beteiligten - ehrlich gesagt, dann haben Sie auf ihrem Posten nichts verloren. Denn Sie schädigen schlicht und einfach die Firma. Und das hat ein Geschäftsführer nicht zu tun. Lieber den Kopf einschalten und Geiz auf Kosten der Mitarbeiter und des Unternehmens ist alles andere als geil.

Wenn ich in schlechten Zeiten nicht zu meinen Mitarbeitern halte, werden meine Mitarbeiter in guten Zeiten nicht zu mir halten.

Der Grundsatz hat sich leider nicht überall herumgesprochen. Dabei wäre er überlebenswichtig: Denn wo soll Ihr Unternehmen in fünf Jahren stehen? Können Sie diese Zukunft ohne gute Mitarbeiter umsetzen? Oder etwa mit Mitarbeitern, die wieder gehen, weil sie mit Ihnen unzufrieden sind? Wenn sie nicht auf gute Mitarbeiter angewiesen sind, wenn es Sie auch nicht stört, ständig neue einzuarbeiten oder glauben, sich das schenken zu können, dann vergessen Sie diesen Grundsatz. Wenn Sie aber gute Mitarbeiter brauchen, dann leben Sie selber das vor, was Sie benötigen.
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